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Nachrichten Baupläne im Dorf rufen Kritiker auf den Plan
Region Wedemark Nachrichten Baupläne im Dorf rufen Kritiker auf den Plan
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00:22 16.06.2018
Von Ursula Kallenbach
Der Baukran ist weithin sichtbar installiert - es geht weiter. Quelle: Kallenbach
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Bissendorf

An der Riesenbaugrube Am Markt in Bissendorf gehen die Arbeiten es weiter. Wie von dem Investor Rainer de Groot für diese Tage angekündigt, ist der Baukran auf einem Fundament aufgestellt worden. Dort will de Groot unter dem Namen "Neue Höfe" 19 Eigentumswohnungen und eine Gewerbezeile an der Front zur Bissendorfer Straße samt Tiefgarage errichten. Während die meisten Passanten jetzt hinter den Bauzaun schauen, stößt sich ein direkter Nachbar des Vorhabens an dem künftigen Aussehen des Baukomplexes. Was auf einem Banner am Bauzaun als Vision abgebildet ist, ruft bei Jan-Erik Vöckler Kritik und vor allem Enttäuschung hervor.

Kritiker sieht eine Chance vertan

Positiv hält er fest: "Alles, was da hinkommt, ist besser, als das, was war. Der alte Hausbestand war abgängig. Aber mir geht es darum, wie es gestaltet ist. Ich sehe die Chance vertan, ein schönes Fachwerkensemble hinzusetzen", bedauert Vöckler. Die Gemeinde Wedemark habe mit dem Amtshof grandios vorgelegt und ein Zeichen an Qualität gesetzt. Er habe deshalb für diese ortsprägende Stelle mehr erwartet als eine langweilige Gewerbeimmobilie mit Fachwerkapplikationen. "Hier wird gerade eine Chance vergeben." Vöckler bemängelt: "Nur weil ein paar Verblender in neumodisch patinierter Optik auf ein paar Eichenbalken geschichtet werden, ergibt das noch lange kein Fachwerkhaus." 

Grundsätzlich sei de Groot mit seinem Bauvorhaben frei in der Gestaltung, "und ich finde es auch gut so, dass es ihm niemand verbieten kann", betont Vöckler gleichwohl. Denn er spricht zugleich selbst als Architekt; seit 2002 wohnt und arbeitet er in Bissendorf. Weder ein Bebauungsplan noch eine Gestaltungssatzung seien dort für eine Bebauung der Baulücke zu beachten, erläutert er. "Auf die Gestaltung hat die Gemeinde keinen Einfluss – das Vorhaben muss sich nur einfügen", verdeutlicht Vöckler. Aber gerade die Gemeinde habe im Vergleich ein gutes Beispiel mit dem kompletten Amtshofbereich geliefert. "Das ist schlüssiger: Fachwerkhäuser, die wie Fachwerk aussehen."

Auch das neu errichtete Bürgerhaus habe eigentlich mit einem alten Fachwerkbau nicht viel zu tun. "Es ist eine tragende Stahlkonstruktion mit Eichenfachwerk, die sich aber klar an den Gestaltungsprinzipien eines Fachwerkbaus orientiert." An beiden Händen zählt der Architekt aus fachlicher Sicht viele weitere Beispiele sanierter oder neuer Fachwerkhäuser im Ortskern auf, etwa an der Straße Flassworth oder am Kummerberg/Kopfoore, die das echte Fachwerkhaus repräsentieren.

Mit "Neue Höfe" sieht der Bissendorfer Nachbar und Architekt "unproportionierte Baukörper" künftig die Lücke ausfüllen. Es sind viele Einzelheiten in der Ansicht, die ihn stören – und, wie er weiß, manchen anderen Wedemärker auch. So passten weder die zu flache Dachneigung und schwarze Ziegel, noch die Fenster – breiter als hoch-, noch auskragende Stahlbetonbalkone zu einer Fachwerkgestaltung. Dies sei ein so prägnanter Ort im Dorf, begründet Vöckler sein vehementes Eintreten für Gestaltungsprinzipien – und sieht doch, dass andere Vorstellungen rechtmäßig ihren Platz bekommen.

Rainer de Groot: „Wer an der Straße baut, hat viele Meister“

Fachwerk ist auch für den Investor des Bauvorhabens Neue Höfeein zentrales Thema. Auf Nachfrage macht Rainer de Groot in seiner Stellungnahme auf die Kritik deutlich, nach welchen Kriterien er dort baut – und zwar nach seiner Überzeugung ein für Bissendorf ortstypisches Ensemble. Dies bestehe aus mehreren voneinander getrennten Gebäuden – "Ein Klotz ist aus meiner Sicht was anderes". Die modernen Elemente lockern die Fassade auf, ihre Einbindung sei architektonisch gewünscht, betont er.

Das Fachwerk werde als Eichenfachwerk errichtet und sei keine "Applikation". "Sicher wird das Fachwerk als hinterlüftete Fassade vor eine gemauerte Wand gestellt. Die neueste Energieeinsparverordnung ist bei einem klassischen, rein aus Holz gebauten Haus eher nicht zu erreichen", erläutert de Groot. Es gelte insofern auch behördliche Vorgaben zu beachten nicht zuletzt auch den Brandschutz, wozu es umfangreiche Gutachten und Hinweise der Feuerwehr gebe.

Investor hält Kritik für unangemessen

In der Bauausführung, hält de Groot dem Kritiker entgegen, gebe es keine neumodischen Blender: "Sondern die gesamte Fassade wird in Klinker hergestellt beziehungsweise werden die Fachwerke damit ausgefacht." Insofern erkenne er nur wenig Konstruktives in der geäußerten Kritik und in den Argumenten nur wenig Kenntnis. "An dieser Stelle sei auch betont, dass die Klinkeroptik auf Wunsch und Anregung nach Äußerungen und Vorschlägen der Bürger im Ortsrat entstanden ist", hebt de Groot hervor. "Diese wollten zum Beispiel keine weißen Gefache, wie sie unser erster Entwurf vorsah, und wie sie heute auch bei dem Ensemble am Amtshof zu finden sind. Hier sind wir auf die Anregungen der Bürger eingegangen." Schon realisiert sei in dieser Weise das Fachwerkanwesen am Alten Postweg in Wennebostel. "Und das fügt sich, wie ich meine, gut in das Ortsbild ein und entspricht in keiner Weise der Beschreibung des zitierten Architekten."

Dass die Gemeinde mit dem Amtshofensemble und dem Bürgerhaus Qualität gesetzt habe, unterstreicht de Groot. Er verweist jedoch darauf, dass eine Denkmalsanierung wie die des Amtshauses, die zudem öffentlich gefördert sei, sicher den einen oder anderen Euro an Spielraum zulasse. "Dies können sich privatwirtschaftliche Unternehmen, die auch gegenüber finanzierenden Dritten betriebswirtschaftlich argumentieren müssen, nicht immer leisten." Nicht zuletzt deshalb lasse der Denkmalschutz die Option der "Unwirtschaftlichkeitsberechnung", um privaten Eigentümern eine nicht bezahlbare Sanierung zu ersparen.

Bei den Anwesen Am Markt handele es sich nachgerade nicht um eine Sanierung von Gebäuden im Denkmalschutz, sondern um einen Neubau. Das Neue, so de Groot, soll sich auch bei der ortstypischen Bauweise mitteilen. Es sei auch eher eine Wohnimmobile mit Gewerbeflächen, die entsteht. Das Gewerbe nehme nur rund ein Drittel der Flächen ein. „Alles andere sind Wohnungen die sich einer hohen Nachfrage erfreuen. Ein Dorf lebe auch aus seinen gewerblichen Flächen, stellt der Bauherr fest. "Sie fördern die Begegnung und bereichern das Dorfleben. Ich kann nicht erkennen, was an gewerblichen Flächen problembehaftet sein soll. Auch vor Abriss war das Straßenbild gewerblich, und ich meine, es will auch keiner in Abgashöhe entlang einer stark befahren Straße sein Fenster haben."

Planungen sind der Öffentlichkeit vorgestellt worden

Übrigens weise auch der zitierte Amtshof zwei Geschosse auf. Und die geplanten Balkone, so de Groot, seien für den hoch nachgefragten Wohnraum Am Markt erforderlich – sie seien nicht straßenbegleitend angeordnet. Dass es für diesen Bereich in Bissendorf keinen B-Plan gibt oder eine Gestaltungssatzung, sei richtig, bestätigt der Bauherr. "Es soll aber mal keiner davon ausgehen, dass zur Gestaltung der Fassade keine Anregungen zu städtebaulichen Aspekten durch die Baubehörde kommuniziert wurden", hält er fest. In verschiedenen Entwurfsphasen sei das Projekt sowohl dem Bauamt als auch den Bürgern vorgestellt worden. "Daraus resultieren diverse architektonische Aussagen wie auch der Klinker. Ich habe insofern gerne mitreden lassen", betont de Groot.

So soll der Geschäfts- und Wohnkomplex Am Markt mal aussehen, zeigt der Bauzaun. Quelle: Kallenbach

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