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Region Wedemark Nachrichten Ehejubiläum spiegelt ganze Dorfgeschichte
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14:26 28.08.2018
Zum Ehejubiläum von Marlis und Günther Peters (Mitte) gratulieren Ortsbürgermeister Peter Reuter (links) und Bürgermeister Helge Zychlinski. Quelle: Kallenbach
Negenborn

Ein dickes Kapitel in der Dorfgeschichte von Negenborn können Marlis und Günther Peters mit den Geschichten aus ihrem Leben füllen. Heute vor 60 Jahren wurden sie dort in der kleinen Kapelle getraut. Das diamantene Paar ist Negenborner Urgestein, von Kindesbeinen an befreundet; ihr Familiensitz „Mückenburg“ beheimatet jetzt drei Generationen.

Wenn das Paar aus den Erinnerungen auspackt, lernen auch Ortsbürgermeister Peter Reuter und Bürgermeister Helge Zychlinski noch viel über die Verhältnisse dieses Dorfes über sechs Jahrzehnte dazu. So traute damals der Standesbeamte Willi Eickhoff das Paar – am 28. August 1958 – in der noch selbständigen Gemeinde Negenborn in seiner eigenen Wohnung. Zum Polterabend war ganz Negenborn auf den Beinen. Für die Hochzeit mit 120 Gästen waren eigene Schweine geschlachtet und reichlich Suppe im Waschbottich gekocht worden, der alte Pastor Gerhard Oelschläger und Lehrer Wilhelm Sonnemann waren zu Gast, wie es sich gehörte.

Heute vor 60 Jahren sah die kirchliche Trauung von Marlis und Günther Peters in der Kapelle in Negenborn so aus. Quelle: Privat

1892 hatten die Urgroßeltern von Marlis Peters ein einfaches Haus dort im Außenbereich gebaut. Noch jetzt gehören zehn Morgen Wiesen zu dem Grundstück. Man betrieb Landwirtschaft, arbeitete viel, aber feierte auch. Erst 1946 wurde eine Stromleitung gelegt. Die beiden Haken dafür am Haus sitzen dort noch heute. „Vorher gab es nur Spirituslampen mit Docht“, berichtete Marlis Peters. Allerdings hätten die Menschen im Dorf damals nicht das Geld gehabt, den Stromsegen zu bezahlen. Noch die Eltern führten eine kleine Landwirtschaft im Nebenerwerb mit zwei Kühen. 1969 wurden die Schweine abgeschafft. Da arbeitete der gelernte Maurer Günther Peters schon neun Jahre bei VW in Hannover „an der Maschine“. Auf dem Lande kannte er vorher keinen Urlaub und musste zum Winter für Stempelgeld anstehen – dagegen bezahlte VW den Negenborner Pendler gut. In Fahrgemeinschaft im Privatauto ging es zum Arbeitsplatz. „Wir sind jedes Jahr auch in Urlaub gefahren, oft in die Schweiz“, erzählte Marlis Peters. Dort hatte sie als junges Mädchen ein Vierteljahr auf einem Bauernhof gelernt. 1989 ging Peters in Rente.

Auf der „Mückenburg“ wohnt das Paar jetzt mit Sohn Bernd und Enkel. 1967 wurde oben der Heuboden ausgebaut und zunächst vermietet. Vor etwa 30 Jahren zogen Marlis und Günther Peters selbst nach oben. Sie sind jetzt 81 und 85 Jahre alt. „Solange man sich noch anstrengt mit der Treppe, ist es gut“, sagt der Jubilar. Täglich geht er außerdem mit Hündin Lilli seine Wege.

Ein Trecker steht noch im Hof bereit, „adoptierte“ Rinder stehen auf den Weiden. Man habe sich immer selbst zu helfen gewusst, betont der 85-Jährige. „Das ganze Eheleben hat auch Spaß gemacht. Wir haben zwei Kinder und vier Enkel. Unser Leben hat funktioniert“, beschrieb er am Dienstag beim Besuch des Bürgermeisters. Als Rezept sieht Marlis Peters zwei Säulen: „ Wir haben alles hier gemeinsam auf- und umgebaut und immer alles besprochen. Jeder hatte seine Rechte und Pflichten“. Miteinander „kören“ Marlis und Günther Peters noch das alte Negenborner Platt. Die Kinder können es verstehen, aber nicht mehr selbst sprechen.

24 Jahre war Marlis Peters im DRK aktiv, ist Feuerwehrmitglied und bei den Schützen. Günther Peters war zeitlebens aktiver Feuerwehrmann, gründete den Verein Feuerwehrwald Negenborn mit und hat insgesamt 23 Jahre in der Kommunalpolitik mitgewirkt – erst im noch selbständigen Gemeinderat Negenborn, später im Ortsrat Negenborn der Gemeinde Wedemark. „Wenn man nicht mitmacht, kann man nichts bewirken“, lautet sein Fazit.

Seit 48 Jahren gehört Peters der SPD an, ist seit 1951 Gewerkschaftsmitglied. In der Wedemark hat er die SPD 60 plus mit gegründet. Zehn Sommerfeste für die SPD-Senioren organisierte die Familie auf der „Mückenburg“ und versäumt seit 30 Jahren kaum jemals, diese Feste und die monatlichen Treffen zu besuchen.

Und wieso der Name Mückenburg? „Hier waren ganz früher viele Wasserlöcher und darum Mücken“, erzählte Marlis Peters. Und bei ausgiebigen Feiern habe ihr Urgroßvater, um das Fest zu beenden, immer gesagt: „In fünf Minuten verlasset Ihr unsere Burg“.

Von Ursula Kallenbach

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