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12:25 07.10.2018
Für Baumkontrolleurin Martina Hasselbring ist das Tablet mit Baumkataster die wichtigste Arbeitshilfe. Quelle: Kallenbach
Wedemark

Für rund 5000 Bäume ist die Gemeinde Wedemark zuständig – mit tagesaktuellen Abweichungen. Ohne ihr Tablet mit Baumkataster kann die Baumkontrolleurin Martina Hasselbring nicht aus dem Rathaus an ihre Arbeit vor Ort gehen. Jeder Baum hat darin seine elektronische Visitenkarte, ein Datenblatt.

Oft schicken Wedemärker Fotos oder rufen an: Ein Apfelbaum an der Straße Langer Acker ist umgekippt, eine Eiche wirft heftig Astbruch ab, ein anderer Baum verdeckt mit seinem Laub ein Straßenschild. „Je nach Schilderung entscheide ich, wie schnell ich hinfahre“, sagt die Baumfachfrau. Andere Anrufer stellen Fällungen infrage, die es zu überprüfen oder zu erklären gilt. „Es gibt auch Leute, die sich melden und sagen, wir im Amt machen alles falsch“, berichtet die Fachfrau. Andere fragen freundlich, welche kommunalen Apfelbäume noch abzupflücken sind – die vielen alten Sorten waren in diesem langen Sommer und Herbst sehr beliebt.

Fachleute sind auf Hinweise angewiesen

Es ist eine Sisyphusarbeit, daher sind noch nicht alle gemeindlichen Bäume in das elektronische Kataster aufgenommen und in allen Einzelheiten abgebildet. Per Hand wurde das Register vor 20 Jahren zuerst geführt. Etwa im Jahr 2005 begann Thomas Warneke im Grünflächenamt systematisch damit, seit 2007 wurden die Eintragungen digitalisiert. „2000 bis 3000 Bäume fehlen wahrscheinlich, die wir als Gemeinde bewirtschaften, aber noch nicht im Kataster erfasst haben“, schätzt er. „Es ist einfach auch ein zeitliches Problem.“ Ein digitaler Systemwechsel vor zwei Jahren brachte noch einmal zusätzliche Arbeit.

Thomas Warneke bringt an dem Baum auf dem Campus W eine Nummer an - in einiger Höhe. Quelle: Kallenbach

Auch nicht im Kataster, aber arbeitsintensiv: „Wir haben im Gemeindegebiet etwa 500 Kilometer Wirtschaftswege. Da muss man auch immer nachschauen“, macht die Baumkontrolleurin deutlich. „Die Verkehrssicherheit hat für uns höchste Priorität, weil sie eine hohe Verantwortung mit sich bringt für die Kommune..“ Denn bei der Verantwortung ist im Rechtsfall die Haftung nicht weit. Die beiden Mitarbeiter im Fachbereich Gebäude- und Flächenunterhaltung und Leiter Harald Hesse wissen gleich Unglücksfälle aus anderen Kommunen zu nennen, die sie selbst als Verantwortliche hier vor Ort nicht erleben wollen.

Pflanzenauswahl orientiert sich an Klimawandel

Seit 2013 ist Warneke für die Baumneupflanzungen „dran am Klimawechsel“. So sind viele Bäume am Rathaus und auf dem Campus W in Mellendorf schon für Trockenheit wie Regen geeignet und auch winterhart. In einem speziellen Ordner hat er die Baumarten gesammelt, „die gut klarkommen“. Am Campus sind es neben Eichen beispielsweise Ahornsorten, am Isernhägener Damm (Wendeschleife) hat die Gemeinde eine Zerr-Eiche gepflanzt, eine Hopfenbuche an der Jugendhalle, eine Silber-Linde am Wedemark-Stadion. Sie müssen in den ersten Jahren auch gewässert werden. Wo ein Baum nachgepflanzt wird, kostet er einschließlich dreijähriger Pflege circa 1000 Euro. In Neubaugebieten sind diese Pflanzungen Teil der Erschließungskosten.

Bei Pflanzungen und Pflege verlassen sich die Verantwortlichen nicht auf Gefühl oder Vorlieben, sondern auf verbindliche fachliche Handreichungen. „Wir gehen nach dem anerkannten Stand der Technik vor. Mit solcher Datenbank arbeiten wir auch gerichtsfest“, erläutert der Fachbereichsleiter. Wedemärkern, die es ganz genau wissen wollten, könnten die Informationen daraus ebenfalls zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Fachbereichsleiter Harald Hesse und Baumkontrolleurin Martina Hasselbring können inzwischen an 5000 Bäumen in der Gemeinde die Vorteile des elektronischen Katasters nutzen. Quelle: Kallenbach

Das ganze Baumkataster mit seinen Karten, Standort-, Sorten- und Pflegestandsbeschreibungen der einzelnen Bäume kann nicht öffentlich zugänglich gemacht werden. „Unser IT-Bereich sagt, das sei technisch nicht möglich“, erklärt Hesse. Wohl aber weisen schon sehr viele öffentliche Bäume in einer Höhe von 2,50 bis drei Metern Nummern auf – so hoch, damit Kinder die Schildchen nicht leicht entfernen können. „Langfristiges Ziel ist, schrittweise alle Bäume damit zu versehen – auch für die Bürger, die dazu etwas wissen wollen“, sagt Hasselbring .

Die Fachfrau hat den direkten Weg auf ihrem Tablet. Turnusmäßig geht sie nach Ortschaften vor. „Ich spiele dazu die jeweilige Karte aus dem Kataster auf das Tablet und fahre hin.“ Die Ortskarte ist hinterlegt mit allen Angaben aus dem Kataster. Jeder Baum ein roter Punkt, tipp, und schon öffnet sich für die Baumkontrolleurin das vollständige Leben dieses Baumes einschließlich Pflegearbeiten zum aktuellen Stand. Was zu tun ist an der Stelle, wird zurück in das System gegeben: „Das ist optimal!“.

Baumkontrolleurin hat Gemeindebäume im Blick

Martina Hasselbring ist seit 1. September 2016 mit 30 Wochenstunden als Baumkontrolleurin in der Gemeinde Wedemark unterwegs. Gemeinsam mit dem zuständigen Grünplaner Thomas Warneke betreut sie im Fachbereich Gebäude- und Flächenunterhaltung das Baumkataster der Kommune. Sie beaufsichtigt die Arbeiten, die zur Pflege oder Pflanzung von Gemeindebäumen beauftragt werden; dazu gehören auch Baumschnitt und Fällungen. Die Baumkontrolleurin überprüft nach Augenschein die Pflanzen auf öffentlichen Flächen – nicht die auf Privatflächen - im Hinblick auf deren Verkehrssicherheit wie etwa Standfestigkeit, sichtbare Krankheiten oder Kronenschäden. Sie beurteilt baumfachlich Bebauungspläne und Vorhaben im Denkmalschutz wie Höfe und Hofbäume. Auch die Baumschutzsatzung in Bissendorf-Wietze und Fällungsanträge laufen über ihren Schreibbtisch. Dafür ist die Hälfte ihrer 30 Arbeitsstunden vorgesehen, und im Geltungsbereich der Baumschutzsatzung ist sie auch zuständig für private Bäume. Hasselbring ist gelernte Landschaftsgärtnerin, fortgebildet in Baumkontrolle und Umweltrecht.

Unterschiedlich dazu liegen die Aufgaben eines Baumsachverständigen – zumeist arbeiten diese frei. Ein Baumsachverständiger begutachtet Bäume, etwa durch Messungen oder Freilegen von Wurzeln; er erstellt Gutachten, in denen er auch bei Schadensfällen seine Messungen gerichtsverwertbar im Hinblick auf Schadensersatz formuliert. Die Einstellung eines kommunalen Baumsachverständigen ist laut Gemeindeverwaltung nicht geplant.

Von Ursula Kallenbach

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