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Region Springe Nachrichten Bekommt Springe bald ein Frauenhaus?
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19:37 25.09.2018
Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, müssen hoffen, dass sie Platz in einem Frauenhaus erhalten. Der ist begrenzt. Quelle: dpa
Springe

In Springe gibt es weder ein Frauenhaus noch eine spezielle Beratungsstelle, an die sich Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, wenden können.

Springes Gleichstellungsbeauftragte, Lena Rödiger, arbeitet daran, dass sich das ändert. Und sie ist nicht allein – auch bei der Region, beim Land und sogar beim Bund setzt sich gerade eine Menge in Bewegung, damit Frauen in Springe künftig Hilfe und Schutz erhalten.

„Weiße Flecken“ sollen verschwinden

„Den weißen Fleck auf der Karte können wir uns in Springe nicht mehr leisten“, sagt Rödiger. Die Formulierung weißer Fleck spielt darauf an, dass es nicht mehr viele Orte gibt, in denen es weder ein Frauenhaus noch ein Beratungsangebot gibt. Das Bundesfamilienministerium führt eine Liste über diese Orte. Springe ist auf der Liste. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (CDU) will, dass alle weißen Flecken verschwinden. Während der Bundeskonferenz der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Karlsruhe konnte Rödiger Kontakte ins Ministerium knüpfen – sie zeigt sich zuversichtlich, dass Springe in den kommenden Jahren eine Einrichtung erhält.

In Frauenhäuser können Frauen flüchten, wenn sie in der Familie häusliche Gewalt fürchten müssen. Bislang verweist Rödiger Betroffene ans Frauenhaus in Laatzen, dort sind die Plätze aber begrenzt. „Es besteht in der Hinsicht Handlungsbedarf“, räumt Regionssprecherin Christina Kreutz ein: „Wegen der Wohnungsknappheit ist es schwierig für schutzsuchende Frauen, eine dauerhafte Lösung zu finden.“ Hinter den Kulissen tut sich eine Menge. Anfang 2019 will die Regionsverwaltung der Politik ein Gesamtkonzept zur Sicherung und Weiterentwicklung der Hilfen für Frauen aus gewaltgeprägten Lebensumständen vorlegen. Darin soll ein von den Frauenhäusern erarbeitetes Konzept einer Notaufnahme berücksichtigt werden.

Geld soll ab kommendem Jahr fließen

Die Chancen stehen gut, dass Springe ein eigenes Frauenhaus erhält. „Von heute auf morgen lässt sich sicher keine Einrichtung schaffen, aber in den nächsten Jahren ist das realistisch“, meint die Gleichstellungsbeauftragte. Geld für neue Gewaltschutzeinrichtungen soll ab kommenden Jahr aus Berlin fließen. Als Träger neuer Einrichtungen kämen, wie in anderen Städten, Wohlfahrtsverbände und Frauenhilfe-Vereine infrage.

Bislang muss Rödiger Frauen, die Beratung suchen, an die Beratungsstelle in Ronnenberg verweisen. Frauen, die Schutz suchen, gehen nach Laatzen. Allerdings räumt die Region ein, dass die Häuser „chronisch überfüll“ sind. Weite Wege, lange Wartezeiten: Das soll, das wird sich ändern, sagt Rödiger. Immerhin stelle der Bund große Fördersummen in Aussicht.

In der Region gibt es drei Häuser, in denen 96 Frauen und Kinder Schutz suchen können: Eines ist in Trägerschaft der AWO, eines betreut der Verein zum Schutz misshandelter Frauen und Kinder Niedersachsen, eins betreibt der Verein Frauen helfen Frauen. In Hameln gibt es zudem eine Einrichtung, die vom Frauenhaus-Hameln-Verein getragen wird.

Von Ralf T. Mischer und Juliet Ackermann