Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Sanierung der Hauptstraße: Kosten explodieren
Region Wennigsen Nachrichten Sanierung der Hauptstraße: Kosten explodieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 01.06.2018
Viele Dinge liegen noch im Dunkeln: Nach den Vorplanungen der Arbeitsgruppe Hauptstraße und nach der vorläufigen Abschlusssitzung kommen auf die politischen Gremien noch sehr intensive Beratungen zu. Quelle: Ingo Rodriguez
Wennigsen

Böse Überraschung am späten Abend: Die Kosten für die geplante Umgestaltung und Grundsanierung der Hauptstraße und angrenzender Bereiche im Ortskern von Wennigsen steigen für die Gemeinde völlig unerwartet explosionsartig. Das kam am Montag in der Sitzung der Arbeitsgruppe (AG) Hauptstraße nach einem gut vierstündigen Beratungsmarathon heraus. Nach aktuellen Berechnungen des mit der Generalplanung beauftragten Ingenieurbüros BPR aus Hannover und nach Angaben des Sanierungsträgers, der Niedersächsischen Landesgesellschaft (NLG), kommen auf die Gemeinde Wennigsen Kosten in Höhe von rund 2,7 Millionen Euro zu – etwa doppelt so viel wie bislang angenommen.

Im Forum der KGS wurde es gegen 22 Uhr schlagartig still. Mehr als drei Stunden lang hatten die rund 20 Mitglieder der AG hartnäckig um einzelne Parkplätze gefeilscht und leidenschaftlich, aber konstruktiv über verschiedene Umgestaltungen und Verkehrslösungen diskutiert. Es war die vorläufige Abschlusssitzung der Arbeitsgruppe. Trotz besten Sommerwetters waren auch etwa 15 Bürger in den nahezu fensterlosen und abgedunkelten Saal gekommen, um sich zu Wort zu melden – um dann sichtlich erschöpft und konsterniert festzustellen, was FDP-Ratsherr Hans-Jürgen Herr so zusammenfasste: „Es ist eine Katastrophe: 2,7 Millionen Euro Eigenanteil für die Gemeinde. Vor zwei Jahren hat der Rat einen Grundsatzbeschluss zur Sanierung auf Grundlage der Kostenschätzung mit einem Eigenanteil von 1,3 Millionen gefasst. Anstatt ein Drittel der Gesamtkosten als Eigenanteil nun mehr als die Hälfte – und das trotz der Fördermittel. Das wird eine heiße Nummer, was sich die Gemeinde leisten kann“, sagte Herr. Betretende Blicke im weiten Rund.

Warum der Tagesordnungspunkt „Kostenschätzung“ ans Ende der Sitzung gelegt worden war, wurde nicht begründet. NLG-Vertreterin Annika Beverburg und BPR-Ingenieur Thomas Pfeiffer legten erst gegen 22 Uhr die Zahlen vor. Demnach liegen die Gesamtkosten für das Großprojekt bei rund 4,117 Millionen Euro – reine Bau- und Baunebenkosten für die Umgestaltung der Hauptstraße. Inbegriffen sind nur Kosten von rund 120.000 Euro für den Ersatzneubau einer Brücke über den Mühlenbetriebsgraben und etwa 310.000 Euro für eine neue Verkehrslösung an der Heitmüller-Kreuzung – ob nun Minikreisel oder vergrößerte Einmündung. Das Problem: Die Zuschüsse von Bund und Land über ein Städtebauförderprogramm liegen nach derzeitigen Berechnungen nur bei insgesamt rund 1,4 Millionen Euro. Und: In den Gesamtkosten sind noch nicht einmal Teilprojekte wie etwa die geplante Umgestaltung der Hirtenstraße enthalten.

BPR und NLG begründen die fehlerhafte Schätzung der inzwischen abgelösten Vorplaner mit ungenauen Grundstückgrenzen, gestiegenen Baukosten, gedeckelten Förderbeträgen und fehlender Kenntnisse über Förderrichtlinien. Obwohl es über Ausgleichsbeiträge für Wertsteigerung von Grundstücken und andere Tricks möglich sei, den Eigenanteil leicht zu reduzieren, muss die Gemeinde nun sparen – etwa bei der Wahl des Pflastermaterials, aber möglicherweise auch mit Entscheidungen gegen besonders kostspielige Umbauten. „Wir brauchen keine goldenen Wasserhähne“, forderte FDP-Mann Herr.

Alle Umbauten sind weiterhin auf dem Prüfstand

Die vom Rat der Gemeinde Wennigsen eingesetzte Arbeitsgruppe (AG) Hauptstraße hat sich anlässlich der bevorstehenden Sanierung des Ortskerns in den vergangenen Monaten mit den Vertretern des Generalplaners und des Sanierungsträgers intensiv mit den Vor- und Nachteilen verschiedener Umgestaltungsmaßnahmen auseinandergesetzt: Ein Minikreisel an der bisherigen Heitmüller-Kreuzung oder doch lieber vergrößerte Schleppkurven? Wie lässt sich möglichst die Anzahl der Parkplätze beibehalten und trotzdem mehr Platz für breitere Gehwege schaffen? Soll die Hirtenstraße zur verkehrsberuhigten Zone werden oder zu einer Einbahnstraße? Wohin mit der Doppelhelix? Für diese und andere Fragen haben die Vertreter der AG favorisierte Lösungen, die nun aber erst so richtig auf den Prüfstand kommen. Denn: Das letzte Wort hat bei allen Entscheidungen der Rat der Gemeinde, die AG hatte keine Entscheidungsbefugnis, sondern nur eine Vorbereitungsaufgabe. Um eine ausgewogene politische Entscheidung zu treffen, wurde nun die Beratungszeit der Fraktionen verlängert.

Ursprünglich war geplant, bereits in der Ratssitzung am 14. Juni eine Richtungsentscheidung zu fällen. Angesichts des hohen Stellenwertes soll nun am 7. Juni im Bauausschuss zunächst noch einmal der bisherige Planungsstand präsentiert und zur Diskussion gestellt werden, erst in der Bauausschussssitzung am 19. Juli wollen die Kommunalpoltiker eine Beschlussvorlage auf den Weg bringen, über die in einer Sondersitzung des Rates, vermutlich am 16. August, abgestimmt werden soll. Zu Wort kommen sollen bei allen Sitzungen auch noch einmal AG-Mitglieder, die nicht dem Rat angehören, sowie die Bevölkerung. Nach dem Ratsbeschluss stehen bis zum April 2019 die Entwurfs- und Ausführungsplanung sowie Ausschreibung, Kalkulation und Auftragsvergabe auf dem Programm. Im Mai 2019 sollen die Bauarbeiten beginnen – in mehreren aufeinander folgenden Abschnitten.

Von Ingo Rodriguez

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Dorfgemeinschaftsverein aus Bredenbeck hat 3000 Euro von der Sparkasse Hannover bekommen. Das neue DGH kostet etwa 1,5 Millionen Euro, die Hälfte kommt aus Fördermitteln und Spenden. Mit dem Umbau der Mensing'schen Scheune in ein Dorfhaus geht es gut vorwärts.

31.05.2018

Mit einer ganz eigenen, modernen Version von Shakespeares „Sommernachtstraum“ hat Hörbuchsprecher und Schauspieler Rufus Beck am Sonntag 300 Zuschauer im Innenhof des Wennigser Klosters in seinen Bann gezogen.

31.05.2018

Seit Jahren ist das Entenrennen in der Beeke eine der Hauptattraktionen auf dem Kinderfest an der Holtenser Doppel-8. Doch dafür führt die Beeke in diesem Jahr einfach nicht genügend Wasser.

30.05.2018