Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten 38 Jahre für die Jugend: Werner Bethke geht
Region Sehnde Nachrichten 38 Jahre für die Jugend: Werner Bethke geht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 02.12.2018
Werner Bethke hat auch im Kinder- und Jugendtreff am Papenholz unzählige Jugendliche betreut. Quelle: Katja Eggers
Sehnde

Kaum jemand dürfte in Sehnde wohl so viele Jugendliche betreut haben wie Werner Bethke. Der Sozialpädagoge mit den langen Haaren und dem markanten Rauschebart hat 38 Jahre lang für die Stadt gearbeitet, erst im Jugendfreizeitheim am Stadion und nach dessen Umzug im Kinder- und Jugendtreff am Papenholz. Jetzt geht Bethke in den Ruhestand. Im Gespräch mit HAZ-Mitarbeiterin Katja Eggers hat der 65-Jährige zurückgeblickt.

Herr Bethke, als Sozialpädagoge sind Sie in Sehnde doch bekannt wie der sprichwörtlich bunte Hund, oder?

Ja, das stimmt wohl. Viele Eltern, deren Nachwuchs heute den Kinder- und Jugendtreff besucht, sind früher selbst in der Einrichtung ein- und ausgegangen. Während meiner Tätigkeit hatte ich sage und schreibe neun Vorgesetzte. Mein Job hat mir aber immer viel Spaß gemacht. Die Arbeit war sehr abwechslungsreich. Klar hatte ich zwischenzeitlich auch mal die Idee, woanders zu arbeiten, aber letztlich wusste ich auch, was ich hier habe. Schließlich konnte ich mir bei meiner Arbeit alles so einrichten, wie ich es brauchte.

Sie meinen Sehndes erstes Jugendfreizeitheim?

Genau, ich habe das ja damals zusammen mit der Jugendzentrumsinitiative quasi angeschoben und am Aufbau und am Konzept mitgewirkt, viel selbst gestaltet und dann auch die ganze Einrichtung eingekauft. Wir haben dort ja mit nix angefangen. Die drei großen Posten Küche, mobile Discoanlage und Werkstatt habe ich seinerzeit mit 20.000 Mark bestritten. Mit dem Jugendfreizeitheim hatten Sehndes Jugendliche ab Dezember 1980 erstmals einen eigenen Anlaufpunkt, vorher gab es da gar nichts.

Angefangen haben Sie in dem Jahr aber doch schon zum 1. Februar. Wo war denn da ihr Arbeitsplatz?

Ich hatte ein Büro im Rathaus und kümmerte mich zunächst als Vertretung für einen kranken Kollegen um die Organisation des Ferienpasses. Im Jugendfreizeitheim war ich dann jahrelang Einzelkämpfer und hatte nur wechselnde Praktikanten, die bei mir ihr Anerkennungsjahr absolvierten. Zu besten Zeiten kamen nach der Schule ganze Klassen zu uns. Mitunter waren täglich bis zu 90 Jugendliche im Haus. Später wurden dann zum Glück weitere Mitarbeiter eingestellt.

Welche Ereignisse sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Der Brand und der Umzug. 1991 ist im Jugendfreizeitheim ein Raum komplett ausgebrannt, Ursache war vermutlich ein Schwelbrand am Fernseher. Danach war das ganze Haus pechschwarz, das war ein Schock. Das Gebäude war dann fast ein Dreivierteljahr geschlossen. Die Jugendlichen hatten in dieser Zeit keinen Treffpunkt, und ich saß wieder im Rathaus und habe von dort aus mit Versicherungen und Handwerkern telefoniert, damit wir alles wieder auf die Reihe kriegen. Irgendwann konnten wir wieder einziehen und mussten alles wieder einrichten, unter anderem mit gespendeten Möbeln. In den Neunzigern wollte die Stadt umfangreich renovieren. Das war aber zu teuer und zu aufwändig, und dann hat die Stadt der Kirche ja das Bonhoefferhaus am Papenholz abgekauft. Die Jugendarbeit ist dann im September 2013 dorthin umgezogen.

Und wie lief es so mit Sehndes Jugendlichen?

Große Kracher hatten wir eigentlich nie. Klar, am alten Standort gab es hin und wieder mal Probleme mit Jugendlichen und Alkohol. Ach ja, und wir hatten mal ein Fußballturnier, bei dem die gegnerische Mannschaft hier ein bisschen aufmischen wollte, da musste die Polizei kommen.

Aber es gab ja auch viel Positives...

Ja, klar. Ich habe mit den Jugendlichen immer viel handwerklich gearbeitet. Wir haben unter anderem Siebdruck gemacht, gesägt, Kerzen gegossen und natürlich viel am Haus gewerkelt. Wichtig war mir immer die offene Jugendarbeit. Bei uns können die Jugendlichen auch einfach nur Musik hören, chillen, quatschen, krökeln oder Billard und Tischtennis spielen. Für viele ist das der erste Kontakt zu unserem Haus.

Sind die Jugendlichen heute eigentlich anders als früher?

Ja, ich finde, sie sind heute schlaffer und lethargischer. Früher wollten sie was reißen, haben sich engagiert und für eine Sache gekämpft. Heute sind sie eher angepasst und nehmen es hin, wenn etwas nicht geht. Das liegt aber vermutlich auch an den Eltern, die sind heute auch nicht so auf Konfrontation wie etwa die Generation der Alt-68er.

Freuen Sie sich denn jetzt auf Ihren Ruhestand?

Ja, irgendwann ist es ja auch mal genug. Im Ruhestand habe ich jetzt mehr Zeit für meine Hobbys. Im Januar mache ich erstmal Skiurlaub in den Südtiroler Alpen. Ich kann mir aber auch vorstellen, mich künftig ehrenamtlich zu engagieren. Früher habe ich auch mal im Posaunenchor gespielt, vielleicht gebe ich auch wieder Kurse an der Volkshochschule. Aber das lasse ich alles in Ruhe auf mich zukommen.

Von Katja Eggers

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke hat am Mittwoch zwölf neue Ehrenamtskarten an langjährig engagierte Bürger überreicht. Damit sind Vergünstigungen verbunden, wie etwa der freie Eintritt ins Waldbad.

28.11.2018

Mit einem Konzert mit irischer und schottischer Folkmusik veranstaltet das Irish Pub Paddy’s Windy Corner in Sehnde am Freitag, 30. November, seinen zweiten Kulturabend.

28.11.2018

26 Koffer-, Schrank- und Tretnähmaschinen haben die Sehnder Gewerkschaftssenioren des DGB bei Bürgern gesammelt. Diese gehen nun in die Dritte Welt, vor allem nach Afrika.

28.11.2018