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Nachrichten Grippe: Springe hustet und niest
Region Springe Nachrichten Grippe: Springe hustet und niest
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01:26 10.03.2018
Hatschi! Gertrud Thiele und Heinz Bitter halten sich in diesen Tagen warm, um nicht vollends krank zu werden. Viele andere Springer hat es schon erwischt: Unternehmen verzeichnen erhöhte Krankmeldungen, auch die Notfallambulanz registriert deutlich mehr Patienten.
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Springe

„Es ist so schlimm, das habe ich seit zwölf Jahren nicht mehr erlebt“, sagt Doktor Frank Henneicke. Die Praxis des Allgemeinmediziners ist komplett überfüllt. Gefühlt liegt derzeit ganz Springe mit Grippe im Bett. Und: Laut Henneicke habe die Grippewelle in den vergangenen Tagen noch einmal richtig Fahrt aufgenommen. Hinzu kommt: Wer nicht mit Fieber und Kopfschmerzen kämpft, den hat die Magen-Darm-Grippe erwischt. „Das ist derzeit die zweite große Welle und es kommt durchaus vor, dass Patienten gleich beides haben“, berichtet Henneicke.

Schulaktion muss ausfallen

Das kann auch Yvonne Pape, Leiterin der Grundschule am Ebersberg, bestätigen. Vergangene Woche hätten die Erkrankungen von Schülern und Lehrern einen neuen Höhepunkt erreicht. Seit drei Wochen kämpft die Schule mit der Grippe – und dem zeitgleich grassierenden Magen-Darm-Virus. Am kommenden Sonnabend muss sogar eine geplante Pflanzaktion ausfallen. „Es sind einfach zu viele krank“, sagt Pape und rät allen Eltern, ihre kranken Kinder nicht in die Schule zu schicken, damit sich andere nicht anstecken können.

„Es ist ein Warnsignal des Körpers, man sollte auf jeden Fall zu Hause bleiben und sich schonen“, stimmt Henneicke zu. Er habe zahlreiche Krankschreibungen in den vergangenen Tagen unterschreiben müssen. Ein Abstrich, um festzustellen, ob es sich um den Influenza-A-Virus handelt, werde nicht immer gemacht. „Das lässt das Gesundheitssystem gar nicht zu.“

Und: „Einen Grippeerkrankten sieht man schon von Weitem, dem Patienten geht es sehr schlecht und er hat hohes Fieber – und ist damit arbeitsunfähig.“ Henneicke rechnet damit, dass die Grippewelle in den kommenden ein bis zwei Wochen abnehmen wird. Eine Impfung sei aus seiner Sicht jetzt nicht mehr sehr sinnvoll, das Gesundheitsamt der Region rät hingegen noch zu einer Impfung.

Die Grippewelle hat auch vor der Integrierten Gesamtschule (IGS) nicht haltgemacht: Wie Schulleiter Frank Kasburg berichtet, habe der Organisator des Vertretungsplans alle Hände voll zu tun, den Unterricht umzuplanen. Was Kasburg ärgert: Viele Eltern schickten ihre Kinder trotz Fieber in die Schule. „Wir haben jetzt ein Schreiben aufgesetzt, das heute noch an die Eltern rausgeht“, sagt Kasburg. 

Damit sollen die Familien darauf hingewiesen werden, ihre Kinder nur zur IGS zu schicken, wenn sie gesund sind. „Sonst stecken die Kinder wieder andere an. Und einige brechen nach der zweiten Stunde zusammen und müssen von den Eltern abgeholt werden.“ Und auch das müsse organisiert werden.

Auch im Otto-Hahn-Gymnasium liegen derzeit viele Lehrer und Schüler krank im Bett. „Die Krankenstände gehen deutlich über das sonst Normale hinaus“, sagt Schulleiterin Kerstin Prietzel. Einige Klassen seien um ein Drittel geschrumpft. Und auch mit den Lehrern sei die Schule an der „Minimalkante“ angekommen. „Andererseits müssen wir ja auch Kräfte der gesunden Lehrer schonen.“

Erkrankte, die die Notfallambulanz in Springe aufsuchen, werden meist an das Krankenhaus nach Gehrden verwiesen. „Wir verzeichnen in diesem Jahr eine erhöhte Zahl von Patienten, die an der Influenza leiden und bei denen auch eine stationäre Behandlung notwendig ist. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich diese Zahl teilweise verdoppelt. Darunter sind auch viele Fälle aus dem Raum Springe“, sagt Steffen Ellerhoff, Sprecher des Klinikums Region Hannover.

Auch die Unternehmen leiden unter der Grippe: Viele Arbeitsplätze sind verwaist. „Paulmann verzeichnet in der Tat derzeit einen erhöhten Krankenstand“, heißt es aus dem Völksener Unternehmen. Auch bei Regiobus seien „mehr Mitarbeiter krank als sonst“, sagt Sprecher Tolga Otkun. Mit „voller Wucht“ sei das Unternehmen aber nicht getroffen worden.

In der Grundschule Gestorf seien keine Grippefälle gemeldet worden. Dort sei die Lage aber vor zwei Wochen angespannter gewesen: Mehrere Kinder hatten Erkältungssymptome gezeigt.

Von Saskia Helmbrecht

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