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Die Wassermühle ist seit Jahren ein lauschiger Platz zum Leben.

Die Wassermühle ist seit Jahren ein lauschiger Platz zum Leben.© Kallenbach

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Wedemark

Negenborner legt Mühlen-Schatz frei

Mühlen, Mühlen, Mühlen: Auf 170 Seiten hat der Negenborner Eckhard Martens einen Schatz aus Erinnerungen und Wissen rund um die Mühlen der Wedemark zusammengetragen. Sein eigenes Leben ist bis heute eng mit der Wassermühle in Negenborn verbunden, die 1779 am dortigen Mühlenteich errichtet wurde.

Negenborn. Die Mühle gehört seit 1885 der Familie Martens; erst 1966 wurde der Mahlbetrieb eingestellt, das Gebäude zu Wohnzwecken eingerichtet. Eckhard Martens wuchs in direkter Nachbarschaft zu Mühlrad und Mühlenteich auf, lebt in diesem Umfeld und blickt täglich auf das Anwesen. In seinem Buch stellt der Autor zunächst acht alte Wassermühlenstandorte in der Wedemark vor und geht dann auf sieben hiesige Windmühlenstandorte ein. In einem ergänzenden Teil beleuchtet er unterschiedliche Gesichtspunkte im lokalen Mühlenwesen und in der Mühlenkunde. Zahlreiche historische Abbildungen geben dem Leser eine Anschauung von der Schönheit und der Notwendigkeit der alten Bauwerke in vergangenen Jahrhunderten.

Angestoßen wurde Martens vom den Historischen Arbeitskreis der Wedemark, wie Reinhard Tegtmeier-Blanck in einer kurzen Rezension des Buches vorab berichtet. Der Wedemärker ist selbst sachkundig genug: Tegtmeier-Blanck gehört zu den ehrenamtlichen Müllern an der Bockwindmühle in Wettmar. „Festzuhalten ist, dass der Autor dem an Lokal- oder Regionalgeschichte interessierten Bürger mit vielen inhaltlichen Hinweisen und vor allem vielen historischen Fotos eine Fülle von Informationen zur Verfügung stellt. Bei den älteren Lesern dürften Erinnerungen wach werden, während bei den Jüngeren eher das Kennenlernen und Verstehen im Vordergrund stehen dürfte“, gibt Tegtmeier-Blanck dem Buch mit auf den Weg.

Dieses lag, noch nicht ganz fertiggestellt, schon bei der großen Mühlenausstellung im Richard-Brandt-Heimatmuseum in Bissendorf im Frühjahr aus. Nun ist der Inhalt vervollständigt. Interessierte können das Werk mit Hardcover-Einband, das im Selbstverlag erscheint, bis zum 15. November verbindlich per E-Mail an tegtmeier-blanck@posteo.de bestellen (Stückpreis 29,50 Euro). Die Auslieferung soll Anfang Dezember erfolgen.

„Es ist eine persönliche Bilanz von Eckhard Martens und seines lebenslangen Interesses am Mühlenwesen“, betont Tegtmeier-Blanck. Das Studium von Fachliteratur, die Zusammenarbeit mit ehemaligen Müllern, historisch interessierten Bürgern und Amateurhistorikern hätten geholfen, das Material für dieses Buch zusammenzustellen. Dabei sei es aus Martens‘ eigener Sicht „kein Werk mit wissenschaftlichem Anspruch, das sich durch umfangreiche Literaturangaben und einen großen Anmerkungsapparat auszeichnet“. Dennoch sei es für Mühlenfreunde, Lokalhistoriker und historisch interessierte Wedemärker „eine lesenswerte Lektüre, die sich für lange Winterabende eignet und sich als Geschenk für das bevorstehende Weihnachtsfest anbietet“.

Auch technisch Interessierte finden Wissenswertes. In einem allgemeinen Teil wird die Entwicklungsgeschichte der Mühlen erläutert, Müllereimaschinen werden erklärt und viele Details, die rund um das Thema Mühlen spannend sind. Der Einsatz von Dampfmaschinen und die technischen Entwicklungen in Mühlen im 19. und 20. Jahrhundert werden ebenso erörtert wie die gesellschaftliche Rolle der Müller im Mittelalter bis – heute. „Vor zwei Jahren“, berichtet Tegtmeier-Blanck, „wurde Eckhard Martens überraschend von einem wandernden Müllergesellen auf der Walz in traditioneller Art und Weise um Zehrgeld für die Weiterreise ersucht.“

Vom Zauber nicht mehr losgelassen

„Die Zeit, die ich mit dem Schreiben des Buches verbracht habe, kann man nicht messen“, stellt Eckhard Martens fest. „Mir hat es großen Spaß gemacht, und ich habe viel dabei gelernt. Wenn es mir gelungen ist, den Lesern mit dieser Ausarbeitung einen Hauch der von den Mühlen der Wedemark ausgehenden Faszination näher zu bringen, bin ich zufrieden."

Er selbst sieht seine Aufgabe heute eher „als Koordinator, der in Sachen Mühlen der Wedemark eine Verbindung von der Vergangenheit zur Gegenwart herstellt“. Der Autor nennt seine Arbeit einen kulturhistorischen Streifzug durch die Mühlenwelt der Wedemark. „Selbst Besitzer einer Wassermühle in Negenborn, in der mein Vater noch bis 1966 Getreide zu Schrot verarbeitet hat - da war ich acht Jahre alt - bin ich quasi mit ihr in unmittelbarer Nachbarschaft aufgewachsen. Sehr gut kann ich mich an die auf mich damals spannend wirkende Technik der Getreideverarbeitung mit schweren Mühlsteinen und riesigen Zahnrädern im Getrieberaum der Mühle erinnern“, berichtet Martens. „Wer das einmal erlebt hat und auch schon einmal den Duft von frisch gemahlenem Getreide in der Nase hatte, wird von dem davon ausgehenden Zauber nicht mehr losgelassen.“

Damals sei das Wasserrad der Mühle jedoch über Jahrzehnte verfallen. „Weil eine Mühle ohne Wasserrad auf mich wirkte wie Weihnachten ohne Tannenbaum, hat sich hier inzwischen einiges geändert – auch, weil unsere Gesellschaft entsprechenden Objekten heute eine höhere Wertschätzung entgegenbringt, als das früher der Fall war“, verdeutlicht der Besitzer. Indem das Gebäude außerdem zu einer Wohnmühle umgestaltet wurde, konnte die Mühle gerettet werden. „Damit bleibt sie als kulturelles Erbe für nachfolgende Generationen erhalten“, sagt Martens.

Eine ausführliche, nur auf die Wedemark bezogene Zusammenstellung über hiesige Mühlen gab es Martens zufolge bisher nicht. Als Fundament für das jetzt vorliegende Werk habe ihm die wertvolle Ausarbeitung von Wilhelm Kleeberg über die Mühlen im Landkreis Burgdorf von 1958 gedient. „Sie wird wegen ihrer systematischen Aufbereitung der Mühlengeschichte hin und wieder auch die „Mühlenbibel“ genannt“, führt Martens an. „Rund 25 Jahre später hat dann Heinz Koberg in den 1980er Jahren darauf aufbauend mehrere Zeitungsartikel und 1987 sein Buch (Mühlen rund um Hannover) als Zusammenfassung veröffentlicht.“ Dann seien wieder knapp drei Jahrzehnte vergangen, bis Rüdiger Hagen und Wolfgang Neß 2015 ihr richtungweisendes Buch „Mühlen in Niedersachsen – Region und Stadt Hannover“ herausgaben.

Hinter dem Buch stehen viele Berater

Viele Kundige hätten mitgewirkt, betont Martens. "Mein besonderer Dank gilt posthum Dr. Hellmuth Hahn aus Bissendorf, der mir wertvolle Tipps gegeben hat. Er hat eine erste Zusammenstellung der Ausarbeitung noch wenige Wochen vor seinem Tod im Sommer 2015 durchgesehen.“ Unterstützt habe ihn auch der Müller und Mühlenbautechniker Rüdiger Hagen aus Brelingen mit seinem präzisen Fachwissen; viele von Hagens hervorragenden Zeichnungen durften in dem Buch verwendet werden. „An der Anzahl seiner von mir verwendeten Abbildungen und Fotos kann man ablesen, welches Gewicht seinen Beiträgen beizumessen ist. Die Informationen, Hinweise und Anregungen waren neben der umfangreichen Quellensammlung überaus wertvoll“, hebt Martens hervor. Weitere „Mitarbeiter“ - Jörn Deecke aus Lachendorf sowie Reiner Linnemüller, Friedrich Thümler und Reinhard Tegtmeier-Blanck aus Bissendorf – stehen hinter der Herausgabe des Buches. 


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Die Wedemark ist ...

  • ... eine Gemeinde im Norden der Region mit 16 Ortsteilen und 29.000 Einwohnern.
  • ... für Ortsunkundige verwirrend, weil es keine Ortschaft namens Wedemark gibt. Verwaltungssitz ist Mellendorf.
  • ... eine der reichsten Gemeinden Niedersachsens, wenn man das Pro-Kopf-Einkommen der Bürger betrachtet.
  • ... Gründungsort des ESC Wedemark, der 2010 als Hannover Scorpions deutscher Eishockeymeister wurde.
  • ... Sitz des Audiotechnik-Herstellers Sennheiser.
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