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Region Springe Nachrichten Museum zeigt Blaudruck-Handwerk
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00:55 08.03.2018
Ulf Ahrens zeigt das Handwerk des Blaudrucks. Die Ausstellung bietet eine Reminiszenz an ein fast ausgestorbenes Handwerk. Quelle: foto: Krause
Springe

„Grün und blau geschlagen“ liest man oft im Zusammenhang mit einer Prügelei, dabei stammt dieser Ausdruck aus dem Färbermilieu, der Blaudruckerei. Es ist ein in der westlichen Welt ausgestorbenes Handwerk, das Färben von Stoffen.

Aber es gibt noch jemanden, der die Färbertechnik, den Blaudruck, beherrscht und ihn immer noch ausübt. Ulf Ahrens, Mitinhaber der Einbecker Firma Blaudruck, war jetzt zu Gast im Museum.

Wie er erläuterte, ist der Blaudruck gar kein Druck in Blau. Vielmehr erscheinen die Motive nach dem Färben des Stoffes und anschließendem Auswaschen in Weiß, beziehungsweise in der Grundfarbe des Stoffes. Vieles, was mit der Färberei und dem Bedrucken von Textilien zu tun hat, hat Gerhard Schlichtmann bei seinen Reisen aus allen Ecken der Welt zusammengetragen und präsentiert es in einer Ausstellung im Museum. Schlichtmann klärte auf und gewährte Einblicke hinter die Kulissen seiner Familie, den Vorfahren, sich selbst und seiner Berufung im Textilgewerbe. Rund 30 Interessierte lauschten seinem Vortrag.

Großvater betrieb ein Textilgeschäft

Schlichtmanns Großvater Hinrich kam 1909 nach Springe, kaufte drei Jahre später gegenüber der Seegerschen Mühle in der damaligen Langen Straße, heute Zum Oberntor, ein Haus und betrieb bis zum seinem Tode 1952 darin ein Textilgeschäft. Der heute 86-Jährige führte selbst noch ein paar Jahre das Geschäft weiter. Einige seiner Exponate sind Zeitzeugen und haben heute noch ihre eigene Geschichte. So hatten zum Beispiel die Schülerinnen in den damaligen Landfrauenschulen ihre eigenen Schulkleider. Jede Schule hatte ein anderes Muster, natürlich Blaudruck, und die Blusen wurden von den Schülerinnen selbst handgenäht, als Teil ihrer Ausbildung. In der Ausstellung ist der Sonntagsstaat der Schülerinnen der Landfrauenschule Hildesheim zu bewundern. Grundlage der Blaudrucke waren überwiegend Leinenstoffe, die Baumwolle mit ihrer kurzen Faser kam erst wesentlich später. In Handarbeit wurden die Muster mittels Druckplatten und einer Paste, bestehend aus Gummi arabicum, essigsaurer Tonerde, Grünspan und Wasser aufgetragen. Dieser grünliche Aufdruck überstand die Blaufärbung und löste sich nach dem Waschen, sodass das Muster zu erkennen war. Indigo-Blau war die Farbe, die der Chemiker Adolf von Baeyer 1878 entwickelt hatte. Er revolutionierte damit die Farbgewinnung.

Nach und nach wandelte sich die textile Gestaltung, in England entstanden die ersten Textilfabriken, nachdem die Baumwolle Einzug gehalten hatte. Maschinen lösten den herkömmlichen Webstock ab und auch der Beruf des Färbers trat langsam in den Hintergrund.

Von Reinhold Krause