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Nachrichten Grüne wollen Friedwald beschneiden
Region Uetze Nachrichten Grüne wollen Friedwald beschneiden
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16:32 30.08.2018
Ein kleiner, rustikaler Andachtsplatz ist in dem Bereich der Herrschaft angelegt worden, der als Friedwald genutzt wird. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Uetze

63,6 Hektar der Herrschaft sind per Satzung als Friedwald ausgewiesen. Davon werden bislang nur etwa 18 Hektar für die Beisetzung genutzt. Rund 2500 Menschen haben dort ihre letzte Ruhe gefunden. Die Grünen-Politiker in der Regionsversammlung wollen es bei diesen 18 Hektar belassen und argumentieren mit der geplanten Ausweisung der Herrschaft als Naturschutzgebiet.

„Ich hätte nicht gedacht, dass die Nutzung des Waldes als Friedwald so große Spuren hinterlässt“, sagt die Grünen-Regionsabgeordnete Ute Lamla nach einem Ortstermin, bei dem der Leiter des Forstamts Fuhrberg, Hans-Martin Roese, den Umweltausschuss der Region Hannover durch die Herrschaft geführt hat. „Durch die Nutzung als letzte Ruhestätte entstehen viele Trampelpfade, die früher nicht vorhanden waren“, klagt Lamlas Fraktionskollege Ulrich Schmersow. Lamla kritisiert, dass Schilder an den Bäumen hängen, unter denen Verstorbene in einer Urne beigesetzt worden sind. „Schilder gehören nicht in den Wald“, befindet sie. Außerdem habe sie gehört, dass Hinterbliebene hin und wieder Kränze ablegten. Ihre Kritik: Das passe nicht zu einem naturbelassenen Wald.

Roese weist die Kritik entschieden zurück. Es seien keine Trampelpfade entstanden. Um den Friedwald zu erschließen, habe man nur alte Rückegassen genutzt, die einst für die Holzernte benötigt wurden. Dort hätten Maschinen, aber nicht Menschen den Boden verdichtet. Auch die Krautschicht sei nicht zerstört worden. Nach wie vor bedecke im Frühjahr der Blütenteppich der Buschwindröschen den Waldboden der Herrschaft. Plaketten würden an den Bestattungsbäumen angebracht, damit Hinterbliebene diese finden. „Die Landesforsten sorgen dafür, dass die Plaketten nicht einwachsen“, betont Roese. Außerdem verweist er darauf, dass Grabschmuck verboten ist.

„Der Erhaltungszustand des Lebensraumtyps Stieleichen-Hainbuchenwald wird bei einer Friedwaldnutzung nicht verschlechtert“, sagt der Forstexperte. Die Bestattungsbäume würden bis zu 99 Jahren gesichert. Wenn die Herrschaft kein Friedwald wäre, würden jetzt die Landesforsten dort die alten Bäume ernten. „Die Herrschaft ist ein Erholungswald der Stufe eins“, stellt Roese klar. Schon immer seien Menschen dort spazieren gegangen. Die Ausweisung als Friedwald ermögliche, Naherholung und Naturschutz unter einen Hut zu bringen.

Weil der Auwald bei Uetze, durch den sich die Fuhse noch im naturbelassenen Zustand schlängelt, der Europäischen Union als besonders schützenswertes Fauna-Flora-Habitat (FFH-Gebiet) gemeldet worden ist, muss die Region Hannover die Herrschaft zum Naturschutzgebiet erklären. Schutzziel ist der Erhalt des Stieleichen-Hainbuchenwalds. Bisher steht das insgesamt 150 Hektar große Waldgebiet unter Landschaftsschutz. Zu Beginn des Verfahrens zur Ausweisung als Naturschutzgebiet hatte die Naturschutzbehörde der Region die Rechtmäßigkeit des Friedwalds infrage gestellt, ihm dann aber Bestandsschutz zugebilligt. Ein Streitpunkt war damals die Erweiterung des Parkplatzes. Inzwischen sind zusätzliche Abstellplätze für Autos am Weg nach Wathlingen angelegt worden.

Den überarbeiteten Entwurf für die Naturschutzverordnung wird die Region demnächst öffentlich auslegen. Der Termin steht noch nicht fest. Ziel sei, dass die Regionsversammlung die Verordnung noch in diesem Jahr verabschiedet, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann: „Wir werden den Friedwald im Verordnungstext berücksichtigen.“

Urnenfriedhof im Wald

Der Friedwald Uetzer Herrschaft ist am 28. Juni 2007 eröffnet worden. Die Friedhofssatzung hatte der Uetzer Rat erlassen. Danach sind 63,6 Hektar der Herrschaft als Urnenfriedhof im Wald gewidmet. Die Asche Verstorbener wird in biologisch abbaubaren Urnen an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Bis zu zehn Urnengräber sind an einem Baum möglich. Im Schnitt sind es fünf. Die Friedwald GmbH im hessischen Griesbach betreibt den Urnenfriedhof. Sie ist für die Akquise zuständig. Mit den Beisetzungen, der Auswahl der Bestattungsbäume und der Verkehrssicherung hat sie die Niedersächsischen Landesforsten beauftragt, die Eigentümer der rund 150 Hektar großen Herrschaft sind. Die Bäume, die die Landesforsten für Bestattungen ausgewählt haben, müssen bis zu 99 Jahre stehen bleiben.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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