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Nachrichten Wennebostler gestalten seelenvolle Schwibbögen
Region Wedemark Nachrichten Wennebostler gestalten seelenvolle Schwibbögen
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00:15 20.12.2017
Mellendorfs Stuckekreuzung und weitere typische Ortsmerkmale im Stil erzgebirgischer Volkskunst beeindrucken. Quelle: Patricia Chadde
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Mellendorf

 Der hölzerne Schwibbögen ist eine typischen Volkskunst aus dem Erzgebirge, die in den Wennebostelern Heike und Wolfgang Lorentz besonders glühende Anhänger gefunden hat. Am Wochenende stellte das Paar, das seit dem Jahr 2000 rund 80 Schwibbögen entworfen und selbst gefertigt hat, eine Auswahl im barrierefreien Mellendorfer Campus W aus, wo das Team vom Café EinzigArtig für Kaffee und Kuchen sorgte.

Kollege Küpmann guckt vorbei

Alltags arbeitet Hans Küpmann mit Wolfgang Lorentz zusammen. In der Schwibbogen-Ausstellung kniet er vor einem Modell, dem die Ortschaft Abbensen als Vorlage diente und reibt sich die Augen: „Ich wollte unbedingt wissen, wie das aussieht. Schließlich berichtet Wolfgang dauernd davon.“ Da kann Helga Lorentz nur nicken: „Wir sind im Laufe der Zeit richtige Erzegbirgsfans geworden“, erklärt sie. Die Gebirgsregion im Osten Deutschlands, zwischen Dresden und Zwickau gelegen und heute halb Sachsen, halb Tschechien, ist für die Wedemärker zur Inspirationsquelle geworden. Neben neuen Freunden hat das Paar auch eine neue Leidenschaft gewonnen: Sie dokumentieren historische Schwibbogen, entwickeln aber auch eigene Motive, wie die „Wedemärker Serie“. Außerdem sind sie als Aussteller der erzgebirgischen Volkskunst sehr gefragt und bis 2020 ausgebucht.

Schauen und staunen, nicht kaufen

Die Begeisterung der Wennebosteler Schwibbogen-Experten kann Christiane Kramer sehr gut verstehen: „Das ist ganz toll, was die beiden hier zeigen“, schwärmt die Langenhagenerin, die sich Zeit beim Betrachten der unzähligen Details nimmt. „Was kostet denn so ein Bogen“, fragt sie vorsichtig nach. Helga Lorentz hat da klare Vorstellungen: „Unsere Arbeiten sind unverkäuflich. Wir möchten unserer Begeisterung mit möglichst vielen Menschen teilen, deshalb kann man sich die aufwändigen Sägearbeiten, die stimmungsvoll beleuchtet sind, nur anschauen, aber nicht mitnehmen“, erklärt sie Christiane Kramer. 

Vorerst letzte Präsentation in der Region

Die Mellendorfer Schwibbogen-Ausstellung ist die vorerst letzte von Familie Lorentz in der Region, denn 2018 wird das Paar seine Werke im Deutschen Räuchermann Museum in Cranzahl zeigen, 2019 folgt Johanngeorgenstadt. Von hier stammt der älteste Schwibbogen der Welt. Auch 2020 ist schon ausgebucht, denn da geht es in das Depot Pohlstroer nach Gehlenau.

Was ursprünglich ganz privat mit Helga Lorentz Bitte „Sägst du mir mal eine Halterung für meine Klöppelarbeiten“ begann, hat ein Eigenleben entwickelt. „Unserer Kinder finden es gut, wenn wir anderen Leuten unser Hobby vorstellen“, berichtet Wolfgang Lorentz, der möglicherweise selbst in einer Arbeit zu entdecken ist. Der Mann in der Holzwerkstatt könnte ein Selbstportrait sein. Die Aufgaben  hat sich das Schwibbogenteam Lorentz übrigens genau aufgeteilt: die gelernte Feinmechanikerin Helga Lorentz entwickelt die Vorlagen, mit der Dekupiersäge bearbeitet der gelernte Werkzeugmache Wolfgang Lorentz dann das Holz, das wie die Sägeblätter und  Farben ganz original aus dem Erzgebirge kommt.

Schwibbogen oder Lichterbogen wiesen den Weg

Der erste Schwibbogen von 1740 war aus Metall gefertigt, eine Replik steht in Dresdens Volkskunstmuseum und wurde von Heike und Wolfgang Lorentz, mit Erlaubnis, nachgesägt. In seiner Herkunftsregion, dem Erzgebirge, war der Schwibbogen kein typisches Symbol der Weihnachtszeit, sondern griff mit seinen Motiven bewegende Themen des alltäglichen Lebens auf. Vor allem leuchtete der Schwibbogen den Bergleuten den Weg zurück nach Hause.

Von Patricia Chadde

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