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Region Springe Nachrichten Ortsräte wollen ihre Ortteilbüros behalten
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19:35 14.02.2019
Vor verschlossener Tür: Die Außenstelle Gestorf öffnet nur dienstags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr.  Quelle: foto: Ralf T. Mischer/Archiv
Bennigsen/Gestorf

Die Pläne der Stadt, alle ihre Ortsteilbüros zu schließen, sind auf erheblichen Widerstand gestoßen: Der Ortsrat Bennigsen stimmte bei nur einer Gegenstimme gegen das Konzept von Bürgermeister Christian Springfeld. Und auch in Gestorf gibt es Vorbehalte.

Springfeld hatte am Mittwochabend extra beide Ortsräte nacheinander besucht, um die geplanten Schließungen zu erläutern. Er erinnerte an die rückläufigen Nutzerzahlen und reduzierte Öffnungszeiten: „Im Schnitt kam ein Besucher pro Stunde. Das macht wenig Sinn“, sagte er mit Blick auf Bennigsen.

Verwaltungsbüros testweise länger schließen

Er wolle nicht verantworten, dass Mitarbeiter in den Außenstellen „Däumchen drehen“, während sich im Warteraum des Springer Rathauses auf dem Burghof Besucher die Füße platttreten. Springfeld will ab Mai mehrere Monate lang testweise alle vier Verwaltungsbüros in den Ortsteilen schließen. Wer nicht nach Springe ausweichen könne, soll einen Fahrdienst angeboten bekommen.

Mitarbeiterpool wurde erweitert

In Springe selbst ist der Service nach Angaben von Springfeld wesentlich verbessert und der Mitarbeiterpool erweitert worden: „Die Kollegen können sich gegenseitig vertreten, sind verlässlich und erreichbar.“ Unter der zentralen Nummer (0 50 41) 7 31 15 sei stets jemand erreichbar.

Die Bennigser Ortsratsmitglieder machten ihrer Skepsis Luft. So warf das beratende Mitglied der Linken Udo Selent ein: „Es ist eine Frechheit, dass wir nach Springe fahren müssen. Wir haben uns nicht ausgesucht, dass wir einen neuen Ausweis brauchen. Die Leute werden abgehängt.“

Für Erhalt der Außenstelle plädiert

Udo Herrmann (FDP) schlug die Verteilung einer Personalstelle auf verschiedene Ortsteile vor. Und auch CDU-Ortsratsmitglied Udo Niemann sprach sich für den Erhalt der Verwaltungsaußenstelle aus, die „ein Stück Lebensqualität unserer Ortschaft“bedeute. Er stelle sich außerdem die Frage: „Wie soll entschieden werden, ob eine Fahrt nicht zumutbar ist und stattdessen der Bus genommen werden soll?“

Auch Ausbau des Bürgerbüros gefordert

Christoph Rohr (CDU) sprach sich sogar für den Ausbau des Bürgerbüros aus, sodass „positiv evaluiert“ werden könne. Ortsbürgermeister Jörg Niemetz sieht eine Schließung der Außenstelle gleichfalls kritisch und sieht nach eigenen Angaben die aktuelle Verlässlichkeit, Kommunikation und Öffnungszeiten als Problem. Er kritisierte, dass im städtischen Beschlussvorschlag bezüglich der Fahrdienstnutzung – anders als von Springfeld dargelegt – nicht Worte wie pragmatisch oder kulant aufgeführt seien.

Nur zweimal Verwaltungsbüro aufgesucht

Niemetz’ Stellvertreter Thomas Dittert gab zu bedenken, die Anwohner würden „mit den Füßen abstimmen“ und dass kein weiteres Personal zugeteilt werden könne. Er selber habe in den vergangenen 30 Jahren lediglich zweimal das Verwaltungsbüro aufgesucht und sieht eine Zentralisierung weniger kritisch, da er wisse, dass er in Springe „auf offene Türen“ treffe. Im Falle einer Schließung wünsche er sich jedoch, dass der Raum umgenutzt werde. Dittert war es auch, der als Einziger aus dem Bennigser Ortsrat für den Vorschlag stimmte.

Abholservice wird kritisiert

Im Anschluss an die Abstimmung stellte Verwaltungschef Springfeld im Gestorfer Ortsrat das Konzept vor, den Bürgerservice künftig zentral im Springer Rathaus zu bündeln. Und erntete auch hier Kritik für den geplanten Abholservice für jene Bürger, die bei Bedarf keinesfalls persönlich in die Kernstadt gelangen können.

Das Angebot der Verwaltung nach der Schließung der Verwaltungsaußenstelle ist dem Gestorfer Ortsrat zu unkonkret. Antje Cordt (SPD) forderte: „Das ist uns zu schwammig, da müssen wir nachbessern.“ Konkret machte es Ortsbürgermeister Eberhard Brezski (SPD) und schlug vor, den Fahrdienst jenen anzubieten, die über 65 Jahre alt sind, und auch Schwangere bei Bedarf abzuholen und zum Wohnort zurückzubringen. Alles andere sei ihm zu willkürlich, sagte er. Und fragte: Was, wenn der städtische Mitarbeiter mal einen schlechten Tag habe, und einen um den Service Bittenden abweise?

Springfeld plädiert für offene Bedarfslösung

Springfeld verteidigte hingegen eine offene Bedarfslösung. „In dem Moment, wo man die Personengruppe definiert, schließt man andere aus“, erklärte er. Im Übrigen sei es nicht machbar, alle abzuholen, die älter seien als 65 Jahre und nicht selbst die Fahrt auf sich nehmen könnten.

Mit der Einschränkung, dass eine konkrete Fassung des Fahrservices formuliert werde und daraus resultierend mit aufschiebender Wirkung haben die Mitglieder des Gestorfer Ortsrats dem Konzept zum zentralen Bürgerservice aber zugestimmt.

Von Anne Brinkmann-Thies und Juliet Ackermann