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Nachrichten Baupläne bedeuten für Pferdehof das Aus
Region Wennigsen Nachrichten Baupläne bedeuten für Pferdehof das Aus
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00:17 08.10.2018
Der Vorhang fällt: Wegen neuer Baupläne steht dem Pferdehof Danehl künftig nicht mehr genügend Platz für den Betrieb mit Zirkusprojekten, Pferdetherapie und Reitunterricht zur Verfügung. Quelle: Ingo Rodriguez
Degersen

Noch einmal Akrobatik hoch zu Ross und Manege frei für Kunststücke mit Pferden, noch einmal lauter Applaus: Es sind wieder rund 50 Besucher gekommen, um auf der Wiese des Pferdehofes Danehl in Degersen die einstudierten Aktionen eines Zirkusprojektes für Kinder zu verfolgen. Was nur wenige der Besucher wissen: Es ist eine Abschiedsvorstellung. „Wir müssen mit dem Pferdehof den Standort verlassen“, sagt Thorsten Fuhlroth. Gemeinsam mit seiner Frau Karin Danehl bietet er dort seit fast 20 Jahren Reitunterricht, therapeutische Kurse mit Pferden und Projekte für Kinder an. Doch nun haben Baupläne den Familienbetrieb buchstäblich aus dem Sattel geworfen. „In einem Anbau zwischen dem Haus und der Scheune will die Eigentümerin Wohnraum schaffen“, sagt Fuhlroth. Bis spätestens Ende des Jahres wird die Familie das Grundstück räumen. „Das war wohl in Degersen unsere letzte Vorstellung“, sagt Fuhlroth.

Enttäuschung ist dem Ehepaar deutlich anzumerken. Zwar bleibe das Pachtverhältnis für Wohnhaus, Stall und Weiden von den Bauplänen für den Zwischentrakt unberührt. „Doch, wenn dort Wohnungen entstehen, haben wir nicht mehr genügend Platz für Mist, Heu und Material“, sagt Fuhlroth. Fraglich sei außerdem, inwieweit sich der Betrieb mit künftigen Anwohnern vereinbaren lasse. Laut Eigentümerin solle der Anbau entkernt werden, um darin hochwertige Wohnungen einzurichten.

Zwar könnte die Familie weiter im Haus wohnen. Immerhin sind die 53-jährige Förderschullehrerin Danehl und der 55-jährige Sozialarbeiter Fuhlroth hauptberuflich vom Betrieb des Pferdehofes unabhängig. Ihre sechs Pferde, Schafe, Hund, Katze und Hühner wollen sie aber auf keinen Fall abschaffen. „Lieber fangen wir woanders neu an, selbst wenn das einen hauptberuflichen Wechsel bedeutet “, sagt Danehl. Zwar sei der Pferdehof-Betrieb kostenintensiv. „Aber es steckt viel Idealismus in dem Projekt, das wollen wir nicht aufgeben“, sagt die ausgebildete Reittherapeutin.

Wegen neuer Baupläne steht Thorsten Fuhlroth und Karin Danehl künftig nicht mehr genügend Platz für den Betrieb mit Zirkusprojekten, Pferdetherapie und Reitunterricht zur Verfügung. Quelle: Ingo Rodriguez

Einen neuen Standort für den Pferdehof zu finden, sei jedoch sehr schwer. „Wir haben schon intensiv gesucht, aber wir werden wohl weit weg gehen müssen“, sagt Danehl. In der Region seien kaum landwirtschaftliche Flächen in dörflicher Umgebung zu finden. Die bislang besichtigten Objekte hätten alle erhebliche Nachteile: „Man muss viel investieren, die Pacht ist zu teuer oder es fehlen Genehmigungen und Platz.“

Im Anbau zwischen Wohnhaus und Scheune sollen Wohnungen entstehen. Quelle: Ingo Rodriguez

Im Hintergrund kündigt die 26-jährige Tochter Anna Danehl – vor etwa zehn Jahren Jugendbürgermeisterin von Wennigsen – das nächste Kunststück an. Anders als ihr 23-jähriger Bruder Jakob, der auch einst Jugendbürgermeister war und nun Pflanzenbiotechnologie studiert, will die Studentin in Zukunft möglichst hauptberuflich mit Pferden arbeiten. „Sie ist in diese Arbeit hinein gewachsen und hat gerade eine Ausbildung zur Reittherapeutin abgeschlossen“, sagt die Mutter.

Der Vorhang fällt: Wegen neuer Baupläne steht Anna Danehl künftig nicht mehr genügend Platz für den Betrieb mit Zirkusprojekten zur Verfügung. Quelle: Ingo Rodriguez

Für Fuhlroth, der auch schon für die Grünen im Rat der Gemeinde saß, ist es ein besonders schwerer Abschied. Er kommt aus Bredenbeck, wohnt seit 1986 in Degersen und hat mit seiner Frau viel Herzblut in den Hof gesteckt. „Die Eigentümerin wollte das zum Teil denkmalgeschützte Haus schon abreißen lassen, aber wir haben gemeinsam entschieden, dass wir es sinnvoll nutzen und gut unterhalten“, erzählt er. Ab 1999 habe die Familie Weiden und weitere Hofgebäude dazu gepachtet und zunächst zwei Ponys für die Tochter gekauft. „Dann kamen Pferde von Untermietern dazu und es ging es los mit Reitunterricht“, sagt Mutter Danehl. Eigentlich habe die Familie in Degersen alt werden wollen und sich dementsprechend für den Hof engagiert. Das sei auch mit der Eigentümerfamilie vereinbart gewesen. „Es war naiv, dieser Zusage auf Mietbasis zu vertrauen“, sagt Fuhlroth. Nun werde die Familie auch rund 60 Kindern auf der Warteliste für Reitunterricht absagen müssen.

Der Vorhang fällt: Wegen der Baupläne steht künftig nicht mehr genügend Platz für den stets gut besuchten Betrieb mit Zirkusprojekten zur Verfügung. Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez

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