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Nachrichten Apfelbauern in Springe fahren Verluste ein
Region Springe Nachrichten Apfelbauern in Springe fahren Verluste ein
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01:24 10.03.2018
Edward Paprotny, Inhaber der Baumschule Kewel, bereitet mit seinen Mitarbeiten die Apfelbäume auf seinen Plantagen für den Frühling vor, indem er sie beschneidet. Quelle: Ackermann
Eldagsen/Gestorf

Äpfel aus Neuseeland, Südafrika oder Chile, doch wenige aus Deutschland – normal ist das nicht. In den Supermärkten ist das Lieblingsobst der Deutschen rar. Doch wie schaut es bei den Springer Obstbauern aus? Die Baumschule Kewel in Eldagsen baut 35 verschiedene Apfel- und Birnensorten an, doch „derzeit haben wir nur noch eine Sorte Äpfel und keine Birnen mehr", sagt Inhaber Edward Paprotny. Durch späten Frost im vergangenen April fiel sein Ernteergebnis schlecht aus – ganze 70 Prozent Verlust bei der Apfel- und Birnenernte. Feuchtigkeit und Wärme im Wechsel hätten außerdem dafür gesorgt, dass sich Pflanzenkrankheiten schneller ausbreiten konnten, sodass zudem die Qualität der Früchte litt. Normalerweise lagern die Mitarbeiter seiner Baumschule das gepflückte Obst in sieben Kühlräumen – vergangenes Jahr wurde jedoch nur der Platz von zwei Lagerräumen genutzt. „Dadurch haben wir viel Strom gespart", nimmt es Paprotny mit Humor. „Dadurch, dass wir eine Baumschule haben und keine Monokulturen anbauen, konnten wir den Verlust aber auffangen", erklärt er. Seine Obstplantage macht lediglich vier von insgesamt 21 Hektar Land aus.

Gestorf: Kalte Luft zieht vorbei

Carsten Sustrate setzt als Inhaber des Obsthofs Gestorf hingegen voll auf Baumobst. „Wir haben Glück gehabt, denn wir hatten nicht viel Frost. Unser Verlust liegt bei etwa 15 bis 20 Prozent", sagt er. Aufgrund der günstigen Hanglage in Gestorf, die dafür sorge, dass sich kalte Luft wegbewege, hatte er deutlich weniger Einbußen. „Durch unsere Lage können sich völlig unterschiedliche Temperaturen ergeben", erklärt Sustrate. Derzeit kann er seinen Kunden immer noch ein breites Angebot an Äpfeln zum Verkauf anbieten und ist auch mit der Qualität zufrieden. Doch auch er rechnet mit einer Angebotslücke im August. Und er sieht es als generelles Problem: „In Europa lagern derzeit 1,1  Millionen Äpfel weniger als im Vorjahr." Durch die hohe Nachfrage werden viele Äpfel aus südlichen Ländern importiert. Die schlechten Erntebeträge in Deutschland wirkten sich auch auf die Preise auf dem Obstmarkt aus: Ende vergangenen Jahres stiegen die Preise für Äpfel, Apfelsaft und sogar Apfelschorlen deutlich an und sind nach wie vor erhöht.

Auch Mostereien zahlten aufgrund der schlechten Ernte für Äpfel das Zehnfache an Geld, sagt Paprotny. Sowohl für die Baumschule Kewel als auch den Obsthof in Gestorf beginnt im August die Ernte der ersten Frühsorten. Beide Inhaber sind zuversichtlich, dass die Ernte in diesem Jahr gut wird.In wenigen Wochen beginnt die Apfelblüte. Edward Paprotny wertet die vielen sichtbaren Fruchtknospen als gutes Zeichen. Er ist überzeugt: „Wir brauchen trockenes Wetter für den Bienenflug, damit die Bäume gut bestäubt werden, und keinen Spätfrost oder Hagel.“ Carsten Sustrate ist noch vorsichtig. „Die Ernte ist erst gelaufen, wenn das Obst geerntet und gelagert ist", sagt er.

Von Juliet Ackermann