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Nachrichten Kriegerdenkmal soll zum Mahnmal werden
Region Sehnde Nachrichten Kriegerdenkmal soll zum Mahnmal werden
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00:17 16.12.2017
Die Inschrift am Sockel des Kriegerdenkmals stößt auf Unbehagen. Quelle: Michael Schütz
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Sehnde

Der Gedenkstein an der Breiten Straße ist deutlich älter als sein Pendant auf dem Friedhof an der Lehrter Straße. An dem Sockel, auf dem ein knieender Soldat zu sehen ist, sind die Namen der Soldaten aus der damaligen Gemeinde Sehnde verzeichnet, die den Ersten Weltkrieg nicht überlebt haben. Es ist allerdings im Besonderen ein Text an der südlichen Seite, der Kopfzerbrechen bereitet. Dort heißt es: "Wer als Held sein Blut der Freiheit Gut, seinem Volk und seinem Land gab, der schläft wohl in seinem Grab."

Unlängst ist genau diese Seite des Sockels mit Farbe beschmiert worden. Dieser Akt des Vandalismus hat den Pastor der Kreuzkirche, Uwe Büttner, aktiv werden lassen. "Es ist sicher kein Zufall, dass gerade diese Seite beschmiert wurde", vermutet er. Ihn habe dieser Satz schon immer gestört. "Er glorifiziert und verharmlost in militaristischer und nationalistischer Weise die Brutalität eines Krieges", findet Büttner und hat darüber zwei Aufsätze im Gemeindebrief veröffentlicht. Darin zieht er eine direkte Linie vom Leiden der Menschen im Ersten Weltkrieg zum Leid und der Zerstörung, wie sie aktuell Menschen in Syrien erleben.

Ausdrücklich nimmt der Pastor Bezug auf die Folgen dieser Kriegshandlungen, wenn er die Flüchtlingsbewegungen erwähnt, die auch Deutschland gegenwärtig erlebe. "Dieses Leid wird mit dieser Aufschrift völlig ausgeblendet." Sie widerspreche zudem allen demokratischen Traditionen, die sich in Deutschland in den letzten 70 Friedensjahren herausgebildet hätten. "Und es unterläuft alles Bemühen um friedliche Lösungen in Politik und Gesellschaft, wenn der Krieg nur zeitweise ruht", bezieht er sich auf den knieenden Soldaten, der seiner Ansicht jederzeit bereit sei, "weiteres Unheil in die Welt zu tragen."

Der Gedenkstein habe einst an der B 65 gestanden und musste vor Jahrzehnten deren Ausbau weichen, sagte Büttner. Der Geistliche vermutet Pietätsgründe gegenüber den Gefallen und deren Familien, warum der Stein nicht ganz ersetzt wurde. Er sei damals auf den Kirchhof gekommen, gehöre aber der Stadt. Deswegen hat sich Büttner an den Ortsrat gewandt, um das Aufstellen einer Informationstafel anzuregen, die die Zusammenhänge des Denkmals erklären. Dadurch werde das Denkmal zu einem Mahnmal, beschreibt es der Pastor.

Wann das passiert, sei aber noch nicht klar, sagte Büttner. Der Ortsrat stehe zwar bereits hinter dem Vorhaben, aber im Rathaus müssten zunächst die genauen Hintergründe des Steins in den Archiven erkundet werden, etwa wann er aufgestellt wurde und wann er auf den Kirchhof kam.

Von Michael Schütz

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