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Nachrichten Investoren sagen Millionen-Umbau ab
Region Springe Nachrichten Investoren sagen Millionen-Umbau ab
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19:41 12.08.2018
Diesen Gebäudekomplex wollten die Investoren durch Neubauten ersetzen – daraus wird nun nichts. Quelle: Foto: Scheffler
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Der Traum von einem neu gestalteten Stadtzentrum ist geplatzt. Die Investoren Peter Othmer und Dennis Melching haben es bestätigt: Das im Januar 2017 bekannt gewordene Millionenprojekt für den Umbau der Innenstadt rund um das Alte Rathaus ist abgeblasen. Vorgesehen war ein Neubau mit einem Rewe-Markt, anderen Ladenlokalen und Praxen.

Die Entscheidung markiert den Endpunkt einer längeren Auseinandersetzung zwischen den Verantwortlichen im Rathaus und den Investoren. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, nicht genug für das Projekt getan zu haben.

Laut Othmer haben zwei Ereignisse das Fass zum Überlaufen gebracht: Zunächst hatte die Stadt signalisiert, eine eigens aus dem Rathaus erbetene Bauvoranfrage doch nicht genehmigen zu können. Und dann hatte Baufachbereichsleiter Jörg Klostermann Melching in einem von beiden Seiten bestätigten Telefonat vorgeschlagen, mit Blick auf Erweiterungswünsche anderer Supermärkte nun doch den Bau eines kleineren Marktes anzupeilen. Aus Sicht der Investoren stellte die Stadt damit plötzlich das gesamte Projekt in Frage: „Wenn wir kleiner bauen, ist das für uns wirtschaftlich nicht mehr machbar“, sagt Othmers Sohn Mathias, der an den Verhandlungen beteiligt war.

Aus Sicht der Investoren ist die jüngste Entwicklung symptomatisch: Man habe sich bei Gesprächen mit der Stadt immer wieder als Problemfall behandelt gefühlt – und nicht als Partner. Öffentlich diskutierte Knackpunkte waren der geplante große Parkplatz, dessen Lage direkt an der Fünfhausenstraße schließlich der Rat durchboxte, aber auch der von der Stadt geforderte Architektenwettbewerb.

Die Investoren betonen jetzt, sie hätten auf Wunsch der Stadt in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder neue Varianten vorgelegt, die abgelehnt worden seien. Eine hohe fünfstellige Summe sei allein in die Planungskosten geflossen. Konkrete Gegenvorschläge habe es aber kaum gegeben.

An vielen Stellen sei die Zusammenarbeit mit der Stadt auch gut gelaufen, betonen die Investoren. Sie erwähnen Gespräche mit Stadtwerken oder Stadtentwässerung zum Fernwärme- und Kanalnetz.

Peter Othmer hat nach eigenen Angaben bereits den Rewe-Konzern über die Absage informiert. Danach sprachen die Investoren dann auch mit verkaufswilligen Grundstückseigentümern.

Bürgermeister Christian Springfeld bedauerte die Absage, sagte aber, man habe den Investoren „jeden roten Teppich ausgerollt“. Sie hätten jedoch bis auf die nicht realisierbare Bauvoranfrage nie belastbare Pläne vorgelegt: „Wir haben quasi gefleht, dass wir gesagt bekommen, was die Investoren machen möchten.“ Man stehe nach wie vor für alle rechtlich machbaren Varianten zur Verfügung.

Othmer und Melching wollen ihre Anstrengungen nun auf das Gebäude an der Fünfhausenstraße konzentrieren, in dem sich unter anderem der Drogeriemarkt Rossmann befindet. Der Komplex soll saniert und mit Leben gefüllt werden. Beide hatten das in den frühen Achtzigerjahren errichtete Gebäude im Rahmen der jetzt geplatzten Planungen gekauft. Es sollte abgerissen werden – und einem Groß-Parkplatz für die neuen Einkaufsmöglichkeiten weichen.

Jetzt werde man stattdessen, „ein Nutzungskonzept erstellen“, sagt Othmers Sohn Mathias. Es gebe bereits Interessenten für die leer stehenden Flächen. In dem Gebäude befinden sich zurzeit auch ein Optiker und die Geschäftsstelle der Handballfreunde Springe. Man sei optimistisch, dass aufgewertete Gebäude vermarkten zu können.

Peter Othmer hatte sich schon seit Jahren mit Plänen für den Komplex beschäftigt. Im Januar 2017 stellte er erstmals die groß angelegten Pläne vor. Statt des heutigen Rossmann-Gebäudes und der dahinterliegenden Häuser war eine Art Einkaufszentrum mit großem Rewe-Markt, einer neuen Rossmann-Filiale und vielen kleineren Geschäften und Praxen geplant.

Die Hoffnung: So könne nicht nur ein Lebensmittelmarkt ins optisch aufgewertete Zentrum zurückkehren, sondern mit ihm auch mehr Kunden. Die Stadt hatte das Objekt zuletzt auch als möglichen Standort für eine Art Gesundheitshaus ins Auge gefasst – als Alternative zur Ende des Jahres auslaufenden Notfallambulanz.

Während Händler und viele Politiker das Vorhaben unterstützten, gab es auch Kritik: Bei der Stadt stieß vor allem der Plan, einen Parkplatz an der Fünfhausenstraße zu bauen, auf wenig Gegenliebe.

Von Christian Zett

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