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Nachrichten Nabu fordert mehr Grün für die Insekten
Region Springe Nachrichten Nabu fordert mehr Grün für die Insekten
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19:54 08.11.2018
Um in Springe etwas gegen das Insektensterben zu tun, hat der Nabu um Christian Albert die Ortsbürgermeister eingeladen.  Quelle: Reinhold Krause
Springe

Zerstörung wichtiger Lebensräume für die Insekten, einhergehend mit massivem Artensterben – ein Supergau für Fauna und Flora. Doch wie kann man dem entgegensteuern? Das diskutierte Christian Albert, stellvertretender Nabu-Stiftungs-Vorsitzender, jetzt mit Ortsbürgermeistern und Vertretern der Ortsräte. Alberts Frage: „Was können Sie in ihrem Ort machen?“ zeigte deutlich, wie sich die politischen Vertreter in puncto Natur- und Artenschutz positionieren. Ihre Aussagen waren vorweg positiv, wenn sie auch teilweise Vorbehalte der Einwohner sehen.

42 Prozent der Insektenarten sind stark gefährdet

Nicht immer freuten sich Bürger über Brennnesseln am Straßenrand oder eigenem Grundstück, obwohl sie für das Leben und Überleben von Schmetterlingsarten wichtig sind. Nicht anders geht es vielen anderen Insektenarten. Sie sind mit einer Million Arten die größte Tiergruppe der Welt. Davon sind 33 000 Arten in Deutschland beheimatet und bilden damit fast 70 Prozent der heimischen Tierwelt. 42 Prozent dieser Kleinstlebewesen gelten als bestandsgefährdet, extrem selten oder sind bereits ausgestorben. Die Ursachen des Insektenrückgangs sind vielfältig und größtenteils von Menschenhand verursacht. Das dokumentierte Nabu-Mitglied Michael Borgolte in seiner Multimediaschau.

Raubbau an Blühflächen

Wo sind sie geblieben, die Blühstreifen am Bachlauf oder in der Feldmark? Intensive Landwirtschaft bis an die Feldwege oder das Gewässer, mit massivem Kunstdüngereinsatz, 150 Millionen Tonnen weltweit und Unkrautvernichtungsmitteln haben für einen Raubbau an notwendigen Blühflächen gesorgt. Aber auch Haus- und Grundstückseigentümer seien nicht ganz unschuldig an der Misere: Sie setzen Steine anstelle von Rasenflächen und blühenden Pflanzen im Vorgarten, versiegeln ungenutzte Flächen, statt insektenfreundlichen Wildwuchs zuzulassen. Bereits in den 1980er-Jahren wurde auf das Insektensterben hingewiesen, doch die Appelle verhallten.

Gartenbesitzer nicht unschuldig

Doch hier und da hat das Umdenken schon eingesetzt. So sollen in Bennigsen zwei Parkplätze in der Bahnhofstraße entfallen und dafür als blühende Insel umgestaltet werden. Neue, große Blumenkübel werden demnächst in der Kernstadt mit insektenfreundlichen Pflanzen für ein blühendes Stadtbild sorgen.

Einwohner überzeugen – der Nabu hilft

Ideen sind vorhanden, nur müssten auch die Einwohner überzeugt werden. Wochenmärkte oder Infoveranstaltungen seien dafür geeignet, die Bevölkerung anzusprechen und zum Handeln zu bewegen. Rudi Krause, stellvertretender Vorsitzender des Nabu, sagte: „Es gibt keine Ausreden, überall gibt es Handlungsanleitungen und bei Bedarf steht auch der Nabu zur Stelle, um zu helfen“.

Tenor des Abends: Wenn jeder Grundstücksbesitzer nur einen Quadratmeter in eine blühende Oase verwandle, sei dies schon ein wichtiger Schritt, um das Insektensterben zu verhindern.

 

Von Reinhold Krause