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Region Sehnde Nachrichten Dreijährige könnten im August ohne Kitaplatz dastehen
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18:08 07.02.2018
Die Ausschussmitglieder besichtigen die Kindertagesstätte Marggrafstraße, in der es ab Sommer eine 16-Uhr-Gruppe geben soll. Quelle: Sandra Köhler
Sehnde

 Es ist wie der Kampf gegen Windmühlen: Die Stadt muss ihre Kindergartenbedarfsplanung noch einmal ganz neu überdenken. Denn kaum schien sich mit der geplanten Ausweitung der Betreuungszeiten in der Kindertagestätte Marggrafstaße eine Lücke in der Ganztagsbetreuung zu schließen – da wirbeln anstehende Gesetzesänderungen der Landesregierung alles Kalkül durcheinander. Was Katharina Fischer, Fachdienstleiterin Kindertagestätten und Jugend, den Mitgliedern des gleichlautenden Ratsausschusses am Montagabend eröffnete, schlug ein wie eine Bombe. Denn die vom Land bereits für den 1. August geplante vollständige Beitragsfreiheit im Kindergarten droht alle Berechnungen umzuwerfen und könnte die Stadt teuer zu stehen kommen. Die von der SPD/CDU-Koalition im Landtag  geforderte Flexibilisierung der Einschulung würde das Problem noch zusätzlich verschärfen. 

Eine komplett betragsfreie Kindergartenzeit, wie sie am 23. Februar beschlossen werden soll, wird Eltern freuen. Die Kommunen jedoch kommt sie finanziell teuer zu stehen – wenn nicht nachgebessert werde, sagt Fischer. Denn bei der im Januar vorgestellten Finanzierungsvariante würde Sehnde statt der bisherigen rund 1, 46 Millionen Euro lediglich 1,22 Millionen erhalten. Diese bestehen aus der 20-prozentigen Finanzhilfe des Landes, den Pauschalen für das beitragfreie Kitajahr und den Kitabeiträgen.

 Zur Finanzhilfe gehört eine einheitliche Personalkostenquote in Höhe von 52 Prozent. Die Jahreswochenstundenpauschale in Sehnde beträgt im laufenden Kindergartenjahr 1196 Euro für sozialpädagogische Fachkräfte wie Erzieher sowie 1027 Euro für sonstige Fach- und Betreuungskräfte wie Sozialassistenten und Kinderpflegerinnen. Ob  die gesetzlich vorzuhaltenden Springerkräften miteinbezogen werden, ist offen. „Um auskömmlich zu sein, müssten es aber  62 Prozent sein“, sagt Fischer. 

Da bisher noch nicht klar sei, ob sich die Beitragsfreiheit eventuell sogar auf eine Ganztagsbetreuung beziehe, mache die Kalkulation des Bedarfes schwierig. „Bisher haben viele Familien aus Kostengründen versucht, mit einer geringeren Betreuungszeit auszukommen. Das wäre dann anders.“ In diesem Falle sei die Kommune gezwungen, nicht wie bisher nach und nach anzupassen, sondern auf einmal. „Und wir sprechen von Kindergartenplätzen, nicht von ausgeweiteten Zeiten“, gab Florian Schuchardt (Grüne) zu bedenken. Denn schließlich gebe es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. 

Um das Maß voll zu machen, haben die Mehrheitsfraktionen im Landtag einen Entwurf zur Änderung des Schulgesetzes eingebracht. Nach diesem sollen Eltern entscheiden dürfen, ob Kinder, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September  sechs Jahre alt werden,  eingeschult werden oder noch ein Jahr im Kindergarten bleiben sollen. Zum Schuljahr 2018/2019 beträfe dies in Sehnde 55 Kinder. 

Das Land nimmt an, dass 20 Prozent der Eltern diese Option nutzen. Fischer hingegen rechnet mit etwa 50 Prozent. Selbst wenn nur 20 Prozent, also 11 Kinder, in der Kita verblieben, ergebe das mit den zu erwartenden fünf von den Schulärzten zurückgestellten Musskindern einen Mehrbedarf von bisher nicht vorgesehenen 15 Kindergartenplätzen. „Nach den derzeitigen Anmeldezahlen wäre die Folge, dass nicht alle Dreijährigen zum 1. August mit einem Kindergartenplatz versorgt werden können“, sagt Fischer. 

Nachmittagsbetreuung in Kita Marggrafstraße kommt

Im Sommer soll sie also tatsächlich kommen – die Nachmittagsgruppe in der Kita Marggrafstraße. Eine der beiden bisher lediglich bis 13 Uhr geöffneten Gruppen wird zum neuen Kindergartenjahr in eine 16-Uhr-Gruppe umgewandelt. Dabei bleibt der Frühdienst weiter bestehen. Die Mitglieder des Ratsausschusses für Kindertagesstätten und Jugend sprachen sich einstimmig für die von der Verwaltung geplante Ausweitung der Betreuungszeit aus. Eine Erhebung Mitte Dezember hatte zu Tage gebracht, dass insbesondere in Sehnde-Mitte ein Defizit  von 24 Ganztagsbetreuungsplätzen besteht. So werde auch die Einrichtung selbst aufgewertet. Die Mischung aus deutschstämmigen Kindern und solchen mit anderem kulturellen Hintergrund soll in beiden Gruppen gewährleistet werden. Deshalb werden sie im Vormittagsbereich zunächst zeitlich gemischt, und die Kinder für den Nachmittag erst später zusammengefasst. ks

Von Sandra Köhler

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