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Region Sehnde Nachrichten Sehnder Tafel sorgt sich um die eigene Zukunft
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00:15 31.12.2017
Belma Bicic (von links), Ortrud Mall, Mia Gläser (vorn), Birgit Haarstrich, Christiane Rust und Markus Ulrich helfen bei der Spielzeugausgabe und geben Kakao aus. Quelle: Privat
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Sehnde

 Die Sehnder Tafel tut seit Jahren Gutes für Bedürftige und Menschen in der Stadt, denen es nicht so gut geht. Doch jetzt braucht die ehrenamtliche Einrichtung selbst Hilfe. Denn das ehemalige Avacon-Gelände an der Peiner Straße, in denen ihre Räume untergebracht sind, soll nach dem Willen der Politik wegen der hohen Unterhaltungskosten von bis zu 100 000 Euro im Jahr möglichst bald vermarktet werden. Dann müsste die Tafel dort weichen – doch eine Alternative ist weit und breit nicht in Sicht.

Tafelleiterin Renate Grethe treibt deshalb die Zukunft ihrer Einrichtung um. Derzeit wird das frühere Avacon-Gelände am östlichen Ortsausgang der Kernstadt neben der Tafel nur noch von der Kleiderkammer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) genutzt. Als Flüchtlingsunterkunft, wie auf dem Höhepunkt der Zuwanderungswelle beim Ankauf durch die Stadt noch gedacht, wird es nicht mehr gebraucht. In der Sehnder Politik wird daher über eine Vermarktung des Geländes nachgedacht, und die Tafel müsste umziehen. Die Ehrenamtlichen sind deshalb bereits aktiv geworden – doch es gebe keine geeigneten Räume. „Wir haben schon überall nachgefragt“, sagt Grethe.

Bei privaten Anbietern müsse man mit mindestens 500 Euro Miete monatlich rechnen. Das könne die Tafel nicht aufbringen. Falls das Gelände tatsächlich verkauft werden sollte, sieht Grethe das Rathaus in der Verantwortung. „Die Stadt muss uns dann Räume zur Verfügung stellen, so wie es in Lehrte geschieht.“ Allerdings habe sie aus dem Rathaus noch keine Signale in dieser Hinsicht vernommen, obwohl sie ansonsten mit der Zusammenarbeit mit der Stadt ausdrücklich sehr zufrieden sei. „Aber wenn es keine Räume gibt, muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass es irgendwann mal keine Sehnder Tafel mehr gibt“, meint Grethe.

Grethe blickte dabei auch auf das abgelaufene Jahr zurück. Die Zahl der registrierten Nutzer der Tafel sei mit 100 Familien gleich geblieben. „Das sind rund 350 Menschen, darunter 100 Kinder“, rechnet die Sehnderin vor. Das habe auch daran gelegen, dass es in diesem Jahr kaum Zulauf von Flüchtlingen gegeben habe. Die Tafel wurde zudem von diversen Akteuren unterstützt: Etwa mit einer Benefizaktion vom Civitan Club und Golf Rethmar, einer Pfandspendaktion des Rewe-Marktes und der Aktion „Hilf mit! Kauf eins mehr“ von Edeka Jacoby.

Der bundesweite Trend, dass immer mehr Rentner wegen steigender Altersarmut die Tafeln nutzen, sei in Sehnde (noch) nicht zu beobachten, sagt Grethe. Das liege aber nicht daran, dass dafür kein Bedarf da sei. Es gebe in der Stadt rund 1000 Menschen, die auf einem Niveau unterhalb der Grundsicherung leben müssten. Allerdings gebe es in Sehnde viele kleine Ortsteile, in denen jeder jeden kenne: „Da schämt man sich.“ Die Armut nehme durchaus zu, habe sie beobachtet. Gerade, wenn man die vielen Minijobs in Betracht ziehe, bei denen die Menschen kaum Altersvorsorge betreiben könnten.

100 Kinder freuen sich über Geschenke

Zu Weihnachten waren die Sorgen um die Zukunft der Sehnder Tafel aber kein Thema. Denn es ist Tradition, die bei ihnen registrierten Bedürftigen mit einer besonderen Weihnachtsausgabe zu erfreuen, bei der der graue Alltag außen vor bleiben soll. Die Gäste erhielten pro Familie eine vom Civitan-Club gespendete Weihnachtstüte mit Kaffee, Tee, Schokolade, Keksen, Nüssen und Eiern. Die rund 100 Kinder bekamen Geschenke und Kuscheltiere, die einige Schüler der KGS, die Kreuzkirchengemeinde, der Hort Kunterbunt und zwei Familien aus Höver und Sehnde gesammelt hatten. Zwei ausgewachsene Weihnachtsbäume fanden ebenfalls Abnehmer. Neben der Ausgabe selbst wurden die Kunden von der Tafel und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern im Beisein von Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke und Ortsbürgermeister Helmut Süß noch zu einer Weihnachtskaffeetafel eingeladen, und die Bibel-Gemeinde bot Stockbrotbraten an.

Von Michael Schütz und Oliver Kühn

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