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Marode, veraltet und baufällig: Im Wasserpark Wennigsen müssen der Gebäudetrakt mit Umkleiden, Duschen und Werkstatt, aber auch der nahezu ungenutzte Gastronomiebereich dringend grundsaniert werden.

Marode, veraltet und baufällig: Im Wasserpark Wennigsen müssen der Gebäudetrakt mit Umkleiden, Duschen und Werkstatt, aber auch der nahezu ungenutzte Gastronomiebereich dringend grundsaniert werden.
© Ingo Rodriguez

Wennigsen

Wasserpark soll mit Zuschüssen grundsaniert werden

Seltene Chance: Die Gemeinde Wennigsen will neue Förderrichtlinien nutzen, um eine dringend erforderliche Grundsanierung des Wasserparks finanzieren zu können. Das ist jedoch auch mit langfristigen Mehrkosten verbunden - erheblichen. Nun muss der Rat der Gemeinde eine Grundsatzentscheidung treffen.

Wennigsen.  Die Bestandsaufnahme klingt für den Wasserpark, seinen Trägerverein und die Gemeinde erschreckend: Die verregnete Sommersasion war ein Desaster, nur rund 6000 Besucher – Minusrekord. Und das Geschäftsjahr war für den Trägerverein wieder ein Minusgeschäft: kaum Einnahmen und deshalb auch keine Möglichkeit, Rücklagen für eine dringend notwendige Grundsanierung der Gebäude zu bilden, trotz des vertraglich garantierten kommunalen Zuschusses von 100 000 Euro pro Jahr.

Doch nun gibt es Hoffnung. Und nie zuvor war die Aussicht auf eine derart üppige Finanzspritze so groß wie jetzt. Es war Wennigsens kommunaler Wirtschaftsförderer Christian Mainka, der im Finanzausschuss einen viel versprechenden Rettungsplan vorstellte: Wegen neuer Förderrichtlinien kann sich die Gemeinde nun um erhebliche Zuschüsse für eine Grundsanierung der gesamten Anlage bewerben. „Die Gebäude und einige Außenanlagen sind aus den Fünfzigerjahren und in einem schlechten Zustand“, fasste Mainka nur kurz zusammen. Es ist kein Geheimnis: Der Trakt mit Umkleiden, Sanitäranlagen und der Bau mit dem Gastronomiebereich sind veraltet und baufällig. Nun sei es aber möglich, 73 Prozent der erforderlichen Gesamtkosten für eine Grundsanierung über eine Förderung zu finanzieren, berichtete Mainka. Der mögliche Zuschuss könne bis zu 500 000 Euro betragen und um weitere Fördergelder aufgestockt werden – eine verlockende Summe bei geschätzten Gesamtkosten von rund einer Million Euro.

Schafe helfen bei Instandhaltungsarbeiten

Im Wasserpark laufen nach dem Ende der Sommersaison schon wieder die Vorbereitungen für das nächste Jahr auf Hochtouren. Und während Schwimmmeister Hartwig Hudasch derzeit auf einigen Holztischen einen neuen Schutzanstrich aufträgt, erledigen auf dem Freigelände ungewöhnliche Helfer unentgeltlich Instandsetzungsarbeiten: Dort grast eine kleine Schafherde von Jonas Dankert aus der Wennigser Mark. Dem Bruder von Martin Dankert, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins, wird die Freifläche für seine Schafe außerhalb der Saison nicht ganz ohne Hintergedanken zur Verfügung gestellt. „Beim Abgrasen fressen die Tiere auch das Laub von der Wiese und stopfen dabei gleichzeitig unebene Stellen oder Maulwurflöcher“, sagt Hudasch. Gegen die Winterkälte sind die Tiere laut Schwimmmeister gut gewappnet. „Die haben ein dickes Fell und viele Bäume zum Unterstellen“, sagt er. Ihr Aufenthalt nützt dem Trägerverein aber nicht unwesentlich. „Deshalb müssen wir erst später mit dem Mähen anfangen“, so Hudasch.

Es gibt aber Grund zur Eile. Denn: „Die Förderperiode endet 2020“, sagte Mainka. Ein Antrag müsse spätestens bis September 2018 gestellt werden. Deshalb soll der Rat nun bereits in der nächsten Woche grünes Licht für einen Sonderzuschuss in Höhe von 50 000 Euro geben. Das Geld wird unter anderem benötigt, um eine Planung sowie Kostenschätzungen zu erarbeiten, die bei dem Förderantrag vorzulegen sind. Schöner Begleiteffekt: Um künftig die Abhängigkeit vom Saisongeschäft zu reduzieren, sollen die Gebäude so umgebaut werden, dass sie ganzjährig und multifunktional von Vereinen, Verbänden und Privatgruppen genutzt und gemietet werden können – um Zusatzeinnahmen zu erzielen.

Dass die Sache eine Haken hat, war dem Ausschuss in einer Beschlussvorlage verdeutlicht worden. Denn: Zum Gesamtpaket für den Rettungsschirm gehört auch ein neuer Nutzungsvertrag zwischen Gemeinde und Trägerverein. Darin soll eine Erhöhung des jährlichen kommunalen Zuschuss von 100 000 auf 150 000 Euro garantiert werden – damit der Trägerverein künftig Zuschussgeschäfte wie in der jüngsten Saison ausgleichen und Rücklagen bilden kann.  Das Problem: Im Falle einer finanziell bedingten Naturbadschließung vor einer Ablauffrist von etwa 20 Jahren müssten alle Fördergelder zurück gezahlt werden. Deshalb soll der neue Vetrag auf eine genau so lange Laufzeit angehoben werden.

Zwar einigten sich die Ausschussmitglieder fraktionsübergreifend wegen Beratungsbedarfes auf eine Vertagung der Entscheidung. Trotzdem kam auch schon Kritik auf. CDU-Ratsherr Anselm Borrmann etwa machte für die schlechten Besucherzahlen nicht nur die maroden Gebäude und das Wetter, sondern „ein Imageproblem“ verantwortlich. Deshalb forderte er auch, die Verantwortung im Trägerverein „auf breitere Schultern zu stellen“.

Notiz am Rande: Einem sofortigen Sonderzuschuss für den Trägerverein in Höhe von 8000 Euro stimmte der Ausschuss einhellig zu. Hintergrund: Weil der jährliche Betriebskostenzuschuss von 100 000 Euro nach der schlechten Sommersaison aufgebraucht war, hatten ehrenamtliche Vorstandmitglieder teilweise private Einlagen getätigt, um Rechnungen zu begleichen.

Von Ingo Rodriguez


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Wennigsen ist ...

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  • ... in die deutsche Geschichte eingegangen, weil dort 1945 die SPD wiedergegründet wurde.
  • ... Heimatort von Adolph Freiherr Knigge.
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