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Region Wunstorf Nachrichten Segler Erdmann kommt zu zwei Vorträgen
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00:16 28.09.2018
Wilfried Erdmann ist in der Vortragsreihe des Seglertreffs Region Hannover zu Gast. Quelle: privat
Steinhude

Kurz nachdem er wegen des großen Interesses für einen zweiten Vortrag beim Seglertreff Region Hannover zugesagt hat, telefonieren wir mit der deutschen Segel-Legende Wilfried Erdmann in Goltoft an der Schlei. Wegen eines kaputten Telefons bei ihm ist der Start etwas kompliziert, doch dann ist er bereit.

Herr Erdmann, Sie haben die ganze Welt vom Wasser aus gesehen – aber sind Sie auch schon mal auf dem Steinhuder Meer gesegelt?

Nein, das ist mit ein bisschen zu flach. Zumindest habe ich in der Region aber auch schon mal einen Vortrag gehalten, das muss aber noch in den achtziger Jahren gewesen sein.

Sind Sie bei Ihren Vorträgen häufig auch abseits der Küsten unterwegs? Und fühlen Sie sich da wohl?

Ich bin oft auch in Süddeutschland gewesen, die Gegend ist auch schön. Meistens waren wir aber zumindest irgendwo am Wasser, zum Beispiel am Bodensee.

Was macht die Faszination des Langstreckensegelns für Sie aus?

Man bereitet solche Törns hunderte von Tagen vor, und wenn sie dann losgehen, liebe ich vor allem das Alleinsein. Alle Entscheidungen kann man selbst treffen, aber muss sich auch selbst versorgen. Natürlich gibt es unterwegs viele Härten, aber die schönen Erinnerungen überdecken das am Ende meist. Schön ist natürlich, dass mir meine Fahrten alle gelungen sind. In vielen Gegenden, die anfangs noch recht unbekannt waren, sind heute jährlich dutzende Segler unterwegs.

War die Weltumsegelung gegen die vorherrschenden Richtungen , um die es in den Vorträgen geht, für Sie ein würdiger Abschluss der ganz großen Törns, oder hätten Sie gern noch ähnliche Projekte realisiert? Oder waren die Strapazen „gegen den Wind“ so viel stärker, dass Sie etwas in der Art nicht noch einmal wiederholt hätten?

Wilfried Erdmann berichtet von seiner letzten Weltumseglung. Quelle: Wilfried Erdmann

Das war schon etwas verrückt. Über Wochen musste ich mit Schräglage, Nässe und sehr kurzen Strecken zurechtkommen, die ich täglich nur zurücklegen konnte. Das war nichts, was man noch einmal wiederholen würde.

Wie stark verfolgen Sie heute Ihre Nachfolger, die Weltumseglungen in Angriff nehmen? Suchen diese auch Ihren Rat?

Ich habe keinen richtig betreut, aber viele Versuche verfolgt. Bis heute hat es in dieser Form ja noch keiner wieder geschafft.

Sie haben auf Ihrer Homepage gerade anklingen lassen, dass der Ostseetörn in diesem Sommer möglicherweise der letzte war. Wollen Sie sich seglerisch zur Ruhe setzen?

Ich denke es reicht. Ich bin mittlerweile 78 und habe in diesem Sommer auch gemerkt, dass die große Hitze bei einem nicht so gut belüfteten Boot zusätzliche Schwierigkeiten machte. Außerdem sind mittlerweile überall zu viele Schiffe unterwegs. Und meine Kathena Nui zählt mittlerweile auch zu den kleineren Schiffen.

Welche Ihrer Boote sind neben der Kathena Nui eigentlich noch einsatzbereit?

Eines ist mal gesunken, die anderen sind aber alle noch unterwegs. Die Kathena Nui ist aber das einzige, das ich noch habe.

Hätten Sie sich auch vorstellen können, häufiger sportlich in eine Jolle zu steigen?

Meine Tour durch Mecklenburg-Vorpommern auf einem Schwertzugvogel war damals auch eine tolle Sache. Allerdings mag ich doch lieber größere Kielboote.

Sie haben Ihre Abenteurer-Karriere als junger Mann mit einer Radtour nach Indien begonnen – hat es Sie später irgendwann gereizt, auch auf diesem Weg noch einmal unterwegs zu sein?

Heute ist ja in fast allen Ländern Krieg, die ich damals bereist habe. Ich erinnere mich noch gut an die sehr schlechten Straßen überall. Dann hat mich die Segelei aber sofort begeistert, und auch wenn es anfangs finanziell auch ein Wagnis war, hat sie sich doch bald positiv entwickelt.

Sie haben berichtet, wie Sie ihre erste Weltumsegelung ohne einen Segelschein in Angriff genommen haben. Haben Sie den später eigentlich nachgeholt?

Nein, aber es hat mich von den Behörden auch noch nie jemand danach gefragt.

Ausnahmesegler hält zwei Vorträge

Viermal hat er die Welt insgesamt umsegelt: Mit dieser Vita ist der 78-jährige Wilfried Erdmann eine Ausnahmefigur unter den deutschen Langstreckenseglern. Zwei Mal ist er allein nonstop an Bord seine Bootes „Kathena Nui“ um die Welt gesegelt. Als bisher einziger Deutscher und fünfter Segler überhaupt hat er in den Jahren 2000 und 2001 die Strecke von Cuxhaven nach Cuxhaven dabei in Ost-West-Richtung und damit gegen die vorherrschenden Windrichtungen in 343 Tagen geschafft.

Nachdem er 1958/59 zunächst eine Radtour nach Indien unternahm, verlagerte er seine extremen Reisen dann bald aufs Wasser und trat bereits 1967 seine erste Runde um die Erde an. Über die Jahre fanden die Bücher und Vorträge über seine Reisen ein großes Publikum. Dafür war Erdmann nicht immer nur auf hoher See unterwegs, sondern erkundete im Sommer 1990 auch mit einer Jolle des Typs Schwertzugvogel die neu zugänglichen Gewässer in den letzten Wochen der DDR.

Bei seinem Besuch beim Seglertreff Region Hannover wird nun unter dem Titel „Allein gegen den Wind“ aber die spektakulärste seiner Weltumsegelungen im Mittelpunkt stehen. Von der extremen Reise hat er viele Bilder mitgebracht, die oft unter sehr schwierigen Bedingungen entstanden sind. Weil der Vortrag am Donnerstag, 1. November, in den Steinhuder Strandterrassen schnell ausverkauft war, konnte Koordinatorin Andrea Kuschetzki mit ihm jetzt einen zweiten Termin am folgenden Tag vereinbaren. Karten für 19 Euro gibt es für Freitag, 2. November, unter anderem in den Geschäftsstellen von HAZ und NP. Weiter Informationen gibt es auch unter www.seglertreff-region-hannover.de.

Von Sven Sokoll

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