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Region Uetze Nachrichten In einer halben Stunde brennt fast das ganze Dorf
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00:40 03.06.2018
Wolfgang Braatz zeigt an dem Modell auf die Stelle, an der 1863 der große Uetzer Brand ausgebrochen ist. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Wackerwinkel

Ein Feuer hat kürzlich Bussen-Hoff in Eltze in Schutt und Asche gelegt. Die Feuerwehr konnte zum Glück ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbargebäude verhindern. Kein Mensch kam zu Schaden. Ganz anders war es vor 155 Jahren beim großen Brand in Uetze. Am 21. April 1863 breitete sich dort eine Feuersbrunst in rasender Geschwindigkeit aus. Fast das ganze Dorf wurde ein Opfer der Flammen. Zwei Menschen fanden den Tod. Wie damals das Feuer im Ort wütete, verdeutlicht ein Modell des Heimatbunds. Der Verein stellt es im mehr als 400 Jahre altem Zweiständerhaus in Wackerwinkel aus.

Das Modell hatten die Vorstandsmitglieder Dieter Lorenz und Wolfgang Braatz mit den Vereinsmitgliedern Gerd Kuschnerus und Klaus Trautmann zur Gedenkveranstaltung am 150. Jahrestag der Brandkatastrophe angefertigt. Auf die Bodenplatte zeichneten sie das damalige verwinkelte Straßennetz mit engen und krummen Gassen. Auf die Grundstücke setzten sie kleine Holzhäuschen. Die Häuser, die bei dem Brand zerstört wurden, erhielten ein rotes Dach. Außerdem statteten die Bastler diese Gebäude mit elektrischen Lämpchen aus. Wenn man diese einschaltet, fangen sie nach und nach zu leuchten an. „Mit dem Brandfortschritt gehen die Häuser in Flammen auf“, erläutert Braatz

Ausgebrochen ist der große Uetzer Brand westlich des heutigen Hindenburgplatzes vermutlich in einem Ziegenstall. „Infolge von Fahrlässigkeit“, schrieb der 1887 verstorbene Lehrer Drafehn in der Schulchronik. Eine Frau soll in dem Stall Asche ausgeschüttet haben, in dem noch Glut war. Das Stroh fing Feuer. Wegen des starken Westwindes, der herrschenden Dürre und der Strohdächer habe innerhalb einer halben Stunde der größte Teil des Ortes in Flammen gestanden. „Außer vielem Vieh fanden leider auch zwei Menschen ihren Tod in den Flammen, nämlich die Ehefrau des Lumpensammlers E..rs und ein 75 Jahre altes Fräulein W..r, welches beim Pastor Schreiber in Pension war“, berichtete Drafehn. 555 Menschen wurden obdachlos.

„Interessant sind die Zeitungsartikel, die eine Woche später erschienen sind. Darin wird berichtet, dass die Spendenbereitschaft immens groß war“, sagt Braatz, der Archivar des Heimatbunds ist. Einwohner der Nachbarorte brachten Kleidung, Lebensmittel, Heu und Stroh nach Uetze, Kommunen und Privatleute aus nah und fern schickten Geld. Beispielhaft erwähnt Drafehn, dass die Gemeinde Hänigsen aus ihrer Ortskasse 1500 Mark ausgezahlt habe. Auch kleinere Dörfer wie etwa Dollbergen und Dedenhausen hätten mehr als 300 Euro gespendet. In Oberg (Kreis Peine) hätten Schulkinder 27 Groschen und fünf Pfennige gesammelt, damit sich die Uetzer Kinder neue Schulbücher hätten anschaffen können Das Kriegsministerium des Königsreichs Hannover habe zwei Tage nach der Katastrophe 80 Zelte und 500 Decken den Abgebrannten vorübergehend überlassen. Auch andere staatliche Institutionen unterstützten das notleidende Uetze.

Interessierte können sich das Modell währen der Öffnungszeiten des Zweiständerhauses donnerstags ab 15 Uhr ansehen.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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