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Nachrichten Waldorfschule Sorsum: Hier kochen die Schüler selbst
Region Wennigsen Nachrichten Waldorfschule Sorsum: Hier kochen die Schüler selbst
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01:28 09.03.2018
Die Fünftklässler Paul und Emilia bereiten die Beilagen zu. Quelle: Marcel Sacha
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Sorsum

 „Es ist eine spannende Abwechslung zum alltäglichen Mathe- und Deutschunterricht“, sagt die Fünftklässlerin Emilia, während sie mit Kochmütze und Schürze in der Küche der Freien Waldorfschule Sorsum (FWS) steht und mit ihrem Klassenkameraden Paul die Paprika schneidet. Die Arbeit in der Schulküche gehört seit nunmehr zehn Jahren zum pädagogischen Konzept der FWS. Als sogenannte Landschule hat es sich die Waldorfschule zur Aufgabe gemacht, die Schüler von Anfang an an die Natur heranzuführen. Dazu gehört auch die Nutzung natürlicher Ressourcen bei der Nahrungszubereitung.

Folglich wird in der Schulküche genau darauf geachtet, welche Lebensmittel verarbeitet werden. Tiefkühlkost gehört daher nur in Ausnahmefällen dazu. Gekauft werden stattdessen in erster Linie frische, saisonale Lebensmittel – vorzugsweise aus ökologischem Anbau aus der Region. Die restlichen Zutaten stammen aus den von den Schülern selbst angelegten Beeten.

Die ehrenamtliche Helferin Regina van Lengen (links) überreicht Kornelia Weber eine Portion des Tagesgerichts. Quelle: Marcel Sacha

Dass dieser Ansatz bei den Schülern gut ankommt, beweist die tägliche Anzahl an ausgegebenen Mahlzeiten. Bis zu 240 Essen gehen in der Schulküche pro Tag über den Tresen. „Das bedeutet, dass zwei Drittel der Schülerschaft das Angebot annehmen“, erläutert Regina van Lengen, die als Elternteil einmal pro Woche ehrenamtlich in der Küche mithilft. 

Sie unterstützt damit zwei hauptamtliche Köchinnen, hinzu kommen eine 450-Euro-Kraft – und natürlich die Schüler. Für zwei Stunden stehen jeweils zwei Kinder aus dem 5. und 6. Jahrgang in der Küche und arbeiten den Köchinnen zu. So schneiden sie beispielsweise das Gemüse, schälen Kartoffeln oder bereiten das tägliche Dessert zu. Dabei wird den Schülern auch beigebracht, welche hygienischen Vorschriften bei der Zubereitung zu beachten sind.

Auch die höheren Jahrgänge packen mit an. Die Neunt- und Zehntklässler sind dafür zuständig, die Tabletts zu füllen und sie ihren Mitschülern anschließend auszuhändigen. Als Belohnung für ihre Arbeit als Küchenhilfe bekommt jeder Schüler am Ende der 10. Klasse ein anerkanntes Praktikumszeugnis. Ergänzt wird die praktische Erfahrung durch die Vermittlung des theoretischen Wissens im Schulalltag. Das Konzept der Ernährungserziehung wird an der FWS ab der 1. Klasse durchgehend verfolgt.

Barbara Kohl ist eine der hauptamtlichen Köchinnen in der Schulküche. Quelle: Marcel Sacha

Als die Schulküche vor zehn Jahren ihren Betrieb aufnahm, habe niemand geahnt, wie gut das Angebot letztendlich bei den Schülern ankommen würde, berichtet van Lengen. „Anfangs hatten wir mit 80 Essen geplant“, erinnert sie sich. „Daraus wurden jedoch innerhalb kurzer Zeit 120.“

Neben dem ökologischen Bewusstsein soll mit dem Konzept der Schulküche auch die Teamfähigkeit gestärkt werden. Bei Paul und Emilia scheint dies auf jeden Fall zu funktionieren. „Normalerweise verstehen sich die Jungen und Mädchen im Schulalltag nicht besonders“, sagt Paul. „Hier funktioniert die Zusammenarbeit aber sehr gut“, ergänzt er.

Dennoch: Helferin van Lengen erklärt, dass in der Küche auch hin und wieder ein rauer Ton herrschen kann, zum Beispiel wenn der Zeitdruck wächst und die ersten hungrigen Schüler in den Startlöchern stehen. Durch diesen Druck bekämen die Kinder aber auch bereits einen Eindruck vom Berufsleben, sagt sie. „Das ist ein Vorgeschmack auf die spätere Realität.“

Schulküche feiert Jubiläum

Aus Sicht der Schulleitung und des Fördervereins ist mit der Schulküche ein echtes Erfolgskonzept entstanden. Das zehnjährige Bestehen soll daher gebührend gefeiert werden – und zwar einen ganzen Monat lang. Beginn der Jubiläumswochen ist am Dienstag, 10. April. Um 18 Uhr lädt die Freie Waldorfschule zu einer Feierstunde für geladene Gäste ein. Zudem wartet auf die Schüler ein echtes Festmahl in Form eines „All you can eat“-Tages, zusätzlich wird ein Discjockey aus den Reihen der Schülerschaft für die passende Musik sorgen. Darüber hinaus wird in der Schule durchgehend eine Ausstellung zu sehen sein, die die Geschichte der Schulküche aufzeigt. Den Abschluss der Feierlichkeiten markiert am Sonnabend, 5. Mai, ein Tag der offenen Tür. Die Schüler dürfen sich derweil auf eine Entlastung freuen: Während der Jubiläumswochen übernehmen die Lehrer die Essensausgabe.

Von Marcel Sacha

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