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Nachrichten Albtraumunfall auf der A2: Polizei mitschuldig?
Region Wunstorf Nachrichten Albtraumunfall auf der A2: Polizei mitschuldig?
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16:21 18.12.2008
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Zeugen hatten die Polizei alarmiert, weil der Mann mitten auf der Fahrbahn der Bundesstraße lief.

Gegen 1.45 Uhr kam es dann zur Katastrophe: Ersten Ermittlungen zufolge war ein 23-jähriger Niederländer mit seinem Nissan auf der linken Fahrspur in Richtung Dortmund unterwegs, als kurz vor der Anschlussstelle Wunstorf-Luthe plötzlich der 48-Jährige vor ihm auftauchte. Der Autofahrer versuchte noch, dem Fußgänger auszuweichen, konnte aber nicht mehr verhindern, dass der Wagen den Mann mit voller Wucht erfasste. Das Opfer durchschlug zunächst die Windschutzscheibe, schleuderte dann zurück auf die Fahrbahn und wurde dort von mehreren nachfolgenden Fahrzeugen überrollt. Der Mann war sofort tot.

Der Nissan kam schließlich auf der mittleren Spur zum Stehen. Der Fahrer konnte sich gerade noch rechtzeitig retten, bevor ein 57-jähriger Lkw-Fahrer in den Wagen raste und ihn auf den Seitenstreifen schleuderte. Auch ein 58-jähriger Ford-Fahrer und ein 38-jähriger Lastwagenfahrer rasten in die Trümmerteile, die über eine Strecke von 200 Metern auf der Autobahn verteilt waren. Sie konnten ihre Fahrzeuge aber unter Kontrolle halten. Der 23-jährige Nissan-Fahrer wurde mit leichten Verletzungen und einem Schock ins Krankenhaus gebracht.

Unklar ist, ob der Unfall hätte verhindert werden können. Nach Angaben der Polizei hatten die Beamten, die den Mann an der Bundesstraße zwischen Wunstorf und Seelze kontrollierten, bemerkt, dass der 48-Jährige Alkohol getrunken hatte. „Es liegt im Ermessen der Beamten, ob die Person für sich oder für andere eine Gefahr darstellt“, erklärte eine Polizeisprecherin. Der Mann habe keinerlei Ausfallerscheinungen gezeigt. Er habe angegeben, auf dem Heimweg nach Seelze zu sein. Eine Überprüfung ergab, dass der 48-Jährige dort tatsächlich gemeldet war.

Auch fanden die Beamten heraus, dass er bereits wegen Diebstahls und Drogendelikten in Erscheinung getreten war. Sie ließen ihn dennoch ziehen. Wären die Polizisten zu dem Schluss gekommen, der Zustand des Mannes sei untragbar, hätten sie ihn in Schutzhaft nehmen können. Nach der Kontrolle des 48-Jährigen, gegen 1.30 Uhr, erreichten die Polizei zwei weitere Anrufe. Zeugen meinten, einen Fußgänger auf der Autobahn gesehen zu haben. Noch während eine Streife auf dem Weg zur Autobahn war, ging der nächste Notruf ein: Der Fußgänger war vor den Nissan gelaufen.

Am Mittwoch arbeiteten Rechtsmediziner zunächst daran, das Opfer zu identifizieren. Durch den Unfall war der Körper so entstellt worden, dass lange nicht klar war, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelte.
Für die Unfallaufnahme und die Aufräumarbeiten war die A2 sechs Stunden lang, bis um 7.40 Uhr am Mittwochmorgen, ab der Anschlussstelle Garbsen in Richtung Dortmund gesperrt. Der Verkehr wurde umgeleitet, dennoch staute er sich zeitweise bis zu zehn Kilometer.

von Vivien-Marie Drews und Tobias Morchner

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