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Deutschland Magenta ohne Morphine: Wandern zwischen Mohn und Märchen
Reisereporter Deutschland Magenta ohne Morphine: Wandern zwischen Mohn und Märchen
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05:06 26.05.2016
Sieht verwunschen aus, vor allem mit der hölzernen Frauengestalt: der alte Hollenteich. Quelle: Naturpark Meissner/Marco Lenarduzzi
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Germerode

Ein Rausch in Rosa - ganz ohne Morphine. Auf einer Fläche von 15 Hektar hat Bauer Björn Sippel Schlafmohn angepflanzt, hier in der Mitte Deutschlands in Hessen. Er legte Pfade aus Stroh durch den Mohn und lädt von Ende Juni bis Mitte Juli zur Mohnblütenwanderung - ein echtes Farbspektakel.

Germerode ist ein verschlafener Ort. Die Idee, hier ein überregional bekanntes Feld in Magenta anzulegen, hatte eigentlich Marco Lenarduzzi. Er ist Geschäftsführer des Naturparks Meißner-Kaufunger Wald und erfuhr von einem ähnlichen Projekt aus Österreich. Beim Bier fand Lenarduzzi in dem Landwirt und Koch Björn Sippel einen Verbündeten, der eigene Felder und eine Ölmühle bewirtschaftete.

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Bauer Björn Sippel pflanzt in Hessen Schlafmohn an - ganz ohne illegale Absichten.

Sippel sät nur morphinfreien Schlafmohn aus. Der Mohnbauer beliefert regionale Bäcker und den Handel mit Öl, Honig oder Senf aus seinem Anbau. Die Besucher stärkt er mit Mohnkuchen oder Mohnbratwurst in einer umgebauten Feldscheune. Und Touristen kommen tatsächlich.

Gleich gegenüber des "Mohnparkplatzes P1" liegt ein kleines Gebäude, die "Mohninformation", in dem eine Frau zur Blütezeit des Mohns über dessen Anbau und Verarbeitung, aber auch lokale Wanderwege und Besonderheiten informiert.

Frühmorgens, wenn sich die ersten Blüten geöffnet haben und die meisten Gäste noch schlafen, macht sich Lenarduzzi mit Hund und Kamera selbst auf die Pirsch: Wo blüht es heute besonders schön? Wo sind die besten Motive in Pink oder Zartrosa, durchmischt mit weißer Kamille oder Kornblumenblau? Wie lange hält die Blütezeit an?

Für den Forstamtsrat ist die Mohnblüte der Türöffner in eine Region, die vielfältige Natur- und Wandererlebnisse bietet - etwa rund um den Hohen Meißner, der auch der "König der nordhessischen Mittelgebirge" heißt, weil man das Felsplateau von weit her sehen kann. Im Winter ist es oft mit einer weißen Kappe bedeckt, auch wenn rundherum noch kein Schnee liegt. Und das erinnert schon mächtig an den Mythos der Märchenfigur Frau Holle, der hier beheimatet ist.

Wem drei Kilometer Mohn-Spazierweg nicht genügen, der findet rund um den Hohen Meißner knapp 20 Wanderwege, die durch tiefe Wälder, über weite Wiesen und entlang von altem Fachwerk führen. Und zwar auf den Spuren der Brüder Grimm. Hier spielten viele ihrer Märchen.

dpa

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