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Region Sehnde Nachrichten SPD-Kandidat sieht Stadtentwicklung als Hauptaufgabe
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00:15 20.04.2019
Olaf Kruse tritt für die SPD als Bürgermeisterkandidat an. Mit Redakteur Oliver Kühn spricht er über seine politischen Vorstellungen. Quelle: Oliver Kühn
Sehnde

Eine nachhaltige Stadtentwicklung, die sich über alle Ortsteile erstreckt und alle Generationen im Blick hat – das ist für den SPD-Kandidaten Olaf Kruse ein Schwerpunkt seiner politischen Vorstellungen. „Das alles aber im Rahmen der vorhandenen Infrastruktur“, sagt der 56-jährige Diplom-Verwaltungswirt. Den Fokus legt Kruse dabei auf die frühkindliche Betreuung in Kitas und Krippen. „Da gibt es einen sehr großen Bedarf für arbeitende Eltern“, meint er. Deshalb müsse man die Familien mit ins Boot holen und etwa bedarfsgerechte Öffnungszeiten abfragen und nicht nur von der Verwaltung aus anbieten: „Wir werden in nächster Zeit bei den Bedürfnissen der Familien nacharbeiten müssen“, ist sich der Bürgermeisterkandidat sicher. Da müsse die Familienstadt Sehnde offensiver agieren. Auch in den Ortsteilen wie etwa in Rethmar seien weitere Gruppen notwendig.

Ein Freund der verpflichtenden Ganztagsschule

Den kürzlich vom Rat beschlossenen Paradigmenwechsel zu einer flächendeckenden nachschulischen Betreuung in Grundschulen sieht Kruse als Erfolg seiner Partei. Kein Wunder, dass der Spaziergang an der Grundschule Höver beginnt, die seit Februar als Pilotschule in dieser Richtung arbeitet. „Die Baustelle zeigt symbolisch, wo wir hinwollen: weg von einer reinen Hortbetreuung wie etwa an der Astrid-Lindgren-Schule“, sagt Kruse. Er sei zwar ein Freund einer verpflichtenden Ganztagsschule, die für alle planbarer wäre, doch dies sei in Sehnde derzeit wohl noch nicht umsetzbar. Er wolle sich nicht über Eltern und Lehrer hinwegsetzen: „Die offene Ganztagsschule wird favorisiert, doch ich würde beides wo möglich parallel anbieten wollen.“

Gleichwohl sei ihm bewusst, dass der Ausbau der Betreuung aufgrund des Fachkräftemangels ein großes Problem darstelle, meint der SPD-Kandidat. Dies sei jedoch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die Stadt könnte jedoch mit gut ausgestatteten Arbeitsplätzen mit schönen Sozialräumen, modernen Sanitäranlagen und Rückzugsmöglichkeiten punkten. Um die zahlreichen Anforderungen bewerkstelligen zu können, sei auch beim Fachdienst Gebäudewirtschaft mehr Personal erforderlich.

Kritik an schleppenden Bauplanungen

Als Beispiel nennt Kruse den seiner Ansicht nach schleppenden Fortgang bei der Planung des neuen Sportzentrums für die vor bald drei Jahren abgebrannte Sporthalle an der Waldstraße, den er auch wiederholt im Rat moniert hat. Die Arbeiten haben noch immer nicht begonnen, und die Vereine klagen unter den erheblichen Einschränkungen. Auch die gerade erst begonnene Erweiterung der KGS reihe sich dort ein. „Das geht mir alles zu langsam.“ Die von seiner Partei angeschobenen Baugebiete Kleines Öhr und Rethmar-West seien für die Zukunftssicherung der Stadt aber unerlässlich.

Die Rekordverschuldung der Stadt, die bis 2022 auf rund 32 Millionen Euro anwachsen wird, sieht Kruse aber nicht als besorgniserregend. „Wir investieren zwar viel, bekommen dafür aber auch moderne Bauwerke als Gegenwert.“ Auch der kommunale Finanzausgleich des Landes in zweistelliger Millionenhöhe sei ein solider Einnahmeposten. Wegen der vielen Baumaßnahmen der nächsten Jahre wäre ein Doppelhaushalt überlegenswert, meint der Kandidat. „Dann wäre vieles besser planbar.“ Auf Kritik stößt bei dem Sozialdemokraten die Investitionsplanung. „Die muss viel früher beginnen, derzeit ist alles sehr eingefahren“, meint er. Oft müssten Wünsche der Ortsräte und Fachausschüsse, die diese dann für das von der Verwaltung vorgelegte Zahlenwerk formulieren, „zu Grabe getragen“ werden.

Besseres Internet für die Wirtschaft nötig

Eine stärkere Kommunikation mit den Gewerbetreibenden und ein besseres Internet für die Wirtschaft allgemein etwa mit der neuen Glasfasertechnik sieht Kruse als weitere wichtige Zukunftsaufgabe. „Das ist für mich derzeit nicht wahrnehmbar.“ Bürgersprechstunden in den Ortsteilen gehörten für ihn auch zu einer öffentlichen, flächendeckenden Präsenz. Die Entwicklung der zentralen Einkaufmeile Mittelstraße etwa, die seit Jahren nicht vorankomme, vergleicht der Diplom-Verwaltungswirt mit einem „Erste-Hilfe-Kasten mit Pflaster“: „Wir brauchen aber eine Operation und müssen da größer denken“, fordert er.

In eigener Sache beschreibt sich Kruse als kompetent, eine Verwaltung zu führen. Er sei ein sachlicher Typ, analytisch und kommunikativ, sei hartnäckig im positiven Sinne, schätze eine flache Hierarchie und ziehe seine Mitarbeiter als Fachleute zu Rate. „Mein Ziel ist es, Sehnde gemeinsam als florierende Familienstadt zu entwickeln.“

Weitere Berichte zur Bürgermeisterwahl lesen Sie auf haz.li/sehndewahl

Olaf Kruse ist in Bolzum aufgewachsen und lebt seit 1996 in Wehmingen. Der gelernte Diplom-Verwaltungswirt ist seit 2001 im Rat der Stadt sowie im Ortsrat Wehmingen vertreten. Seit der Kommunalwahl 2016 ist der 56-Jährige in Wehmingen Ortsbürgermeister und zusammen mit Günter Pöser Sprecher der Gruppe SPD-Bündnis 90/Die Grünen im Rat. In der dortigen SPD-Fraktion wirkt er seit Februar 2014 als Fraktionsvorsitzender. 2016 übernahm Kruse die Arbeitsbereichsleitung eines Kompetenzzentrums mit Mitarbeitern an den Standorten Bayreuth, Hannover, Landshut und Mühldorf. Privat engagiert sich der Vater zweier erwachsener Kinder in Vereinen und der Feuerwehr.

Von Oliver Kühn

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