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Mitarbeiter einer Abrissfirma haben am Montag damit begonnen, die asbesthaltigen Dachplatten der Schwüblingser Vorkeimhäuser in Spezialsäcke zu verpacken. Die Säcke werden dann zu einer spezielle Mülldeponie gebracht.

Mitarbeiter einer Abrissfirma haben am Montag damit begonnen, die asbesthaltigen Dachplatten der Schwüblingser Vorkeimhäuser in Spezialsäcke zu verpacken. Die Säcke werden dann zu einer spezielle Mülldeponie gebracht.
© Anette Wulf-Dettmer

Uetze

Ein Stück Dorfgeschichte verschwindet

In Schwüblingsen hat der Abriss der gemeinsamen Vorkeimhäuser der Landwirte begonnen. Damit geht ein Stück Dorfgeschichte zu Ende, das entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg der Höfe beitrug.

Schwüblingsen. Seit Montag werden die Vorkeimhäuser der Landwirte am südöstlichen Dorfrand Schwüblingsens abgerissen. Drei Arbeiter – ausgerüstet mit blauen Ganzkörperschutzanzügen, Handschuhen und Atemschutz – nehmen die großen asbesthaltigen Dachplatten hoch und verpacken sie stapelweise in spezielle Plastiksäcke.   

Mit dem Abriss der scheunenartigen Gebäude mit den gläsernen Außenwänden geht ein Stück Dorfgeschichte zu Ende, das entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg der Höfe beigetragen hat. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und der technische Fortschritt haben sie inzwischen überflüssig gemacht. 

Sogar eine Straße in Schwüblingsen ist nach den Vorkeimhäusern für die Saatkartoffeln benannt

Sogar eine Straße in Schwüblingsen ist nach den Vorkeimhäusern für die Saatkartoffeln benannt.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Vor etwa 50 Jahren hatten die Bauern in Schwüblingsen die beiden Keimhäuser, nach denen sogar eine Straße benannt ist, gemeinsam gebaut. Sie dienten jahrezehntelang zum Vorkeimen der Saatkartoffeln für den Frühkartoffelanbau, der ein wichtiges Standbein der landwirtschaftlichen Betriebe im Gemeindegebiet Uetze  ist – damals wie heute. Das Vorkeimen ist entscheidend, damit die Kartoffeln schnell gedeihen. Denn je eher sie geerntet werden können, desto höhere Preise können die Landwirte erzielen. „Inzwischen hat sich aber jeder Anbauer im Ort die Möglichkeit geschaffen, Frühkartoffeln auf dem eigenen Hof vorzukeimen“, sagt Landwirt Niels Kynast. Hinzukomme, dass im Laufe der Zeit viele Höfe aufgegeben wurden. Für die gemeinsame Nutzung der Keimhäuser hatten 26 Landwirte im Jahr 1971 den Keimhäuserverein gegründet. „Zuletzt waren wir nur noch sechs Mitglieder“, berichtet Kynast.

Der Verein hat die beiden Keimhäuser und das 1070 Quadratmeter große Grundstück an einen Arpker verkauft, der dort dem Vernehmen nach ein Eigenheim bauen will. Am 1. Februar ist die Anlage in dessen Besitz übergegangen. Zuvor hatten die Landwirte die Häuser leergeräumt und die Stromversorgung abstellen lassen.

Die von den Mitarbeitern der Abrissfirma in Säcke verpackten Dachplatten bleiben zunächst auf den Sparren liegen. „Die muss ein Bagger runterheben, weil sie so schwer sind“, sagte der Vorarbeiter der Truppe am Montag. Er rechne damit, dass alle Platten bis Dienstagmittag verpackt sind. Dann sollen auch der Bagger und der Container für den schadstoffhaltigen Bauschutt,  der gesondert entsorgt werden muss, vor Ort sein. „Wenn alles gut läuft, sind die Häuser schon diese Woche abgerissen.“

Die beiden Vorkeimhäuser stehen auf einem 1070 Quadratmeter großem Grundstück, dass der Keimhäuser-Verein jetzt verkauft hat

Die beiden Vorkeimhäuser stehen auf einem 1070 Quadratmeter großem Grundstück, dass der Keimhäuser-Verein jetzt verkauft hat.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Blick in eines der leergeräumten Vorkeimhäuser 

Blick in eines der leergeräumten Vorkeimhäuser. 

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Von Anette Wulf-Dettmer


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Uetze ist ...

  • ... eine Gemeinde zwischen Hannover, Peine und Celle mit 20.000 Einwohnern.
  • ... gelegen an den Flüssen Fuhse und Erse.
  • ... eines der größten Zwiebelanbaugebiete Deutschlands. Nicht umsonst feiert man hier jährlich das Zwiebelfest.
  • ... Standort gleich für zwei Freibäder und für den Erse-Park.
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