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Nachrichten Bauamtsleiter: „Prügeln Sie nicht immer auf uns ein“
Region Springe Nachrichten Bauamtsleiter: „Prügeln Sie nicht immer auf uns ein“
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19:08 14.11.2018
Die Stadtverwaltung wehrt sich gegen Vorwürfe, Bauprojekte zu luxuriös zu planen. Quelle: Archiv
Springe

Acht Monate nach dem Start des Fernewärmenetzausbaus haben einige Ratspolitiker genug von der Buddelei. Im kommenden Jahr muss – unter anderem – die Harmsmühlenstraße aufgerissen werden. Gut 2 Millionen wird das kosten – und auch hohe Straßenausbaubeiträge verursachen. Ein Grund, weshalb Christdemokrat Ulrich Kalinowski der Verwaltung „ständiges Bauen in Luxusvariante“ vorwirft.

Die Harmsmühlenstraße sei in einem guten Zustand, meinte Kalinowski im Bauausschuss am Dienstagabend: „Ohne die wiederkehrenden Beiträge wäre da in den nächsten 15 Jahren nichts gemacht worden!“ Viele Autofahrer seien auf der Strecke nur mit Tempo 30 unterwegs – da seien ein paar Schlaglöcher akzeptabel.

Den Luxus-Vorwurf wies Tiefbauamtsleiter Gerd Gennat zurück. „Ich verwehre mich dagegen, dass ich hier diffamiert werde.“ Die Fernwärmepläne hätten schon lange vorgelegen, als die Diskussion um die Straßenausbaubeiträge begann. Gennat: „Wir arbeiten nicht nach dem Motto ,Wünsch dir was!’“

Trotzdem: Mehrere Sitzungsbesucher applaudierten, als Kalinowski einen Zusammenhang zwischen wiederkehrenden Beiträgen und dem plötzlichen Baumboom sah. Auch die Grünen-Politikerin Elke Thielmann-Dittert musste sich von ihm gefallen lassen, als naiv bezeichnet zu werden. „Man merkt, dass sie sich hier nicht auskennen“, herrschte Kalinowski die Bennigserin an, als es um die Frage ging, wie breit die neuen Gehwege in der Harmsmühlenstraße sein sollen.

Thielmann-Dittert vertritt die Verwaltungsmeinung, dass die Bürgersteige größtmöglich bemessen sein sollen. Denn: Damit Radfahrer die Fußwege mitbenutzen dürfen, müssen die mindestens 2,50 Meter breit sein. Ab der nächsten Radweg-Novelle werden es vermutlich sogar drei Meter sein, schätzt Gennat. Thielmann-Dittert will die Strecke auch für Nicht-Autofahrer attraktiv halten, „schließlich wollen wir an der Harmsmühlenstraße eine große Kita bauen“. An der Straße liegen Sportplätze, das Hallenbad und der Verbindungsweg zum Otto-Hahn-Gymnasium.

Nicht gut an kam bei den Ausschussmitgliedern der SPD, dass von dem ebenfalls zur Sitzung eingeladenen Ortsrat Springe nur fünf Vertreter erschienen waren. Das Gremium war damit nicht beschlussfähig. Ortsratsmitglied Tim Schmelzer sah auch hier den Fehler bei der Verwaltung. Die hätte die Pläne erst dem Lokalgremium und dann dem Fachausschuss vorstellen müssen. „Das ist schon das vierte, fünfte Mal, dass wir übergangen werden “, so der Christdemokrat. „Wenn wir nicht beachtet werden, kann man uns auch abschaffen.“

Wieder rieb sich Tiefbauchef Gennat verwundert die Augen. Er habe vorab Kontakt mit Ortsbürgermeister Karl-Heinz Friedrich (CDU) aufgenommen und die gemeinsame Sitzung vorgeschlagen. Die Einladungen seien zeitgleich und fristgerecht verschickt worden – mehr könne er nicht tun. Seine Bitte für künftige Zusammentreffen: „Prügeln sie doch nicht immer nur auf uns ein!“

Von Marita Scheffler