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Wege aus der Schuldenfalle: Anette Becker berät die Springer und will die Ursache für die finanzielle Schieflage herausfinden.

Wege aus der Schuldenfalle: Anette Becker berät die Springer und will die Ursache für die finanzielle Schieflage herausfinden.
© Foto: Helmbrecht

Springe

Immer mehr Springer haben Schulden – diese Frau hilft

Sie kommen, wenn es eigentlich schon zu spät ist: „Wer heute arm ist, wird es wahrscheinlich bleiben“, sagt Schuldnerberaterin Anette Becker. Sie hilft Menschen in Springe, die in eine finanzielle Schieflage geraten sind

Springe. Jede politische Entwicklung mache sich in Springe bemerkbar. „Die soziale Schere geht immer weiter auseinander – so weit wie seit 100 Jahren nicht mehr.“

Mütter und Senioren betroffen

Vor allem alleinerziehende Mütter geraten häufig in die Schuldenfalle, weiß Becker. Dramatisch gestiegen sei auch die Zahl der verschuldeten Senioren. „Bei jungen Menschen kann man noch kompensieren, bei Älteren ist das vorbei.“ Längst geht die Arbeit von ihr weit über die reine Schuldnerberatung hinaus.

Es geht nicht nur um Schulden, sondern um Lebensberatung. Zu ihr kommen Menschen, die viele Probleme mitbringen, Konflikte zu Hause haben – und krank sind. Ehen brechen auseinander, wenn die Existenz gefährdet ist, Kinder seien oft verhaltensauffällig – die Schulden lasten wie ein Schatten auf den Familien. „Für viele fehlt das Licht am Ende des Tunnels, und das endet sehr häufig mit Krankheit.“ Immer mehr Verschuldete leiden unter Spiel- und Kaufsucht oder Angstzuständen.

Umso wichtiger ist es daher, ein gutes Netzwerk der einzelnen Beratungsdienste aufzubauen, sagt Becker. Zwar gäbe es eine geringere Arbeitslosigkeit, dafür seien die Beschäftigungsverhältnisse alarmierend. Es gibt immer mehr Zeitverträge, Befristungen und Minijobs. Heißt: wenig Lohn, eine ungewisse Zukunft und keine soziale Absicherung. Immer mehr Verschuldete würden daher die Beratung in Springe annehmen, die gleichzeitig immer komplexer werde.

Auch die Zahl der Flüchtlinge mit Geldsorgen habe zugenommen. „Bei ihnen merkt man, wie unangenehm es ihnen ist, sie wollen nicht auffallen.“ Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge mit „moralischen Schulden“ zu der Beratung kommen. In anderen Ländern sei es üblich, sich von der Familie Geld zu leihen oder sie machen Schulden über die Schlepper. Im Hintergrund frage die Familie zu Hause nach, wo das Geld bleibe, er sei doch jetzt in Deutschland. „Dabei ist es nicht einfach, so schnell Fuß zu fassen.“

Becker ist seit Januar dabei

Becker hat im Januar die Nachfolge von Günter Meyer angetreten, der in den Ruhestand verabschiedet wurde. Die 55-Jährige aus Unsen ist bereits seit acht Jahren beim Diakonie-Verband tätig und war im Bereich Wunstorf und Neustadt für die Schuldnerberatung zuständig. So will sie einige Projekte jetzt auch in Springe anbieten: Neu ist eine Telefonsprechstunde, jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr. „Damit nichts anbrennt, können wir am Telefon sofort reagieren und einen schnelleren Termin vereinbaren, wenn Not am Mann ist.“ Gleichzeitig könnten so die Älteren erreicht werden, die nicht mehr mobil sind. Das Thema Altersarmut spiele auch in Springe eine große Rolle. „Es ist wichtig, die Probleme ganz auf den Tisch zu bringen und nicht an einigen Stellen nur zu reparieren. Die Ursache muss erkannt werden.“

Zudem will sie in der Deisterstadt einen Fachtag anbieten. Bei einer Schulung im Asylheim Wunstorf haben sich das Sozialamt und die Berater gemeinsam getroffen. „Dort herrschte eine große Unsicherheit und ein großer Druck, wie den Flüchtlingen geholfen werden kann.“ Die Berater seien von den Betreuern ausgefragt worden. Gleichzeitig konnten sich die sozial Engagierten untereinander vernetzen und den Kontakt zu den Einrichtungen aufbauen. So ein Projekt könnte sie sich auch für Springe vorstellen.

Von Saskia Helmbrecht


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