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Nachrichten Aquarienbauer entwickelt weltweit erste Meeresfischzucht im Inland
Region Uetze Nachrichten Aquarienbauer entwickelt weltweit erste Meeresfischzucht im Inland
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17:40 29.12.2008
Jaime Orellana schaut nach den kleinen Wolfsbarschen im Becken der Forschungsanlage. Das Bild entstand schon 2005. Quelle: Schiller/Privat
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Jetzt ist die Innovation reif für den Markt: Im saarländischen Völklingen wird 2009 die erste kommerzielle Kreislaufanlage gebaut - sie soll an der deutsch-französischen Grenze edle Speisefische wie Dorade oder Wolfsbarsch für die umliegenden Feinschmecker-Restaurants liefern.

Seit Jahren stattet das Familienunternehmen aus der Nähe von Hannover Großaquarien in aller Welt mit seiner Technik aus. Für die Speisefischzucht waren lange die Energiekosten zu hoch. „Beim Fisch zählt jeder Cent“, erläutert der Biologe Jaime Orellana, der in Uetze die Forschungsanlage mit einem eigens entwickelten Niedrigenergiekonzept betreut. 15.000 Wolfsbarsche tummeln sich in dem 120 Kubikmeter Meerwasser fassenden Becken, die Völklinger Anlage auf dem Gelände einer ehemaligen Kokerei soll zehnmal so groß werden. „Wir produzieren Qualität, die es in dieser Form sonst nicht gibt“, schwärmt Orellana. „Schwermetalle oder Antibiotika kennen wir hier nicht.“

Die Entwickler sind stolz auf die Umweltverträglichkeit ihrer neuen Technologie. So liege die Wasseraustauschrate nur bei einem Prozent pro Tag, bestehende am Meer gebaute Anlagen tauschten 60 bis 80 Prozent Wasser aus. Ein Abschäumer filtert Schmutzpartikel heraus, in großen Kesseln - den Biofiltern - fressen Bakterien das Wasser sauber. Zudem gibt es Experimente mit Seeringelwürmern, die den Kot vertilgen und selber als Futter dienen. In Völklingen soll die Fischgülle in eine Biogasanlage wandern.

Weltweit stammt bereits mehr als 40 Prozent des Speisefisches aus Aquakulturen. Die Farmen mit ihren Netzkäfigen belasten die Umwelt vielerorts erheblich. So leiden die Ökosysteme im Mittelmeer unter dem hohen Nährstoffeintrag durch die Wolfsbarsch- oder Doradenzucht. Eine Lachsfarm mit 200.000 Fischen produziert nach Expertenberechnungen so viel Abwasser wie eine Stadt mit 20.000 Einwohnern. Dabei werden die bedrohten Wildbestände durch die Massenfischhaltung nicht unbedingt geschützt, weil Zuchtfische mit Fischmehl aus den Ozeanen gefüttert werden.

„Innovationen in diesem Bereich sind richtig und wichtig“, betont die Fischereiexpertin der Umweltschutzorganisation WWF, Heike Vesper. Gleicher Ansicht war das Bundesforschungsministerium, das das Projekt der Firma Sander und des Leibniz-Institutes für Meereswissenschaften der Uni Kiel mit 500.000 Euro unterstützt. Der Kieler Meeresbiologe Uwe Waller sieht für die Technologie einen „interessanten Export-Markt“, schließlich sei das Aquafarming der am schnellsten wachsende Sektor der Nahrungsmittelindustrie. Drei Viertel der weltweiten Fischbestände seien überfischt oder bis an die Grenze befischt, sagt Waller: „Wir werden nicht erreichen, dass sich die Bestände erholen. Es ist eine Katastrophe.“

Zwölf Millionen Euro investieren die IFFT (International Fish Farming Technology) mit Sitz in Bergisch-Gladbach, eine Tochterfirma von Sander, sowie die örtlichen Stadtwerke in die Meeresfischzucht in Völklingen. Der Energieverbrauch entspricht nach Angaben der IFFT in etwa den Treibstoffkosten von Fischern, die ihren Fang auf hoher See machen. IFFT-Geschäftsführer Friedrich Esser ist trotz der Kosten optimistisch: „Wir stehen ganz am Anfang einer Entwicklung. Bisher lohnt sich für uns die Zucht von edlen Fischen, aber wir werden noch erleben, dass Fischstäbchen aus unseren Anlagen stammen.“

von Christina Sticht, dpa

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