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Region Wunstorf Nachrichten Platz für neue Eigenheime ist knapp
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00:16 01.09.2018
Die Erschließung des fünften Abschnittes des Wohngebietes Wunstorf Süd ist im Gange. Quelle: Albert Tugendheim
Wunstorf

„Aufgrund der hohen Zahl an Interessenten können wir nur jedem zehnten Bauwilligen ein Grundstück verkaufen. Das macht die Gesprächslage mit vielen enttäuschten Kunden nicht einfach." So schildert der Leiter der Baufinanzierung bei der Stadtsparkasse Wunstorf, Markus Klingemann, den derzeitigen Alltag der Bauberater.

Sparkassen-Vorstand Frank Wiebking bestätigt das. Er leitet die Stadtsparkassen Wunstorf Immobilien Gesellschaft. In seinem Büro stapeln sich die Unterlagen von Interessenten, die ihren Wunsch nach einem Eigenheim verwirklichen wollen. Gerade geht der fünfte Bauabschnitt des Baugebietes am südlichen Rand der Kernstadt ans Netz. „Für die 30 Grundstücke haben wir 300 Interessenten“, berichtet er. Und: „Danach haben wir erst mal nichts mehr im Regal.“

Das zeigt, dass neben großem Interesse von Wunstorfern und Zuzüglern an Geschosswohnungen auch der Wunsch nach einem Eigenheim mit Garten ungebrochen ist. Im mangelnden Angebot sieht Wiebking eine Gefahr. Es sei zu befürchten, dass viele in Nachbarkommunen ziehen. Wer sich dort umschaut sieht, wie etwa in Hagenburg, dass an vielen Orten Neubaugebiete geschaffen werden.

Etwa 1000 Eigenheime bis 2030 nötig

Vor zwei Jahren hat die Beratungsgesellschaft für Wohnen, Immobilien, Stadtentwicklung, Analyse und Konzepte ein Wohnraumversorgungskonzept für Wunstorf vorgelegt. In ihrer Situationsanalyse prognostizieren die Fachleute: „Eine Grundnachfrage nach Neubaueigenheimen wird auch zukünftig durch die sich verändernden qualitativen Ansprüche bestehen, die durch Bestandsimmobilien nicht gedeckt werden können.“ Der Neubaubedarf werde bis 2030 bei 820 -1100 Eigenheimen liegen, das macht etwa 50 bis 70 Häuser pro Jahr. Das sei, so sagt Immobilienfachmann Wiebking, nicht alleine aus dem Bestand an Häusern zu stemmen. Maximal die Hälfte des Bedarf könnte mit vorhandenen Häusern gedeckt werden. Der Baulückenkatalog der Stadt helfe nur bedingt. Viele der dort aufgezeigten Baulücken seien nicht am Markt.

Noch vor einigen Jahren – etwa auch zur Zeit des Stadtjubiläums im Jahre 2011 – galt bei Politik und Stadtplanung eine andere Auffassung: Es wurde seitens unabhängiger Gutachter eine leicht zurückgehende Bevölkerungszahl prognostiziert. Daraus schlossen seinerzeit die Verantwortlichen, dass es sinnvoll sei, Baugebiete wenn überhaupt, nur am südlichen Rand der Kernstadt zuzulassen. Inzwischen haben sich die Voraussetzungen geändert. Wunstorfs Bevölkerung wächst leicht, aber stetig.

Suche nach Flächen hat begonnen

Die Politik reagiert inzwischen darauf und will künftig wieder verstärkt Gebiete für Häuslebauer schaffen. Die Mehrheitsgruppe aus SPD/Grüne/FDP hat das vor einigen Tage bestätigt. „In den Ortschaften sind die Baulücken nahezu vollständig geschlossen, ein Wachstum ist nur noch durch Abriss bestehender Häuser oder durch Ausweisung neuer Baugebiete möglich“, schrieb dazu die Sprecherin der Mehrheitsgruppe, Kirsten Riedel. Die Verwaltung habe in den vergangenen Monaten zusammen mit den Ortsräten zahlreiche Flächen analysiert, die in Betracht kommen könne. „Die Flächen müssen jetzt nach Priorität sortiert werden. Wir haben eine Liste mit Kriterien erstellt, die wir nun im Rat und mit der Verwaltung beraten wollen“, so Riedel weiter. Zu diesen Kriterien gehören Fragen nach möglichst geringer zusätzlicher Verkehrsbelastung oder nach möglichen Folgekosten für den Bau neuer Kindergärten oder anderer Einrichtungen.

In Steinhude sollen auf dieser Fläche neue Häuser entstehen. Quelle: Albert Tugendheim

Aber auch die Preise für die Grundstücksverkäufe sollen im Rahmen bleiben, darauf hat die Mehrheitsgruppe hingewiesen. Das sieht auch die baupolitische Sprecherin der CDU, Christiane Schweer so. Das lasse sich aber schwerlich steuern und gehe nur im Einklang mit den Grundeigentümern. Schweer sagt, dass es das Ziel sein müsse, Menschen in Wunstorf zu halten oder sie herziehen zu lassen. Gemeinsam haben die Politiker ein Wohnkonzept 2025 auf den Weg gebracht. Inzwischen gibt es bei der Verwaltung eine lange Liste mit möglichen Standorten, die auch bereits bewertet sind. Welche Orte das sind, das will die Stadt nicht verraten.

Und das mit gutem Grund. Häufig gehen die Verkaufspreisvorstellungen der Landeigentümer schnell in die Höhe, wenn solche Standorte bekannt werden. Manchmal scheitern Gespräche auch an diesen Preisvorstellungen, sagt Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt. Dann werde dort eben kein Bebauungsplan aufgestellt. Manchmal gibt es aber auch überraschende Angebote an die Stadt. Baudirektor Robert Lehmann bestätigt, dass es derzeit neben dem 5. Abschnitt des Baugebiet im Wunstorfer Süden und der Fläche der früheren Räucherei Goslar in Steinhude keine vermarktungsreifen Baugebiete gebe.

Was bis 2025 umgesetzt sein kann, werde wohl nicht so wirklich viel sein, so schwant es der CDU-Frau Schweer. „Wir hätten früher anfangen müssen, Baugebiete vorzubereiten“, sagt sie. Nun müssen die Berater wohl noch eine Weile Kunden enttäuschen.

Von Albert Tugendheim

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