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Region Sehnde Nachrichten Sehnder Rat verabschiedet Resolution zu Assewasser
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17:48 19.12.2017
Bernd Nieding (von rechts) und Cedric Bätje von der Bürgerinitiative haben 2000 Unterschriften an Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke übergeben. Quelle: Oliver Kühn
Sehnde

 Seit Monaten wird in der Stadt darüber diskutiert: Jetzt hat der Rat einstimmig eine Resolution gegen die mögliche Einleitung von Wasser aus der Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel in das stillgelegte Bergwerk Friedrichshall verabschiedet. Von den Zuhörern der Ratssitzung, darunter viele Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Assewasser – Nein Danke, gab es dafür offenen Applaus. Doch die Einigkeit bei der Abstimmung wird wohl nur symbolischen Charakter haben – denn die Stadt wird nicht am Verfahren beteiligt und etwa angehört, wie Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke mitteilte. Die BI übergab ihm dennoch 2000 Unterschriften gegen das Vorhaben.

Die Stadt Sehnde wie auch die Stadt Lehrte, die unterirdisch ebenfalls betroffen wäre, würden nicht beteiligt, weil es sich nach Auskunft des Landesbergbauamtes bei der Einleitung von Assewasser nur um eine Änderung des Betriebsplanes handele, sagte Lehrke. Dazu hat die Bergwerkseigentümerin K+S mit der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) einen privatrechtlichen Vertrag geschlossen. 

Für die Gruppe SPD/Bündnis 90-Die Grünen und vor allem den grünen Fraktionschef Günter Pöser spielt das aber keine Rolle. Der Bürgermeister solle aufgrund des jahrzehntelangen Kontakts zu dem Unternehmen trotzdem mit K+S reden und darauf dringen, dass der Vertrag rückgängig gemacht wird: „Wir wollen diese Flüssigkeit nicht haben und von dieser Substanz verschont bleiben.“ Denn das Assewasser werde unterschiedlich bewertet: Ist es nur Salzwasser oder doch radiologisch belastet? SPD-Fraktionschef Olaf Kruse lobte zudem die Gegner des Projekts: „Die Bürgerinitiative hat die Problematik für die Bürger erst bewusst gemacht.“ Die mangelnde Informationspolitik der Firma K+S dagegen habe zu einem erheblichen Vertrauensverlust geführt. Viele Einwohner befürchten einen  Imageschaden für die „Familienstadt Sehnde“, den Wegzug von Bürgern, eine Abschreckung von Investoren für Wohnraum und Gewerbe sowie einen Wertverlust bei Grund und Boden.

Auch die Gruppe CDU/FDP stimmte der Resolution zu. „Wir können die Sorgen verstehen, aber grundsätzlich ist dies ein gesamtgesellschaftliches Problem“, sagte Ratsherr Sepehr Sardar Amiri. Wenn das Wasser nicht in Sehnde eingeleitet werde, würde das Problem nur verschoben, aber nicht gelöst. Fritz Wilke (Die Linke) hatte bereits im Vorfeld klipp und klar gesagt, der er strikt gegen das Vorhaben sei. Mehr als verärgert äußerte sich auch AfD-Fraktionschef Wolfgang Ostermeyer: „Solch ein Vorhaben in einem Ballungsraum ist eine Provokation.“ Seine Partei unterstütze deshalb die Resolution, um Geschlossenheit zu zeigen und ein deutliches politisches Signal zu setzen. Zudem sei anfangs eine Beteiligung Sehndes versprochen worden, die jetzt wieder zurückgenommen worden sei. Er erwarte von der neuen Landesregierung und der Bundesgesellschaft nun alternative Lösungsvorschläge, etwa die Verklappung auf hoher See.

Mit der Annahme der Resolution hat der Rat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diesem Vorhaben „rein betriebswirtschaftliche Überlegungen zugrunde liegen“. Das Interesse der Stadt Sehnde sei dagegen „in keiner Weise berücksichtigt“, heißt es wörtlich. Sowohl die Unterschriftensammlung als auch das große öffentliche Interesse zeigten, dass nicht alle betriebswirtschaftlichen Überlegungen umgesetzt werden sollten. Dazu sollen auch die von der BI übergebenen 2000 Unterschriften als Argument dienen: „Es gibt kein Verständnis in der Bevölkerung dafür, Zutrittswasser aus der Asse nach Sehnde zu bringen und in die Schachtanlage einzuleiten.“

Gelbe Kreuze sollen Protest zeigen

Vielen Sehndern dürften sie bereits aufgefallen sein: die gelben Holzkreuze an Straßenrändern oder vor Grundstückseinfahrten im Stadtgebiet. Damit will die Bürgerinitiative (BI) Assewasser – Nein Danke öffentlichkeitswirksam auf ihren Protest gegen die Einleitung von Assewasser aufmerksam machen. „Wir haben schon mehr als 100 dieser Kreuze gebaut“, sagt BI-Sprecher Bernd Nieding. Interessierte können diese gegen einen kleinen Obolus per E-Mail an info@assewasser-nein-danke.de bestellen. 

Für die erst im August gegründete Initiative zieht Nieding ein positives Fazit: Es habe schon ein Gespräch mit dem ehemaligen Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) gegeben, und auch sein Nachfolger Olaf Lies (SPD) habe Gesprächsbereitschaft gezeigt. Einen Termin gebe es aber noch nicht. Zudem sei der Name der BI in Sehnde bereits ein Begriff geworden: „Wir fühlen uns als Bestandteil der Stadt.“ Vor der Ratssitzung und der Übergabe der 2000 Unterschriften hatten die Aktiven bereits das zweite Mal eine Mahnwache vor dem Rathaus abgehalten. Das nächste Ziel seien 3000 Unterschriften. In vielen Geschäften lägen noch Listen aus, die sich ständig füllten.ok

Von Oliver Kühn

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