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Nachrichten Waterloo wirkt auch vor Ort noch nach
Region Wedemark Nachrichten Waterloo wirkt auch vor Ort noch nach
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00:16 08.02.2018
Von Ursula Kallenbach
Das Dokument ist in der Sitzung der Historischen Arbeitsgemeinschaft einzusehen. Quelle: privat
Mellendorf

Waterloo hat sich nach Meinung von Hobbyhistorikern auch auf die Gemeinde Wedemark ausgewirkt. Waterloo war auch ein Hit der schwedischen Band Abba, stimmt. Zuvorderst war es aber die Schlacht von Waterloo im Juni 1815 – und diese Katastrophe zu Napoleonischer Zeit wirkte auch in den Dörfern der heutigen Wedemark. Beim nächsten öffentlichen Arbeitstreffen der Historischen Arbeitsgemeinschaft Wedemark am Mittwoch, 21. Februar, geht es genau darum.

„Die Nachbeben der Napoleonischen Zeit“ überschreibt die Arbeitsgemeinschaft diese Veranstaltung, zu der die Hobbyhistoriker um 19.30 Uhr im Gemeindehaus der St.-Georgs-Kirche in Mellendorf zusammenkommen. Gäste sind nicht nur sehr willkommen – die AG freut sich auch auf Beiträge aus diesen Reihen. Denn die Geschichtsinteressierten nehmen zu dem Thema die Wedemark in den Blick und fragen nach den langfristigen Auswirkungen der aufklärerischen Ideen aus jener Zeit. In zwei Vorträgen geht es hinein in die geschichtliche Materie.

Jan Olaf Rüttgardt wird die Entwicklung aus der Sicht der Dörfer schildern. Was sich in jenen Jahren beispielsweise in Mellendorf abspielte, hat Paul Gimmler in seiner fundierten Ortschronik nach den Quellen beschrieben: die unerträgliche Last der sogenannten Kriegerfuhren, die von den Bauern und ihren Pferden getragen werden mussten, auch die immer wieder erzwungenen Einquartierungen fremder Soldaten, die erhöhten Steuern und Abgaben, schließlich die Einberufung ganzer Jahrgänge zum Militärdienst. Andererseits kamen die "modernen" Gesetze des "Königreichs Westphalen" zur Anwendung. Sie brachten eine durchsichtige Verwaltung und demokratisch besetzte Ämter, die Befreiung der Bauern von ihren Abgaben an den Adel, die Trennung der Verwaltung von der Gerichtsbarkeit und die Ziviltrauung - Modernisierungen, die nach dem Scheitern Napoleons alle wieder zurückgenommen wurden.

Als besonders belastend wurde der Militärdienst für Napoleon empfunden. Ab 1804 flohen viele junge Männer über die nahe Nordseeküste nach England, um mit der dort aufgestellten Deutschen Legion (King´s German Legion) gegen eben diesen Napoleon zu kämpfen. Die Gäste der Historischen Arbeitsgemeinschaft erwartet eine besondere Attraktion: Durch einen Glücksfall befinden sich im Besitz der Familie Niemeyer in Brelingen die Militärpapiere eines entfernten Verwandten, der 1804 in diese King‘s German Legion eintrat und sich nach seiner Entlassung 1816 in Stöckendrebber niederließ. Die interessanten Dokumente werden vorgestellt und können eingesehen werden, darunter ein Eintrag in das Soldbuch von Sergent Reinecke zur Schlacht von Waterloo im Juni 1815. Zugleich möchten die Hobbyhistoriker wissen, ob es vielleicht in Familien in der Wedemark ähnliche Dokumente aus jenen Jahren gibt. Wer solche noch im Hause hat, ist  eingeladen, diese zum kommenden Arbeitstreffen mitzubringen.

In dem zweiten Vortrag wird nach einer Pause Max Steinborn aus Gailhof, verdienter Chronist seines Wohnortes, die historische Gemeinteilung in dem Dorf vorstellen. „Sie bildete den folgenreichsten Einschnitt in die ursprüngliche Lebens- und Wirtschaftsweise unserer Dörfer“, schickt Rüttgardt dem Vortrag voraus. „Wie andere Ideen der europäischen Aufklärung und der von Frankreich ausgehenden Modernisierungen, die uns heute selbstverständlich scheinen, kommt auch die Umwandlung der bäuerlichen Welt in Deutschland nach der Napoleonischen Zeit nur mit Verzögerung zum Durchbruch.“ Das werde Steinborn am Beispiel von Gailhof entfalten. „Dabei wird deutlich werden, dass sich nicht nur die Anbaumethoden und Besitzverhältnisse ändern, sondern auch das bäuerliche Selbstverständnis - der Bauer beginnt, zum unternehmerischen Landwirt zu werden.“

Von Gästen wird ein Beitrag von 2 Euro erbeten, da die Historische AG Räume der Kirchengemeinde am Kirchweg 3 nutzt. Weitere Informationen zu dem Treffen gibt Friedrich Thümler per E-Mail an friedrich.thuemler@t-online.de und unter Telefon (05130) 8272.

Die Unterschrift des jungen Armisten im Heer gegen Napoleon ist klar zu lesen. Quelle: privat

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