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Region Springe Nachrichten Warum die Offensive zum sozialen Wohnungsbau scheitern könnte
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19:15 26.09.2018
Insgesamt will die Region jährlich 20 Millionen Euro für Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Quelle: Meerkatz Cornelia
Springe

Wohlfahrtsverbände wie die Diakonie schlagen seit einiger Zeit Alarm: Bezahlbarer Wohnraum in Springe werde knapp. Nun nimmt sich auch die Politik dem Thema an. Die Region will für jede neue Sozialwohnung 3000 Euro zur Verfügung stellen – Voraussetzung ist eine Sozialbindung. Das heißt, der Eigentümer darf die Wohnung 20 Jahre lang nur an Transferleistungsempfänger vermieten. Insgesamt will die Region jährlich 20 Millionen Euro für Wohnungsbau zur Verfügung stellen, davon soll regionsweit der Bau von 4000 Wohnungen unterstützt werden. Den Vorstoß missbilligt nicht nur Die Linke, sondern auch die Stadtverwaltung.

„Die Wirkung einer Förderung von 1500 Euro je Einfamilienhaus oder Doppelhaushälfte bei durchschnittlichen Baukosten von rund 2000 Euro je Quadratmeter kann ich nicht beurteilen“, kommentiert der städtische Bauchef Jörg Klostermann lapidar. Überdies sieht er das Problem, dass es derzeit an geeigneten Bauplätzen mangele. In dem Zusammenhang hofft Klostermann auf das geplante Baulückenkataster der Stadt.

Fördergeld reiche nicht aus

Kritik am Regionsvorstoß kommt auch von Udo Selent von der Partei Die Linke. Für den Ratsherrn ist das Förderprogramm nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. „Davon kann man noch nicht einmal ansatzweise genügend preiswerte Wohnungen bauen“, sagt er.

Bürgermeister Christian Springfeld (FDP) erläutert, warum die Sozialwohnungsförderung der Region auch an anderer Stelle nicht für Begeisterung im Rathaus sorgt. Vorab: Menschen, die auf dem regulären Wohnungsmarkt keine Wohnung finden, haben Anspruch auf eine Sozialwohnung. Weil nicht jeder Vermieter gern an Transfer-Empfänger vermietet, kann die öffentliche Hand die Vermietung an Transfer-Empfänger gegen die Zahlung von Steuergeld erkaufen – als sogenanntes Belegungsrecht oder Sozialbindung. Der Eigentümer, der seine Wohnung dafür zur Verfügung stellt, bekommt Geld von der Region und verpflichtet sich, auch schwierige Mieter einzuquartieren. Allerdings muss die Stadt die Belegrechtswohnungen und die Menschen mit Berechtigungsschein erfassen und stets aktuell halten. Das macht sie bislang nicht, immerhin bedeute das einen Mehraufwand, heißt es aus dem Rathaus. „Darüber sprechen wir noch mit der Region“, sagt Springfeld. Er räumt ein, dass die Stadt sich davor scheue, eine Zusatzaufgabe zu übernehmen, ohne dafür einen Ausgleich zu erhalten.

Ansprechpartner für Sozialwohnungen ist für die Stadt bislang die KSG, zugleich größter Anbieter von Sozialwohnungen in Springe. Allerdings ist die Zahl dieser günstigen Wohnungen laut Siegfried Volker, Bereichsleiter Immobilien-Management der KSG, konstant zurückgegangen. In der Kernstadt habe die KSG überhaupt keine Sozialwohnungen mehr, in den Ortsteilen schätzt er die Zahl auf unter 50. „Der Bedarf an preiswertem Wohnraum wächst – aber wir müssen den Leuten immer sagen, dass wir keine freien Wohnungen haben.“ Herbert Mensing, Leiter des Fachdienstes Soziales der Stadt, schätzt die Gesamtzahl der Sozialwohnungen im Stadtgebiet auf 90. Sein Eindruck: „Der Wohnbedarf steigt und mit ihm die Mietpreise – nicht nur für günstigen Wohnraum.“

Die KSG sieht sich in der Pflicht, günstigen Wohnraum zu schaffen: „Wir bauen viel – aber nicht in Springe“, räumt Volker ein. In der Stadt fehle es schlicht an Bauland.

Von Ralf T. Mischer