Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Ist der Schutz des Wolfes purer Irrsinn?
Region Wedemark Nachrichten Ist der Schutz des Wolfes purer Irrsinn?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:33 28.05.2018
Von Ursula Kallenbach
Mit Helmut Damman-Tamke (stehend) diskutieren Jochen Strampe (von links), Felix Adamczuk, Holger Hennies - aber auch das Publikum im Saal. Quelle: Kallenbach
Wennebostel

Für den Schutz des Wolfes in unseren Landen sprechen sich wohl 80 Prozent der Bevölkerung in Meinungsumfragen aus – eine Mehrheit sei das mit wenig Sachkenntnis, meinen andererseits Vertreter von Jägern, Landwirten, Weidevieh- und Hobbytierhaltern. Besonders diese alle wollte der CDU-Gemeindeverband Wedemark jetzt in einer Diskussionsveranstaltung zu Wort kommen lassen.

„Irrsinn Isegrim?! – Wie geht es weiter mit dem Wolf?“ sei bewusst provokant, aber immerhin mit einem Fragezeichen versehen, rechtfertigte der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende, Felix Adamczuk, den Titel in der Veranstaltung am Donnerstagabend im Gasthaus Bludau in Wennebostel. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Wer etwas beizutragen hatte zur naturschutzrechtlich geschützten Einwanderung von Wölfen nach Niedersachsen, war zur Stelle und äußerte sich auch.

Aus dem Naturschutz heraus und hinein ins Jagdrecht müsse das Wolfsmanagement gebracht werden, forderte im Podium klar für die Landwirtschaft der Vorsitzende des Landvolks Hannover und Vize-Präsident des Landvolks Niedersachsen, Holger Hennies. Er warte darauf, dass die Regelungen bald in Gesetzesform gegossen werden. Wo Rinder ohne Zäune auf der Weide seien, müssten auch ganze Wolfsrudel dem Bestand entnommen werden, wenn es zu Wolfsrissen komme, so seine Argumentation. Herden sicher einzuzäunen, würde bedeuten, ganze Landschaften zu verbarrikadieren. „Das ist nicht machbar“, konstatierte er und fand sich einig mit dem Vertreter der Interessengemeinschaft der Weidetierhalter Deutschland, Jochen Strampe: Es gebe keinen sicheren Zaun gegen Wölfe. Auch Herdenschutzhunde einzusetzen, verbiete sich beispielsweise in ostfriesischen Deichgebieten, wo Schafe frei laufen. Die Hunde würden die Herden auch gegen Spaziergänger verteidigen, warnte er.

Von rund 1000 Wölfen in Deutschland, die unter Dreijährigen eingeschlossen, sprach Strampe. „Wir brauchen wolfsfreie Zonen an der Küste und den Deichen“, forderte er und wies auf die gespaltene Haltung der deutschen Bevölkerung hin: „Wir Weidetierhalter haben unsere Tiere ganzjährig draußen, das wollen die Verbraucher so. Derselbe Verbraucher will aber auch Wölfe.“

Wölfe halten sich schon in Ortschaften auf, sie überwinden auch Zäune, um an ihre Nahrung zu kommen, sie werden teils von Menschen angefüttert, sie paaren sich mit Hunden zu Hybriden, der Bestand sei in Niedersachsen im Vergleich schon der weltweit dichteste, viele Verkehrsunfälle seien zu erwarten, wenn Wölfe Wild- oder Weidetiere auf die Straßen hetzen, illegale Abschüsse würden zunehmen, wenn die Politiker nicht allmählich zu Regulierungen fänden – viele Argumente vom Podium und von den Zuhörern beleuchteten tatsächliche Nöte, gegen die nicht Zäune oder Entschädigungen helfen würden. Weideviehhaltung werde aufgegeben, wenn nichts gegen den Wolf geschehe, stellte der Landvolkvertreter in den Raum.

Der Nabu mit seinen ehrenamtlichen Wolfsbotschaftern und andere Tierschutzorganisationen wurden angegangen in der Diskussion an dem Abend. Mehr Gewicht mit Nachweis von Zahlen und Fakten schien das Publikum dem Präsidenten der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Damman-Tamke zuzugestehen. Seine klare Forderung: Die Politik müsse den Rechtsrahmen schaffen, damit der Wolf im Bestand an die Kulturlebensräume der Menschen angepasst werden könne. „Aber Wölfe zu bejagen und einzuregulieren – so weit ist die Politik im Bundestag noch nicht.“ Man befürchte den Aufschrei der Bevölkerung, sagte er in seiner zweiten Funktion als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Auch in dieser Runde an dem Abend, mutmaßte er, könnte die Mehrheit noch beim Wolfsschutz liegen.

Die Politiker müssten endlich tätig werden, spitzte ein Hellendorfer Jäger aus den Zuhörerreihen den Zwiespalt zu. „Wir Jäger sind doch sonst wieder die Bösen, die die Tiere totschießen.“  

Wolf unterliegt Naturschutzrecht

Die Wölfe in Deutschland stammen aus einer baltischen Population, im Jahr 2000 wurde das erste Rudel in der Lausitz festgestellt – eine naturschutzfachliche Sensation damals. Das Wildtier kann in der Folge als Profiteur des innerdeutschen Mauerfalls gelten, weil so lange seiner Ausbreitung dort mit Abschuss begegnet wurde. In Niedersachsen trat das erste Rudel 2013 in Munster in Erscheinung. Aktuell sprechen die Fachleute übereinstimmend von 14 Wolfsrudeln in Niedersachsen - das sind 250 geschlechtsreife Tiere - und etwa 75 Rudeln (8000 bis 1000 Tiere) im ganzen Bundesgebiet. Die Experten sehen ein rasantes Wachstum – alle 2,5 Jahre eine Verdoppelung. Dabei hat der Wolf zurzeit den höchsten Schutzstatus überhaupt. Nach einer FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat), die seinerzeit noch Angela Merkel als Umweltministerin unterschrieb, muss diese Art in einem guten Erhaltungszustand gehalten werden. Der Wolf unterliegt dem Naturschutzrecht und nicht dem Jagdrecht. Die Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen wird wissenschaftlich dokumentiert. Seit 2012 ist die Landesjägerschaft als Naturschutzverband vom Umweltministerium mit dem Monitoring beauftragt und zur Dokumentation von Unfällen und Wolfsrissen (Übergriffen von Wölfen auf andere Tiere) im Land. 50 Prozent der Wolfssichtungen werden im Land von Jägern gemeldet. In bisher fünf Bundesländern von 16 hat der Wolf mit territorialen Rudeln den nach Naturschutzrecht gewünschten Erhaltungszustand erreicht. Eine natürliche Selbstregulation – und nicht mehr nur rasante Vermehrung - wäre erst zu erwarten, wenn die gesamte Fläche so besiedelt wäre. In Niedersachsen gelten zwei Rudel als so „jagderfahren“, dass sie eine ständige Gefahr für Weidetiere sind.

Wölfe zuletzt in Brelingen gesichtet

Wölfe kommen auch in Ortschaften wie in der Wedemark vor. So hat ein Jagdpächter aus seinem Revier in Brelingen kürzlich berichtet, es seien in den vergangenen Wochen mehrfach einzelne und auch mehrere Wölfe gleichzeitig dort gesehen worden, teils in der freien Landschaft, aber auch drei Jungwölfe an der Marktstraße nahe dem Sägewerk. Drei Tage später waren es vier junge Wölfe südlich des Nabu-Geländes in Brelingen. wiederum nach drei Tagen ein Wolfspaar zwischen Brelinger Friedhof und Ponyhof am Ibsinger Weg. Einzelne Wolfsspuren würden schon seit mehr als einem Jahr hin und wieder aufgespürt. Die Wölfe seien aber nicht ständig vor Ort – die Jäger beobachten ihr Auftreten meist am Verhalten des Wildes. Der Rehwildbestand habe deutlich abgenommen. Gesehen und fotografiert wurden Wölfe auch in anderen Ortsteilen in den Vorjahren.

Für ihr Engagement hat Irmtraud Bernstorf das Bundesverdienstkreuz erhalten. Damit honoriert der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Jahrzehnte währende ehrenamtliche Arbeit der Brelingerin.

28.05.2018

Neue Räume: Die Gemeindebibliothek Wedemark steht unter 1000 öffentlichen Bibliotheken in Niedersachsen sehr gut da. Jetzt ist nach Umnutzung und Anbau die Ausleihstelle Mellendorf am Freitag neu eröffnet worden.

Ursula Kallenbach 28.05.2018

Die Polizei sucht einen Unfallfahrer, der nach einer Karambolage auf einem Bissendorfer Parkplatz geflüchtet ist, ohne sich um die Schadensregulierung zu kümmern.

25.05.2018