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Warum Gewalt nie ein Mittel ist: Christof Wackernagel liest im Otto-Hahn-Gymnasium aus seinem Werk „RAF oder Hollywood“ – im Hintergrund hört ihm sein Verleger Dietrich zu Klampen zu.

Warum Gewalt nie ein Mittel ist: Christof Wackernagel liest im Otto-Hahn-Gymnasium aus seinem Werk „RAF oder Hollywood“ – im Hintergrund hört ihm sein Verleger Dietrich zu Klampen zu.
© Foto: Helmbrecht

Springe

Weshalb sich dieser RAF-Terrorist gegen Hollywood entschied

Er hatte die Wahl zwischen Hollywood oder der Roten Armee Fraktion (RAF). Christof Wackernagel hat sich für den Weg des Untergrundkämpfers entschieden. Warum entschied sich ein junger, gebildeter Mann dazu, Terrorist zu werden?

Springe. Christof Wackernagels Verleger, Dietrich zu Klampen, hat Wackernagel jetzt für eine Schullesung im Otto-Hahn-Gymnasium gewinnen können. Am Mittwoch hat der Autor aus seinem Werk „RAF oder Hollywood“ gelesen.

“Ich weiß, wie es nicht geht“

„Ich glaube, viele junge Menschen sind unzufrieden und fragen sich, wie sie damit umgehen und wie sie ihr Leben gestalten. Ich weiß, wie es nicht geht“, sagt Wackernagel, der als der deutsche James Dean galt. Ihm sei eine Diskussion daher wichtiger als eine Lesung. „Mich interessiert, welche Probleme die jungen Menschen haben.“

Es gibt keine rationale Antwort

Warum er sich dem bewaffneten Untergrund angeschlossen hat, statt Karriere in Hollywood zu machen? „Genau diese Frage kann nicht rational beantwortet werden.“ Vielmehr berichtet Wackernagel aus der jeweiligen Zeit, was ihn beeinflusst hat und ihn seine Meinung bilden ließ. Genau analysiert er die Zustände in Deutschland und die gesellschaftlichen Strukturen.

Heute: „Barbarische Zwänge“

Seine Lesung beginnt mit dem Ende seiner RAF-Zeit. „Das war die freiste Zeit meines Lebens. Danach kam der Knast und danach der Knast der barbarischen Zwänge, in denen wir heute leben.“ 1980 wurde er nach einer Schießerei wegen Mordversuchs und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. „Wir wurden zu dem, was wir bekämpften.“

Wie sieht ein Mörder aus?

Wackernagel schildert, wie er den Prozess gegen Adolf Eichmann erlebte. Eine technische Sensation, schließlich wurde der Prozess live im Fernsehen übertragen, alle fieberten mit, was in Jerusalem passierte. „So sah ein Nazi aus? Ein Massenmörder? Waren sie alle so?“ Eichmann sei ganz anders gewesen als Hitler oder Goebbels, so unaufgeregt und völlig ruhig. „Ich spürte, dass ich Herzklopfen hatte – keine Angst, aber ein dumpfes, unangenehmes Gefühl.“ Er sei damals als Zehnjähriger aufgewühlt gewesen und habe dann auch noch erfahren, dass seine Tante Lily für die Nazis gearbeitet hatte.

Mal zaubert Wackernagel mit humoristischen Einwürfen den Schülern ein Schmunzeln auf die Lippen – genauso schnell aber gefriert es wieder, wenn Wackernagel schildert, wie Gert in den Bauch geschossen wird. „Bis ich meine Sig Sauer gezogen hatte und zurückschießen konnte, spuckte die Pistole vor Gerts Bauch bellend eine zweite Ladung in ihn.“ Dann heißt es: „Ich stürmte heraus, sah mich einem Halbkreis aus knallendem Feuerwerk umgeben.“ Es sind diese langen Sätze, mit denen Wackernagel aus dem Klassenzimmer ein Kriegsschauplatz macht.

Christof Wackernagel: „RAF oder Hollywood. Tagebuch einer gescheiterten Utopie“. Zu Klampen. 360 Seiten, 22 Euro.

Von Saskia Helmbrecht


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