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Region Sehnde Nachrichten Nahversorgung: Umfrage soll Bedarf in Rethmar ermitteln
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15:58 27.02.2019
Der Ort Rethmar hat gut 1900 Einwohner und wird durch das geplante Neubaugebiet noch wachsen. Quelle: Stadt Sehnde/Hiller
Rethmar

 Die Nachricht von der für Ende März geplanten Schließung des Dorfladens in Rethmar hat in der Bevölkerung für Bestürzung gesorgt. Wie es danach in Sachen Nahversorgung in Rethmar weitergehen könnte, soll jetzt eine Umfrage ermitteln. Das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig – kurz Thünen-Institut – hat Rethmar für sein Forschungsprojekt „Dynamik der Nahversorgung in ländlichen Räumen“ ausgewählt. Rethmar ist der erste untersuchte Ort, in dem ein Laden schließt.

Lösung für Nahversorgung auf dem Land

Am Freitag und Sonnabend werden dafür Fragebögen an die rund 850 Haushalte im Ort verteilt. Auf insgesamt neun Seiten geht es darum, wie sich die Ladenschließung auf das Einkaufsverhalten der Rethmarer und deren Zufriedenheit mit der Versorgungssituation auswirkt. Die Umfrage soll zudem ermitteln, welche Alternativen die Bewohner nutzen, um Güter des täglichen Bedarfs zu kaufen und wie sie die Einkaufsstandorte erreichen. Oder wie oft sie etwa das Café im Dorfladen besuchen oder besucht haben.

Darüber hinaus geht das Institut der Frage nach, wie Angebote gestaltet werden sollten, um den Bedürfnissen der Menschen vor Ort zu entsprechen und sich langfristig am Markt zu behaupten. „Alles in allem geht es darum, Lösungen für die Nahversorgung im ländlichen Raum zu entwickeln und im günstigsten Fall konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik zu geben, damit nicht am Bedarf der Menschen vorbei geplant wird“, erklärt Matthias Kokorsch vom Thünen-Institut.

Am 30 März schließt der Dorfladen endgültig seine Türen. Quelle: Patricia Oswald-Kipper (Archiv)

Interessant sind für das Unternehmen sowohl Läden, die schließen, als auch solche, die öffnen. Bisher haben Kokorsch und sein Team Dorfladenöffnungen im niedersächsischen Mariensee und Lützelburg in Bayern betrachtet, im April kommt noch Müden in Niedersachsen dazu. Die Ergebnisse der Befragung sollen im Spätsommer oder Herbst öffentlich vorgestellt werden. Das Besondere ist zudem, dass die Befragung nicht nur vor der Schließung des Dorfladens durchgeführt wird, sondern auch noch ein zweites Mal im Spätherbst. „Damit wollen wir Veränderungen feststellen“, sagt Kokorsch.

Ortsbürgermeister hofft auf rege Beteiligung

Rethmars Ortsbürgermeister Matthias Jäntsch will bei der Verteilung der Fragebögen helfen. Er sieht die Teilnahme an dem Forschungsprojekt als große Chance. Die Haushaltsbefragung könne wichtige Informationen für die Zukunft liefern. „Die Bürger haben jetzt die Möglichkeit zu äußern, was ihnen in Sachen Nahversorgung wichtig ist“, betont Jäntsch. Denkbar sei für Rethmar sowohl ein genossenschaftlich betriebener Dorfladen, wie es ihn bereits in Bolzum gibt, als auch ein privat geführtes Unternehmen oder ein mobiler Anbieter. Möglicherweise könne bei der Befragung aber auch herauskommen, dass die Rethmarer zum Einkaufen lieber nach Sehnde oder Lehrte fahren und gar keinen Wert auf einen Nahversorger im Ort legen.

Jäntsch hofft, dass sich möglichst viele Rethmarer an der Befragung beteiligen. Das Ausfüllen des Bogens dauert etwa 20 Minuten, die Angaben werden anonymisiert ausgewertet. Für die Rücksendung bis zum 31. März hat das Institut einen frankierten Rückumschlag beigelegt.

Zahl der Nahversorger ist drastisch zurückgegangen

In vielen Dörfern fehlen Möglichkeiten zum Einkauf von Lebensmitteln oder anderen Gütern des täglichen Bedarfs. Laut Matthias Kokorsch vom Thünen-Institut in Braunschweig sind die Zahlen der Nahversorger im ländlichen Raum drastisch zurückgegangen. Während es 1990 im gesamten Bundesgebiet noch etwa 86.000 gab, sind es 2018 nur noch 38.000 gewesen.

Schließungen gebe es vor allem bei Geschäften mit weniger als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche wie etwa Dorf- und Tante-Emma-Läden. Im Jahr 1990 gab es um die 66.000 solcher Läden, im Jahr 2015 sind davon gerade einmal etwa 8.500 übrig geblieben. Die Zahl der Discounter hat sich dagegen zeitgleich nahezu verdoppelt und ist von 7.700 auf 16.200 angestiegen. Der Trend geht dabei zu Discountern auf der sogenannten grünen Wiese. „Das führt dazu, dass Ortskerne zunehmend veröden“, erklärt Kokorsch.

Von Katja Eggers

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