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Region Uetze Nachrichten Als das Kienmoor noch ein Abenteuerspielplatz war
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00:16 14.12.2017
Dieses Foto zeigt Günther Jatzkowski beim Ziegenhüten im Kienmoor. Quelle: Heimatbund Hänigsen
Hänigsen

“Viele trauen dem Kienmoor nach. Es war Natur pur“, sagt Karl-Heinz Nilius, Mitglied des Hänigser Heimatbunds und des Naturschutzbunds. An den Sumpf im Norden Hänigsens, der in den 1960er-Jahren im Zuge der Flurbereinigung in Obershagen entwässert wurde und heute eine Wiesenlandschaft ist, erinnert nur noch der Straßenname „Am Kienmoor“.

Heute erinnert nur noch Straßennamensschild an das Kienmoor. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

„Das Kienmoor wurde in den Sechzigerjahren mit einem riesigen Tiefpflug umgebrochen um es urbar zu machen“, erzählt Nilius.  „Motorenlärm erfüllt in diesen Tagen das sonst so friedliche Kienmoor. Starke Maschinen sind dabei, es einen Meter tief umzupflügen. Sie schaffen die Voraussetzung dafür, dass aus der wertlosen Moorfläche bald wertvolles Kulturland wird. Für den Naturfreund wird aber ein kleines Paradies vernichtet, das zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere beherbergte“, zitiert der Historiker Ralf Bierod in der Hänigser Ortschronik die Burgdorfer Tagespresse vom 6. Juli 1968.

Dieses Foto eines Laubfroschs hat Günther Jatzkowski seinen Aufzeichnungen über das Kienmoor beigefügt. Quelle: Heimatbund Hänigsen

„Das Kienmoor hat in den Fünfzigerjahren die Kinder wie ein Magnet angezogen – egal, ob es Sommer oder Winter war“, sagt Nilius. Es sei der Spielplatz der Hänigser Jungen und Mädchen gewesen. Im Winter seien die Wasserflächen zugefroren gewesen. „Als Kinder sind wir darauf Schlittschuh gelaufen“, erinnert sich der 72-Jährige. Das sei nicht ungefährlich gewesen. „Einmal bin ich bis zur Hüfte eingebrochen“, erzählt er.

Erinnerung an ein Naturparadies: Auf diesem Fischteich im früheren Kienmoor blühen weiße Seerosen. Quelle: Heimatbund Hänigsen

Auch der 2011 verstorbene Burgdorfer Naturschutzbeauftragte Günther Jatzkowski, der in Hänigsen aufgewachsen war, hat in seiner Kindheit seine Freizeit mit Spielkameraden im Kienmoor verbracht. „Damit ich meine Zeit nicht ganz nutzlos im Kienmoor verbrachte, musste ich unsere zwei Ziegen zum Hüten mit ins Moor nehmen. Sie kamen überall hinter mir her. Nur durch das Wasser gingen sie nicht gerne. Eines Tages gingen wir über Wolnis Weide, auf der sich ein Fischteich befand, welcher mit Entengrütze überdeckt war, so dass vom Wasser nichts zu sehen war. Die Ziegen waren etwas zurückgeblieben und fraßen vom saftigen Weißklee und den anderen Kräutern, die auf der Weide wuchsen. Als wir am Teich vorbei waren, rief ich ich die ZIegen zu mir, die auch gleich gerannt kamen – genau auf den Teich zu, der ja genauso grün aussah wie das Gras. Und schon war es passiert: Die erste Ziege war in den Teich gesprungen und unter dem grünen Schlick verschwunden. Ich bekam einen Schreck und wollte der Ziege zur Hilfe eilen. Da kam sie aber schon am Rand aus dem Teich gestakelt, über und über mit Grünzeug behangen“, kann man in Jankowskis Aufzeichnungen über seine Erlebnisse im Moor  nachlesen. Den Erlebnisbericht bewahrt der Hängiser Heimatbund in seiner  Heimatstube auf.

 

Diesen Moorfrosch hat Günther Jatzkowski im Kienmoor aufgenommen. Quelle: Heimatbund Hänigsen

Beim Ziegenhüten bobachtete Jankowski Tiere und Pflanzen. Auf den Fischteichen blühten im Sommer Seerosen. Er fing mit seinen Spielkameraden Hechte, kletterte auf Bäume und fütterte mit Fliegen und anderen gefangenen Insekten Sonnentau. Seinem Bericht hat der Naturfreund Fotos von Amphibien und Pflanzen im Kienmoor beigefügt.

Das Kienmoor ist heute eine Wiesenlandschaft. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

 

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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