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00:15 29.12.2017
Norbert Köpsel zeigt ein Modell des A 380 - und wo der Airliner one angesetzt wird in der Flugzeugbau-Praxis. Quelle: Hartung
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Wennigsen

 Die Hauptstraße in Wennigsen. Passanten kommen mit ihren Einkaufstüten vom Edeka-Markt, andere stehen vor dem China-Restaurant, studieren die Speisekarte. Gegenüber, zentral und doch etwas versteckt, befindet sich mit der MVK line ein Unternehmen, das in 95 Ländern und damit weltweit tätig ist. Man kann es auch nicht ahnen. Denn hier geht alles sehr leise zu, es herrscht wenig Lieferverkehr. Kein Wunder: MVK stellt kleine und feinmechanische Geräte her, die weder für Emissionen noch Lärm sorgen.  

In der hauseigenen MVK-Werkstatt repariert Jörg Dannenberg einen Motor für Laborantriebe.

 

„Hier saßen schon Leute aus den unterschiedlichen Nationen am Tisch“, berichtet Firmenchef Norbert Köpsel, als er im Besprechungsraum den Mann von der Zeitung empfängt. Stolz ist Köpsel darauf, dass seine insgesamt 300 Zulieferer ausschließlich aus Niedersachsen kommen, der Großteil aus der Region Hannover, allein 20 aus Wennigsen. Die maschinelle Fertigung der Einzelteile erfolgt also außerhalb, der mechanische Zusammenbau innerhalb des MVK-Gebäudes an der Hauptstraße in der eigenen Werkstatt – wobei sich im Lager nach Köpsels Schätzung etwa 20.000 Einzelteile befinden. 

Andere Länder, andere Sitten

Die MVK line beliefert Kunden in 95 Ländern. Da ergibt es sich von selbst, dass Norbert Köpsel und sein Team mit unterschiedlichen Mentalitäten in Berührung kommen. Denn Geschäft ist eben immer noch Geschäft und am Ende muss für beide Seiten der Preis stimmen, um sich handelseinig zu werden. „Ganz entspannt sind immer die Australier. Mit denen gibt es nie Probleme, das sind ganz tolle Menschen“, berichtet Köpsel. Weitaus schwerer kann es bisweilen mit Vertretern aus den arabischen Ländern zugehen – nach Erfahrungen des Firmenchefs werden die Verhandlungspartner oft ungeduldig, wenn sie von ihren eigenen Vorstellungen abweichen müssen. Aber nach zähen und langwierigen Preisverhandlungen kommt das Geschäft doch noch zu Stande und alle sind zufrieden. Und der Asiate? „Die Asiaten wollen erstmal etwas essen. Da haben sie die Ruhe weg – und irgendwann geht es dann auch mal um das Geschäftliche.“ 

Von Wennigsen aus geht es dann in die weite Welt: Zu den Abnehmern der Feinen Dentalgeräte gehört nicht nur ein Zoo im Ruhrgebiet, wo die Zähne der Löwen geschliffen werden, sondern auch die Zahnmedizin-Fakultäten der Universitäten in Kairo, Riad, Damaskus und Casablanca. Außerdem schwören die Falkner in Dubai auf die Lieferungen aus Wennigsen: Sie nutzen die Geräte, um die Schnäbel ihrer teuren Vögel zu polieren. In diesen Tagen erhält Köpsel Besuch von einem türkischen Schmuckhändler: Er benötigt ein gutes Poliergerät, um seinen Schätzen für eine bevorstehende Messe den nötigen Glanz zu verleihen. Die von MVK hergestellten Geräte sind aber auch für den Menschen – auch wenn sie nicht in Zahnarztpraxen zu sehen sind, obwohl sie mit der Ausrüstung eines Dentisten Ähnlichkeiten aufweisen. „Bundesweit gibt es etwa 10.000 Dentallabore, wir beliefern rund 5000 davon“, sagt Köpsel. Dort werden mit MVK-Produkten dann Gebiss, Krone oder Brücke nachbearbeitet und zurück in die Zahnarztpraxen geschickt. 

Den sogenannten Each Boy stellt MVK für die Dentalindustrie her, in der das Gerät zum Schleifen verwendet wird.

 Das wichtigste der insgesamt 40 MVK-Produkte ist aber der Airliner one. Seit acht Jahren ist er auf dem Markt und mittlerweile so entwickelt, dass er im Flugzeugbau nicht mehr wegzudenken ist. Airbus setzt das Gerät für die komplette Flugzeugflotte wie beispielsweise beim A380 ein, um außen und innen die rund eine Millionen Nietlöcher zu entgraten. Weil der Airliner one rund 800 Gramm weniger als die druckluftbetriebenen und damit lauteren Vorgängermodelle wiegt und dazu jede noch so kleine Ecke erreicht, liegen die Vorteile im wahrsten Sinne auf der Hand: Arbeitserleichterungen der Mitarbeiter, erhebliche Energiekosteneinsparungen und Steigerung der Verarbeitungsqualität in den Airbuswerken. Und das spricht sich in der Luftfahrt herum: Köpsel berichtet, dass bereits die NASA Interesse am Airliner one angemeldet hat. Vielleicht heißt es also bald: Von Wennigsen in die Welt – und ins Universum.

Das ist die MVK line

Im Jahr 2005 gründete der Wennigser Norbert Köpsel, vorher Geschäftsführer bei einem Mitbewerber in der gleichen industriellen Branche, mit zwei weiteren Mitarbeitern in seinem Heimatort den Mikromotore Vertrieb Köpsel (MVK). Weil es aber internationaler klingt, firmiert man nur noch mit MVK und hat eine englischsprachige Linie hintendran gehängt. MVK line stellt Präzisionsgeräte zum Schleifen, Polieren und Fräsen her. Insgesamt gibt es 40 Produkte von MVK line, mit denen man feinmechanische Fertigungen vornehmen kann - handgeführt und elektronisch. Und zwar in drei Bereichen, auf die sich das Kerngeschäft konzentriert: die Dentalindustrie, die verarbeitende Industrie (Flugzeug, Schiff, Auto) sowie Servicereparaturen eigener Geräte und die der Mitbewerber.

MVK hat mittlerweile 17 Mitarbeiter und ist ein familiengeführtes Unternehmen. Die Finanzbuchhaltung wird von Köpsels Ehefrau abgewickelt, sein zweitältester Sohn steigt in Kürze in den Betrieb als Elektroniker ein. Der jährliche MVK-Umsatz steigert sich kontinuierlich, beläuft sich mittlerweile im siebenstelligen Bereich. Eine räumliche Erweiterung ist für die nächste zwei Jahre geplant, am liebsten innerhalb von Wennigsen. MVK bildet zur Zeit nicht aus, nimmt aber gern Praktikanten auf.

Von Stephan Hartung

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