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00:15 31.12.2017
Jürgen Dießner verbindet den modernen 3D-Drucker mit einem Faden aus Kunststoff - dann arbeitet der futuristisch anmutende Drucker selbständig weiter und formt kleine Kunstwerke oder Teile für die Wasserräder-Anlagen. Quelle: Stephan Hartung
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Wennigsen

Weihnachtspause? Gibt es hier nicht! Die Mitglieder der Bastlergemeinschaft der Wennigser Wasserräder werkeln, hämmern, streichen und putzen. Denn nach der Saison ist vor der Saison. "Das ist unsere Kreativwerkstatt", sagt Thomas Bellok und lacht, während er mit einem Pinsel über einen Miniatur-Zaun streicht. Ich bin zu Gast in den Vereinsräumen der Bastlergemeinschaft an der Wennigser Hirtenstraße. Hier befand sich früher der Bauhof der Gemeinde - wie passend.

Von April bis Oktober befinden sich die über 20 Wasserräder im Deister unterhalb der Feldbergquelle. "Und die Natur nagt an den Modellen. Schauen Sie hier", sagt Jürgen Dießner und zeigt auf das leicht angerostete Lager eines Wasserrads. Die 16 Vereinsmitglieder, die sich immer mittwochs von 19 bis 21 Uhr in ihren Vereinsräumen treffen und jederzeit Verstärkung von Interessierten benötigen können, beseitigen also Schäden der vergangenen Saison und hübschen die Modelle bereits jetzt für den April 2018 auf. 

Wie gut, dass die Männer heute Verstärkung haben. Ich sehe die zahlreichen Modelle und packe gern mit an - dass ich handwerklich gesehen zwei linke Hände habe, verrate ich aber nicht. Aber Transport geht immer. In den zwei großen Schuppen auf dem Innenhof des Vereinsgeländes befinden sich zahlreiche Modelle, die überprüft werden müssen. Auf Rat des Vereinsvorsitzenden Arthur Fechner ziehe ich lieber Handschuhe an. Kann etwas schwerer werden. Mit vereinten Kräften hieven wir das Wasserrad, es handelt sich hierbei um eine Landschaft mit Bergstation und Seilbahn, in die Höhe und tragen es über den Hof hinein in die Werkstatt.

"Neue Ideen haben wir auch immer, wie wir die Modelle attraktiver machen oder neue entstehen lassen können", sagt Bellok. Ohnehin haben sich die Bastler auch technisch entwickelt. Dießner erzählt mir von einem 3D-Drucker aus China, den man seit wenigen Wochen besitze und der bei der Erstellung neuer Wasserräder behilflich sei. Ich klopfe auf ein Modell, spüre den Kunststoff und bin irritiert: Ein Wasserrad aus einem Drucker - wie soll das gehen? Dießner lacht. "Es ist kein Drucker, wie Sie ihn sich vorstellen. Sie müssen in der dritten Dimension denken."

Wir gehen in den Nebenraum. Der Drucker aus Fernost ist eher eine Mischung aus Computer und Roboter - und erzeugt, wenn er arbeitet, einen Lichtstrahl wie bei Star Wars. "Ich muss ihm nur über ein Programm sagen, was er machen muss", sagt Dießner. Was der Drucker beispielsweise kann ist, die kleinen Wasserrad-Logos des Vereins herzustellen oder, ebenfalls aus Kunststoff, die millimetergenauen Einzelteile, aus dem später ein Wasserrad zusammengesetzt werden kann. Ich schaue mir den futuristischen Arbeiter genauer an. "Berühren Sie ihn ruhig - aber nicht auf die Arbeitsplatte kommen, die kann 200 Grad heiß werden", sagt Dießner.

Ich bin beeindruckt, vor allem beim Blick auf die abwechslungsreichen und mit viel Liebe zum Detail erstellten Modell-Landschaften, in denen Wasserräder verbaut sind. Die Frage muss ich stellen: "Sie sind alle verrückt - natürlich im positiven Sinne, oder?" Fechner lacht. "Ja, es macht uns einfach Spaß. Wir haben pro Jahr 40.000 Besucher an der Anlage, die unserer Information nach in Europa einmalig ist", sagt der Vereinsvorsitzende. Der Antrieb, im wahrsten Sinne des Wortes, sei die Tatsache, dass man vor allem Kinder faszinieren könne mit dem Zusammenspiel von selbstgebauten Modellen, dem Veranstaltungsort Natur und dem Element Wasser. Aus meiner Sicht: nicht nur Kinder. 

Das sind die Wasserräder und der Verein

Seit 60 Jahren laufen die Wennigser Wasserräder unermüdlich im Deister. Angefangen hat alles 1957, als eine damalige Bastlergemeinschaft um den Gruppensprecher Erich Fries eine erste offizielle Wasserräder-Saison einläutete - mit 22 Miniatur-Wassermühlen, damals wie heute an einem Bachlauf unterhalb der Feldbergquelle. In den Jahren 1965 und 1966 gab es eine Pause aufgrund fehlender Bastler. Volkshochschul-Leiter Heinrich Schröder rief einen Kurs zum Bau von Wasserräder-Modellen ins Leben - ab 1967 gab es wieder jedes Jahr eine Wasserräder-Schau. Als Schröder Wennigsen verließ, löste sich der VHS-Kurs auf, es entstand 1977 der Verein in seiner heutigen Form: Bastlergemeinschaft der Wennigser Wasserräder. 

Von Stephan Hartung

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