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Region Springe Nachrichten Kinder fühlen sich aus dem Wald vertrieben
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15:17 05.10.2018
Das Hexenhaus gehört zu dem Waldgebiet von Kurt Heldt. Auch die Wolfsbergkinder haben dort den Märchenstimmen zugehört. Quelle: Foto
Lüdersen

Es gab sie nur wenige Monate, die Natur- und Umweltgruppe für Schulkinder aus Lüdersen und Umgebung. Wolfsbergkinder hatte Andreas Niesel, Gruppenleiter und Wald- und Umweltpädagoge, das Projekt genannt. In der vergangenen Woche musste sich die Gruppe auflösen. Denn Waldbesitzer Kurt Heldt hatte das Spielen auf seinem Teil des dreigeteilten Forststücks, das zur Gemeinde Ronnenberg gehört nicht nur Landschaftsschutzgebiet, sondern auch Wildschongebiet ist, überraschend verboten.

„Ich möchte, dass der Wald so bleibt wie er ist“, erklärt Heldt seine Entscheidung. Der betroffene Teil sei nicht nur Landschaftsschutzgebiet, sondern auch Wildschongebiet. Er sei naturbelassen und nicht bewirtschaftet, ideal also für das Wild. „Der Wald ist kein Spielplatz“, sagte er. Im September seien dort diverse Kindergärten unterwegs gewesen und hätten viel Lärm gemacht und damit das Wild gestört. Und er betont: „Ich habe wirklich nichts gegen Kinder. Sie müssen toben und dürfen laut sein.“ Sein als Wildschongebiet ausgewiesenes Waldstück aber sei dafür tabu, so Heldt.

Dass in einem solchen Gebiet nicht gespielt werden dürfe, sei per Gesetz nicht geregelt, erklärt der Lüderser Henning Haake, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft. Im Niedersächsischen Gesetz für den Wald und die Landschaftsordnung sei geregelt, dass jeder Mensch die freie Landschaft betreten und sich dort erholen dürfe. Lediglich Dickichte dürften nicht betreten werden. Und die Ausweisung als Wildschongebiet regele nur eine ganzjährige Leinenpflicht für Hunde. Für die Wolfsbergkinder ist in dem Lüderser Waldgebiet westlich vom Linderter Weg in jedem Fall Schluss mit den Treffen. Die Gruppe hatte sich im Mai gegründet, berichtete Niesel, der auch Koordinator ist bei der Waldkindergarten-Arbeitsgemeinschaft Niedersachsen-Süd.

Zu den insgesamt zehn Kindern gehörten neben Mädchen und Jungen aus Lüdersen und Bennigsen auch Kinder aus Hiddestorf und Hemmingen. Einmal wöchentlich traf sich die Gruppe. „Die Kinder haben spielerisch Baumarten kennengelernt, sind geklettert und haben in der Natur gespielt“, berichtet Niesel. „Nur Kinder, die die Natur kennen, können sie auch schützen“, lautet das Credo von Niesel, der auch die Waldkindergruppen Bullerbachkinder Barsinghausen und die Wald-Schwülpis in Groß-Schwülper leitet. Das betroffene dreigeteilte Waldstück gehört den Städten Springe – und hier dem Realverband – , Ronnenberg und Wennigsen. Das Realverbandsgebiet allein aber – nach Auskunft von Haake knapp zwei Hektar groß – sei zu klein für die Wolfsberggruppe, erklärt Niesel. Damit könne die naturpädagogische Arbeit nicht mehr adäquat ausgeführt werden. Die Kinder seien sehr traurig gewesen, dass die Gruppe sich nicht mehr treffen könnte.

Sie hätten sich symbolisch umbenannt in „Die vertriebenen Wölfe“. Möglicherweise werde er sich nun aber nach Bennigsen und zum Süllberg orientieren. Einen Alternativvorschlag für ein Spielen und Toben der Natur- und Umweltgruppe kommt auch von Waldbesitzer Heldt: „Die Kinder könnten sich doch im sogenannten Hegebleck in Lüdersen treffen“.

Von Anne Brinkmann-Thies

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