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Region Wedemark Nachrichten Neue Hähnchenmastställe beunruhigen die Anwohner
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16:07 09.02.2018
Rund 50 Interessierte sind zur Informationsveranstaltung der Grünen ins Sportheim Herzblut gekommen. Quelle: Priesemann
Mellendorf

 Eine Bürgerinitiative gegen zwei geplante Mastställe für Hähnchen in Elze gründet sich – vorerst – nicht. Dieses Ziel gaben die Wedemärker Grünen erst am Ende einer Informationsveranstaltung in der Herzblut-Bar am Donnerstagabend aus, möglicherweise zu einem zu späten Zeitpunkt. Gleichwohl trugen sich 19 Teilnehmer der Diskussion in eine Liste ein. Sie wollen Einwendungen gegen die Pläne des Elzer Landwirts an die Gemeinde und Region richten und damit den Bau der Mastställe verzögern oder gar ganz verhindern.

Denn im Außenbereich von Elze will der Landwirt seine beiden bisherigen Masthähnchenställe um zwei weitere erweitern. Er wird damit von 79 000 Tierplätzen, so heißt es im Genehmigungsantrag an die Region Hannover und die Gemeinde Wedemark, auf insgesamt 164 000 Mastplätze in den Ställen aufstocken - und zugleich insgesamt den Standort modernisieren. Dafür gebe es bereits einen entsprechenden Bauantrag samt Gutachten, hieß es in der Grünen-Veranstaltung. 

Dort äußerten Mitglieder der Partei, Referentinnen und einige der rund 50 Gäste ihre Bedenken gegen einen Ausbau der Hähnchenmast. Sie fürchten die Verschmutzung des Grundwassers, Gefahr durch Keime etwa durch einen falschen Antibiotika-Einsatz und eine erhöhte Belastung durch Emissionen und Gestank. „Schon jetzt stinkt es immer zum Ende der Mast“, sagte eine Elzerin, die unweit der beiden Ställe wohnt. Sie hatte sich schon in einer Bürgerinitiative gegen die ersten beiden Mastanlagen engagiert – allerdings hätten die Kritiker seinerzeit den Bau nicht verhindern können. Deshalb sei sie auch dieses Mal skeptisch:  „Da passiert gar nichts.“

Christiane Hussel, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft Ländlicher Raum, sagte nach der Debatte:„Es wird schwer den Bau, der Ställe zu verhindern. Aber ein paar Punkte machen mir Hoffnung.“ Sie hatte die Diskussion moderiert, an der die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Miriam Staudte, Sabine Littkemann vom Bund für Umwelt und Naturschutz sowie Tierärztin Claudia Preuß-Ueberschär teilnahmen. Auch ein Vertreter des Landvolks sei angesprochen worden, er habe aber abgesagt, berichtete Grünen-Vorstandsmitglied Angela Klingrad.

Staudte empfahl, den Bauantrag des Landwirts und das dazugehörige Gutachten zu prüfen. „Denn das hat schließlich der Landwirt in Auftrag gegeben“, sagte sie. Es lohne sich an einige Stellen „nachzubohren“. Etwa bei den Emissionswerten, die sich laut Gutachten kaum verändern sollen, oder bei der Frage, ob der Landwirt die Flächen überhaupt ausgleichen könne. Littkemann legte dar, dass die beiden geplanten Hähnchenmastställe mitten im Wasserschutzgebiet des Fuhrberger Feldes lägen. Dort sei es unter anderem verboten, Jauche und Gülle aufzubringen. Zudem seien die Nitratwerte im Grundwasser in der Nähe der beiden Mastanlagen bereits jetzt zu hoch. Sie seien zwar zuletzt gesunken, lägen aber weiterhin zwischen dem Schwellenwert und dem Grenzwert von 50 Mikrogramm je Liter. „Ich stelle hochgradig in Frage, ob sich auf dem durchlässigen Sandboden bei einer Verdopplung der Tiere, die Werte nicht verändern“, machte Littkemann deutlich.

Des Weiteren sei die Gefahr durch Keime nicht rein theoretischer Natur. „Der Boden einer Hähnchenmastanlage ist ein Bioreaktor. Kommt da noch Antibiotika hinzu, könnte gefährliche Resistanzen entstehen", warnte Preuß-Ueberschär. Die multiresistenten Keime könnten schließlich nach draußen etwa ins Grundwasser gelangen. 

Einig waren sich alle in dem Appell, dass sich die Kritiker engagieren sollten. „Es braucht den Druck von unten“, sagte Staudte. Nur so sei so ein Vorhaben zu verhindern oder zumindest für kleinere Verbesserungen wie etwa Filteranlagen zu erreichen. Solange sich der Landwirt an die Gesetze halte, sei ihm allerdings schwer etwas vorzuwerfen. Die überbordende Fleischproduktion, wie die Grünen meinen, sei ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Von Sascha Priesemann

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