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00:17 03.12.2017
Bei Klaus-Peter Schild ist die Bahn immer pünktlich: Im Museum zeigen die Springer Eisenbahnfreunde ihre digitalisierte Modulanlage.  Quelle: Helmbrecht
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Springe

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ – das hat schon Friedrich Schiller erkannt, als er über die ästhetische Erziehung des Menschen schrieb. Für die Eisenbahnfreunde Springe ist das Spielen fast genau wichtig wie das Aufbauen. Ab Sonntag, 3. Dezember, dürfen die Springer ihnen dabei währen der Ausstellung im Museum über die Schulter schauen.

Die Vereinsmitglieder um Klaus-Peter Schild, Harry Banditt und Frank Skerschil werden ihre komplett digitalisierte Modulanlage mit einer Gleislänge von etwa 150 Metern zeigen – für die Technikfans ist also gesorgt. Aber nicht nur die können bei der Ausstellung so einiges entdecken: Mit viel Liebe zum Detail sind die Module gestaltet. An der einen Brücke ist gerade ein Unfall passiert, der Rettungswagen und die Polizei sind schon vor Ort.

„Eisenbahnen haben für mich ganz klar etwas mit Weihnachten zutun“, sagt Museumschefin Heidi Dopheide. „Heute bekommen die Kinder viel Plastikmüll geschenkt. Wir wollen wieder zu den alten Dingen zurückkehren.“ Sie erinnert sich an die Zeiten, als die Springer vor dem ehemaligen Spielzeugladen standen und „sich die Nase am Schaufenster platt gedrückt haben“, weil dort eine Eisenbahn fuhr. „Gleichzeitig ist die Ausstellung unglaublich kreativ: Es bewegt sich viel und regt gleichzeitig wieder die Fantasie an. Das kommt heute im Zeitalter des Internets oft zu kurz.“

Jeder hat seine Aufgabe

Jedes Vereinsmitglied hat sein Steckenpferd: Der eine kümmert sich um die Elektrik, der andere sorgt für die Gestaltung der Landschaft oder bastelt kleine Feuerwehrwagen. An einer kleinen Anlage direkt daneben dürfen Kinder – und natürlich auch die Eltern – selbst ihr Können ausprobieren und Bahnen über die Gleise steuern. „Wir fahren digital, das heißt, unsere Anlage kann zum Beispiel auch mit dem Smartphone bedient werden“, erklärt der Vorsitzende Schild. Und das interessiere auch viele Jüngere.

„Das Problem ist, dass wir als Verein keinen Raum haben, wo wir die Anlage fest aufbauen können und so zum Beispiel Jugendliche daran arbeiten können“, bedauert er. Die Nachfrage ist also da, nur der Platz fehlt, aber auch das Geld, um etwa Miete für einen Raum zu zahlen. „Zudem muss das Lager trocken sein, weil die Module aus Holz bestehen.“ Andere Clubs hätten bereits Jugendabteilungen.

Anfang der Achtzigerjahre haben die Mitglieder angefangen, zu basteln und zu sammeln. Bereits 1978 wurde der Verein gegründet, nachdem angekündigt worden war, den Dampfbetrieb einzustellen. Somit waren Fotos und Schmalfilme heiß begehrt. Jeder entscheide aber selbst, wie viel Geld er für sein Hobby ausgeben möchte. „Da spielt natürlich die Qualität eine Rolle. Es gibt eine Lok für 100 Euro, aber auch für 500 Euro“, sagt Banditt. 

Ähnlich wie bei anderen Sammlerstücken seien auch hier Fehldrucke oder Sondermodelle begehrt. „Es gibt aber auch immer mehr Gebrauchtes, weil die Technik immer weiter geht. Da haben sich die Preise mittlerweile halbiert.“ So fahren bei der Ausstellung nicht nur die ganz alten Modelle, sondern auch neue ICE-Züge und Metronom-Bahnen. „Bei uns fahren alle Epochen seit dem Ersten Weltkrieg mit“, betont Schild. Und nicht selten hat der Vereinschef während der vergangenen Ausstellungen bemerkt, wie die Väter oder Großväter dabei selbst wieder zu Kindern werden. „Da wird abends auf dem Dachboden nach den Anlagen gekramt.“ Und am nächsten Ausstellungstag bringen die Besucher ihre alten Eisenbahn-Schätzchen den Vereinsmitgliedern zum Reparieren mit. „Es gibt ja kaum noch Leute, die das machen.“

Die Ausstellung wird um 11 Uhr eröffnet. Zu sehen sind die Bahnen bis zum 14. Januar. An jedem Sonntag und am zweiten Weihnachtsfeiertag sind Vereinsmitglieder im Museum, um Fragen zu beantworten oder die Besucher durch die Ausstellung zu führen. Zudem stehen die Mitglieder für Führungen, etwa für Kindergärten oder Schulen, zur Verfügung.

Von Saskia Helmbrecht

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