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Nachrichten NS-Morde im Wennigser Kloster?
Region Wennigsen Nachrichten NS-Morde im Wennigser Kloster?
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14:07 19.02.2019
Heute ist das Kloster Wennigsen ein Ort der Stille und des Friedens. Quelle: Tobias Welz
Wennigsen

Das Kloster Wennigsen ist ein Ort der Ruhe und des Friedens. Nachforschungen der Leibniz Universität Hannover haben allerdings ergeben, dass es im Nationalsozialismus womöglich Schauplatz grässlicher Altenmorde gewesen ist. Konkret geht es um den Tod von sechs Männern und acht Frauen im Alter zwischen 54 bis 84 Jahren, die nach Einträgen im Friedhofsbuch am 9. April 1945 auf dem Wennigser Friedhof beigesetzt wurden.

„Wir müssen darüber reden“

Nach Angaben von Harro Lange und Dirk Müller vom Heimatmuseum, habe in Wennigsen bislang keine dezidierte Aufarbeitung der NS-Zeit stattgefunden. „Ich habe das Gefühl, das Thema wird totgeschwiegen“, sagt Lange. Zwar leben noch einige wenige Zeitzeugen in Wennigsen. Diese würden sich jedoch nicht offiziell befragen lassen wollen, sagt Müller. Auch Wennigsens Bürgermeister Christoph Meineke hatte beim Neujahrsempfang im Kloster dieses Thema öffentlich angesprochen und dazu aufgefordert: „Wir müssen darüber reden! Das haben wir in Wennigsen in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten zu wenig getan.“

Laut Anklage im Nürnberger Ärzteprozess von 1946/47 hatte das nationalsozialistische Regime unter Adolf Hitler insgesamt rund 75.000 alte Menschen durch die Verabreichung überdosierter Medikamente oder eine bewusste Unterversorgung gezielt ermordet. Sogenannte Himmelfahrtsspritzen sollen massenhaft injiziert worden sein.

Kriminologische Untersuchung

Es gäbe Verdachtsmomente, dass die Gesundheitspolitik des NS-Regimes „ihre tödliche Wirkung auch unter dem Dach des Klosters Wennigsen entfaltetet“, schreiben die Wissenschaftler der Universität in ihrer Studie. Was sie herausgefunden haben, ist nachzulesen in dem Buch „Die Klosterkammer Hannover 1931-1955 “, das im Dezember im Wallstein-Verlag erschienen ist. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt wurden mit einer „kriminologischen Untersuchung der Verdachtsmomente“ beauftragt. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge teilte auf Nachfrage dieser Zeitung mit, dass seine Behörde keinen Anfangsverdacht nachweisen konnte und es daher kein Ermittlungsverfahren gegeben habe.

Die Redaktion sucht Zeitzeugen, aber auch Text- und Fotomaterial, insbesondere aus den Jahren zwischen 1933 und 1945, um sich noch mehr mit der Wennigser Geschichte zu beschäftigen. Melden kann man sich per E-Mail an wennigsen@haz.de.

Von Tobias Welz

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