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00:16 05.02.2018
Der Mittagsimbiss: Das Ergebnis des ersten praktischen Teils. Quelle: Simons
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Springe

Fenchel-Orangen-Salat, Gemüse-Carpaccio und süße vegane Polentanocken – es durfte auch mal exotisch werden im Landschulheim Tellkampfschule: Dort waren Teilnehmer aus ganz Deutschland zu einem ungewöhnlichen Kochkurs zusammengekommen. Sie wollten lernen, wie man am besten ganz viele Leute auf einmal bekocht – und zwar fleischlos. Titel der Veranstaltung: „Nachhaltigkeit in der Gemeinschaftsverpflegung“.

So waren die Gerichte vegan und vegetarisch – und die Gruppe kochte nicht nur, sondern debattierte drei Tage lang auch und probierte aus. Der Lehrgang widmete sich der Frage: „Wie und warum bereichern vegane und vegetarische Menüpläne unsere Ernährung?“

Die dreitägige Veranstaltung richtete sich speziell an Köche aus Gemeinschaftsküchen und Schullandheimen, Jugendherbergen und Gruppenunterkünften. Mit von der Partie war auch ein Koch aus einem jüdischen Altersheim.

Die 25 Teilnehmer, die in ihren Berufen oder im Ehrenamt regelmäßig zwischen 20 und 200 Personen bekochen, reisten unter anderem aus München, Göttingen und Föhr an, um in der Einrichtung im Papenwinkel gemeinsam zu kochen.

Das Kochen in der größeren Gruppe fiel einigen Teilnehmern leichter als erwartet: „Normalerweise heißt es: ‚Viele Köche verderben den Brei.‘ Doch den Eindruck hatte ich bei uns nicht“, sagte eine Teilnehmerin. Beeindruckt zeigte sie sich nicht nur von, sondern auch davon, wie bunt diese aussahen. Auch das war Thema des Kurses. Teilnehmerin Sami, die sich bereits seit mehreren Jahrzehnten vegan ernährt, erklärte: „Ich möchte neue Ideen sammeln und mich austauschen.“

Initiiert wurde der Workshop von Melanie Stahl, Hauswirtschaftsleiterin des Landheims. Stahl ist bereits seit mehr als 25 Jahren in der Tellkampfschule aktiv und setzt sich dort für eine nachhaltige Verpflegung der Gäste ein – seit drei Jahren steht fast ausschließlich veganes Essen auf dem Speiseplan der Gäste. Auf der Suche nach einer Möglichkeit des Austausches mit gleichgesinnten Gemeinschaftsköchen stellte sie fest: „Es gibt gar kein Angebot.“ Und so entstand kurzerhand die Idee zum eigenen Workshop in Springe.

Unterstützt wurde das Vorhaben vom Vorsitzenden des Landschulheimvereins, Paul Simons, der bei Schullandheimen und Organisationen für die Veranstaltung warb. So konnte unter anderem Sabine Laaks als Referentin gewonnen werden, die als Chefköchin der Kochschule Neun in Berlin-Kreuzberg tätig ist.

Simons war zufrieden: „Das Seminar kommt gut an bei den Teilnehmern.“ Für das nächste Jahr sei eine Neuauflage geplant. „Hierfür möchten wir bundesweit noch mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Denn wir sehen in diesem Segment, in dem wir Erfahrungen haben, Potenzial.“ Simons spielt darauf an, dass sich in Deutschland das Bewusstsein im Umgang mit Lebensmitteln für viele verändert hat und sich gerade junge Menschen mittlerweile vegan oder vegetarisch ernähren.

Von Juliet Ackermann

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