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Nachrichten 1930 bis 1950 – nun im vierten Bändchen
Region Wedemark Nachrichten 1930 bis 1950 – nun im vierten Bändchen
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00:16 01.01.2018
Von Ursula Kallenbach
Martin Stöber (von links), Franz Rainer Enste und Helge Zychlinski treiben das Wedemärker Geschichtsprojekt engagiert voran. Quelle: Kallenbach
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Wedemark

Wer das zweite Symposium der Gemeinde zum „Alltag in der Diktatur“ im Bürgerhaus in Bissendorf am geschichtsträchtigen 9. November nicht dort im Bürgersaal verfolgen konnte, wird jetzt als Leser alle Beiträge dieser Veranstaltung schwarz auf weiß im Band 4 finden. Das Büchlein gibt auf 43 Seiten die Texte der Referenten unverändert wieder, wie Martin Stöber betonte. Der Geschäftsführer des Niedersächsischen Instituts für Historische Regionalforschung (NIHR) stellte gemeinsam mit Bürgermeister Helge Zychlinski und dem Koordinator des Geschichtsprojekts, Franz Rainer Enste, den Band im Rathaus vor. Er liegt in einer Auflage von etwa 250 Exemplaren vor und kostet im Buchhandel 6,50 Euro.

Die Dokumentation solle die wichtigsten inhaltlichen Beiträge dieses Symposiums über den Tag hinaus bewahren, betont Stöber auch in seinem Vorwort. Dazu zählt vor allem die Rede von Professor Rolf Wernstedt, ehemaliger Präsident des Niedersächsischen Landtages und Niedersächsischer Kulturminister a.D., der die Kultur der Erinnerung als einen Eckpfeiler bundesdeutscher Identität beschrieb. Er stellte die verantwortliche Arbeit daran in der Gesellschaft in einen grundsätzlichen geschichtsphilosophischen und politischen Zusammenhang. Auch die umfangreiche Begrüßungsansprache des Bürgermeisters vom 9. November ist wiedergegeben. Sein nachdenkliches Plädoyer für Toleranz, Wahrhaftigkeit und Demokratie heute fand starken Widerhall an dem Abend.

Auch der vorherige, dritte Band der Schriftenreihe – Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in den Dörfern der heutigen Wedemark – ist in Band 4 mit einem Kurzkommentar noch einmal zusammengefasst.

Quellen aus Elze ergeben Sonderband

Über das Symposium hinaus weist auch die Arbeit des Elzer Heimatforschers Otto Hemme. Was er dort in Kurzfassung sehr lebendig darstellte, gehe auf eine Riesenvielfalt von Quellen zurück und soll in einem Sonderband aufbereitet werden, stellte Stöber in Aussicht. Zugleich werde die akribische Sammlung eine Arbeitsgrundlage für Studenten und Schüler abgeben. „Aber das Material bedarf einer Überarbeitung, wir wollen das ordentlich machen“, merkte Enste an. Mit der Kompetenz der beteiligten Historiker solle es aufgearbeitet werden. Der Sonderband, der mit Erinnerungen an das dörfliche Leben unter der Diktatur den Ort Elze in den Fokus nimmt, wird voraussichtlich im Februar oder März 2018 herausgegeben.

„Wir finden viel Interesse für die Bücher. Aber sie verkaufen sich am besten, wenn es konkret um Orte geht“, berichtete Stöber. Gleichwohl sei es bei Lokalgeschichte wissenschaftlich immer anzuraten, die heimatliche Ebene einzuordnen in die allgemeine Geschichte und die geschichtsphilosophische, „um den Blick zu weiten“.

Insgesamt sei das Projekt Erinnerungskultur der Gemeinde schon vielfach außerhalb der Wedemark wahrgenommen worden, stellten die Hauptbeteiligten fest. So sei der Koordinator Franz Rainer Enste auch schon von anderen Kommunen darauf angesprochen worden, wie ein solches Konzept anzufangen und umzusetzen sei. Denn für den ländlichen Raum habe sich eine umfassende Aufarbeitung der Geschichte vor, während und nach der Nazizeit bisher in Deutschland noch nicht etabliert, begründen die Akteure. Umso bemerkenswerter sei das Engagement der vielen Beteiligten in der Wedemark – von der Gemeindeverwaltung, über Geschichtsprofis bis hin zu Zeitzeugen und Schülern, die mit viel Hingabe die Ereignisse in der heutigen Wedemark aufarbeiteten. 

Das dritte Symposium ist für Montag, 29. Januar, im Gymnasium Mellendorf geplant. Schüler aus einem Leistungskursus unter Leitung der Historikerin Sabine Paehr – sie hat mit dem dritten Band der Geschichtsreihe ihren Doktorgrad errungen – haben sich mit der Verfolgung kranker und behinderter Menschen während der Nazizeit auseinandergesetzt und werden die Ergebnisse vorstellen.

Es soll de facto sicher bleiben in der bereits mehr als 30.000-Einwohner zählenden Gemeinde Wedemark. Eine lückenlose staatliche Überwachung mit Kameras an Bahnhöfen oder Autobahnzubringern lehnt Bürgermeister Helge Zychlinski indes ab.

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