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19:40 05.12.2017
Alexander Heyd dokumentiert Greifvogelverfolgung und -tötung für die Organisation Edgar. Quelle: Foto: EDGAR
Lüdersen

Wäre diese Geschichte ein Kriminalroman, sie würde wohl vor allem Naturfans interessieren. Tatsächlich landet dieser seltsame Fall aus Lüdersen nun akribisch notiert in einem Dokument, das an die Bundesregierung gehen soll. Dieses soll helfen, Veränderung im Großen anzustoßen – zum Schutz von Tieren, die sonst verschwinden.

Im Mittelpunkt steht eine Weide – oder besser: keine Weide. Urplötzlich war im Januar der stattliche Baum in der Feldmark östlich von Lüdersen verschwunden (wir berichteten). In der Weide hatte aber nach Überzeugung von Naturliebhabern ein Rotmilanpaar gebrütet. „Von meinem Fenster aus konnte ich sehen, wie sie genau diesen Baum angeflogen haben“, sagt die Lüderserin Genja Gerber.

Fotos von der Weide aus dem Sommer 2016 zeigen den Horst. Auf Satellitenbildern im Internet ist der Baum auch noch zu sehen. Von schwerem Gerät und Arbeitern, die ihn bei Frostverhältnissen mitsamt Wurzeln aus dem Boden zogen, bekam Gerber dagegen nichts mit.

Der Fall ist besonders pikant, weil die Weide wenige hunderte Meter Luftlinie von der dortigen Windkraft-Vorrangfläche entfernt stand. Nach einer Empfehlung der deutschen Vogelschutzwarten darf 1500 Meter von Rotmilanhorsten keine Windkraftanlage gebaut werden. Zu viele Tiere haben sich bereits in der Vergangenheit an den Anlagen die Flügel gebrochen. Die Initiative Gegenwind Lüdersen vermutet daher, Baumfällung und Windkraftradpläne könnten durchaus zusammenhängen. Die Initiative erstattete Anzeige – diese verlief jedoch im Sande.

Interessiert hat sich dafür trotzdem Alexander Heyd vom Verein Edgar (Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität). „Bei uns landen 80 Prozent aller Anfragen nach radikaler Prüfung im Müll, hier aber spricht alles dafür, dass mit voller Absicht ein Horst beseitigt wurde“, erklärt er. Hauptsächlich hat der Bonner Naturschützer es mit vergifteten oder gewilderten Greifvögeln zu tun, die wahlweise die Interessen von Hühnerhaltern oder Niederwildjägern gestört haben. „Bei dem Fall in Lüdersen haben wir es mit einem schwer fassbaren Phänomen zu tun“, sagt er.

Ein tiefer Interessenkonflikt, den Heyd auch von seinem Schreibtisch aus regelmäßig nachvollziehen kann. „Früher hatten wir ein bis zwei solcher Fälle, heute sind es 20 bis 25 pro Jahr“, nennt er Zahlen. Dass die Staatsanwaltschaft ihr Ermittlungsverfahren eingestellt hat, überrascht ihn nicht. „Die Beweise sind verschwunden, Zeugen gibt es nicht und damit zu wenig für ein Verfahren“, stellt er frustriert fest. Außerdem hätten weder Behörden noch Bürger solche Straftaten überhaupt auf dem Schirm. Das zu ändern ist nun das erklärte Ziel seines Vereins.

Von Katharina Weißling

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