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Region Uetze Nachrichten Für die Fische ist an den Wehren Endstation
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18:32 15.10.2018
Kein Durchkommen für die Fische: Mit Urgewalt rauscht die Fuhse über das Wehr an der Eltzer Mühle. So wird es auch in Zukunft sein. Quelle: Marion Brunnecker
Uetze

Fische sollen in der Fuhse und Erse eigentlich spätestens im Jahr 2027 ungehindert flussauf- und flussabwärts wandern können. Alle Störstellen wie beispielsweise Wehre sollen bis dahin beseitigt sein oder von den Fischen umschwommen werden können. Das sieht die EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 vor. In der rund 90 Kilometer lange Fuhse sind diese Vorgaben allerdings nicht zu erfüllen.

Denn an der Fuhse hat es nach den Worten des Ingenieurs des Unterhaltungsverbands Fuhse-Aue-Erse, Steffen Hipp, im Laufe der Geschichte Eingriffe von Menschenhand gegeben, „die wirtschaftlich und sozial nicht umkehrbar sind“. Bestes Beispiel dafür seien die Mühlen, sagt Hipp. „Deshalb schafft man es bei der Fuhse nicht, den ökologischen Zustand eines Referenzgewässers zu erreichen.“ Die Wehre an den Mühlen sind und bleiben Hindernisse für die Fische. „Denn die Eigentümer der Mühle Amme und der Eltzer Mühle haben alte Staurechte“, erklärt Hipp.

„An der Wolfsförder Mühle sieht es anders aus.“ Dieses Staurecht habe der Unterhaltungsverband vor Jahren gekauft. Wo früher einmal ein Wehr war, stürzt das Wasser heute über acht Betonstufen 1,40 Meter hinab. Auf diesem sogenannten Kaskadenabsturz ist die Strömung so stark, dass Fische nicht flussaufwärts schwimmen können. Es gebe aber bereits Ideen für die Umgestaltung, sagt Hipp. Eine Überlegung sei, mit einer langen Kiesschüttung eine Sohlgleite anzulegen. Die zweite Möglichkeit sei, Fuhsewasser durch einen Graben um die Störstelle herumzuleiten. Fachleute sprechen von einem Umflutgerinne. „Dafür müsste ein vorhandener Graben ausgebaut werden“, sagt Hipp. Um ihn zu verbreitern, müsste der Unterhaltungsverband Land kaufen. Dass mache das Umflutgerinne teuer. „Eine Kiesaufschüttung ist auf jeden Fall günstiger“, weiß der Verbandsingenieur. Nach seinen Angaben ist ein Baubeginn allerdings noch nicht in Sicht.

Für die Beseitigung des Kaskadenabsturzes an der Wolfsförder Mühle gibt es bislang nur Ideen. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

An der Eltzer Mühle sieht Hipp nicht nur wegen des alten Staurechts „aktuell keinen Handlungsbedarf“. Im vorigen Jahr hat die Aktion Fischotterschutz den Ziegeleigraben wieder so hergerichtet, dass er ganzjährig Wasser führt. „Das ist ein Sahnestück geworden“, schwärmt Hipp. Der Ziegeleigraben zweigt oberhalb der Eltzer Mühle von der Fuhse ab und mündet unterhalb wieder in den Fluss. Daher können Fische die Eltzer Mühle umschwimmen. An der Mühle Amme mitten in Uetze gibt es diese Möglichkeit nicht, und sie kann auch nicht geschaffen werden. Die EU-Wasserrichtlinie lässt allerdings Ausnahmen wie diese zu.

Laut Hipp besitzt der Beregnungsverband Wackerwinkel ebenfalls ein altes Staurecht, und zwar für ein Wehr bei Wackerwinkel. Dort staue der Beregnungsverband die Fuhse, um ein Speicherbecken zu füllen, aus dem Landwirte Wasser für die Beregnung entnehmen. „Das Wehr ist in der Regel außerhalb der Beregnungszeit gezogen“, sagt Hipp. Daher sei es den Großteil des Jahres kein Hindernis für die Fische, denn es gebe dort keinen Absturz.

Am Wehr bei Dedenhausen gleicht eine Steinschüttung den Höhenunterschied im Flussbett der Fuhse aus. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Stehen bleiben wird vorerst auch ein Wehr bei Dedenhausen, obwohl dort der Unterhaltungsverband den Höhenunterschied mit einer langen Steinschüttung ausgeglichen hat. Damit staue der Verband die Fuhse, damit ein Mähboot zur Gewässerunterhaltung auf dem Fluss fahren kann, erläutert Hipp. Abgerissen wurden hingegen die Stauanlagen bei Dollbergen und an der Wilhelmshöhe bei Uetze. Dort wurden ebenfalls Steine im Flussbett aufgeschüttet. Früher wurden mithilfe der Wehre Wiesen bewässert. Die Schleusen werden mittlerweile nicht mehr benötigt, weil Grün- in Ackerland umgebrochen wurde oder extensiv genutzt werde.

Erst im vorigen Jahr hat der Unterhaltungsverband an der Gemeindegrenze Uetze/Bröckel die Wehranlage Bröckel beseitigt. Da war ein 45 Zentimeter hoher Absturz. Um ihn auszugleichen hat der Unterhaltungsverband laut Hipp ein neues Verfahren angewandt. Quer zur Fließrichtung wurden fünf unterschiedlich hohe Pfahlreihen ins Flussbett gerammt. Dahinter wurden Steine aufgeschüttet. Die Pfähle dienen dazu, den Sand aufzuhalten. Die Beseitigung dieses Wehres hat laut Hipp rund 55.000 Euro gekostet.

Erse: 23 Wehre auf 48 Kilometer

„An der Erse gab es auf 48 Kilometern 23 Wehre, Abstürze und so weiter. Sie sind bis auf zwei alle zurückgebaut“, berichtet Steffen Hipp vom Unterhaltungsverband Fuhse-Aue-Erse. Wehre existieren nur noch bei Rietze und in Salzgitter. In der Gemeinde Uetze gibt es in der Erse keine sogenannte Störstelle mehr. Die Beseitigung der vier Stauanlagen im Gemeindegebiet habe Vorrang gehabt, weil dort der Flusslauf Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) ist, sagt Hipp. Die größte Schleuse stand bei Benrode. Sie wurde 2004 abgebaut. Auch aus Gründen des Hochwasserschutzes, damit sich kein Treibgut mehr sammeln kann, hinter dem sich der Fluss staut. Jetzt plätschert dort das Wasser über eine Sohlgleite aus Steinen.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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