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Neubau in der Beethovenstraße soll für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen.

Neubau in der Beethovenstraße soll für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen.
© Linda Tonn

Seelze

Wohnungsmarkt in Seelze ist angespannter denn je

Bezahlbarer Wohnraum ist in Seelze Mangelware. Aktuell liegen der städtischen Wohnungsvermittlung 150 Anfragen für kleine und günstige Wohnungen vor – nur wenige Wohnungen können vermittelt werden. Zudem laufen viele Belegrechte aus. Die Stadt sucht nach Lösungen.

Seelze. Der Wohnungsmarkt ist in Seelze angespannter denn je, die Anfragen nach günstigem Wohnraum nehmen stetig zu. Im Jahr 2016 gingen bei den Teams Wohnungswesen und Sozialarbeit der Stadt etwa 130 Anträge für eine Wohnungsvermittlung ein – nur 85 Wohnungen konnten tatsächlich vermittelt werden. Aktuell liegen knapp 150 Anfragen auf dem Tisch. Das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage sei noch viel höher, weil viele Menschen sehr lange eigenständig suchten, bevor sie sich an die städtische Vermittlung wenden würden, sagt Martina Krapp, die Leiterin der Abteilung Soziale Betreuung.

Wer stellt die Anträge?

Derzeit sind Angaben der Stadt zufolge unterschiedlichste Interessensgruppen auf Wohnungssuche. Dazu gehören Empfänger von Grundsicherung und Hartz IV, kinderreiche Familien, Flüchtlinge, Auszubildende, Erwerbstätige mit geringem und mittlerem Einkommen, Alleinstehende und ältere Menschen. „Weil wir nicht jedem eine Wohnung vermitteln können, behelfen sich viele Menschen selbst“, sagt Krapp. „Einige Familien rücken schon enger zusammen. Das ist keine dauerhafte Lösung.“

 Welche Wohnungen sind besonders gefragt?

„Es werden vor allem Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen für Menschen mit einem kleinen oder mittleren Einkommen benötigt“, sagt Krapp. Was auch zunehme, sei die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum, also barriererfreie Wohnungen in Erdgeschossen oder Häusern mit Aufzügen. Aktuell liegen bei der städtischen Wohnungsvermittlung 125 Anträge für Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen vor. Dazu kommen 20 Anträge für Seniorenwohnungen und sechs Anträge für rollstuhl- und behindertengerechte Wohnungen. 

Weshalb ist die Lage so angespannt?

„Die Region Hannover wächst“, sagt Karin Winkler. Sie leitet die Abteilung für Bau und Umwelt. „Jährlich ziehen mehrere Tausend Menschen neu hierher.“ Laut dem Verband für Wohnungswirtschaft (vdw) müssten niedersachsenweit jährlich 40.000 neue Wohnunge entstehen – und das nicht nur in den großen Städten. Auch Seelze sei als Standort sehr gefragt. „Allerdings wurde hier über Jahre nicht in den Mietwohnungsbau investiert“, so Winkler. Dazu kommt, dass die Stadt mittlerweile 140 Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet hat, die auf dem Wohnungsmarkt fehlen. 

Was muss die Politik tun? 

„Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“, fasst Winkler zusammen. Allerdings habe die Stadt es teilweise versäumt, Flächen für den Wohnungsbau zu erwerben. Daher gehe es jetzt auch darum, Investoren zu überzeugen, statt Häuser auch Geschosswohnungen zu bauen und in den Mietwohnungsbau zu investieren. „Das ist eine politische Entscheidung“, so Winkler.

"Wir brauchen preisgünstigen Wohnraum"

"Wir brauchen preisgünstigen Wohnraum": Karin Winkler, Bernd Rutsch und Martina Krapp.

Quelle: Linda Tonn

Wie wird Wohnraum gefördert? 

Vor allem Sozialwohnungen sind Mangelware. Die Stadt Seelze hat die Belegrechte für 352 Wohnungen, das heißt sie darf Vorschläge für die Belegung machen. Das kommt Menschen zugute, die am freien Wohnungsmarkt keine Chance haben. „Wir schlagen dem Vermieter drei Kandidaten vor“, sagt Krapp. Vorraussetzung ist, dass die Kandidaten einen Berechtigungsschein vorweisen. Allerdings werden Mitte 2018 in Velber 24 Wohneinheiten wegfallen. Bis 2024 laufen die Belegrechte für weitere 173 Wohnungen aus. Mit einem Wohnraumförderprogramm versucht die Region Hannover diesem Trend entgegenzuwirken.

Was kann getan werden? 

„Wir versuchen derzeit Belegrechte für weitere Wohnungen zu erwerben“, sagt Krapp. Hierfür stellen die Region Hannover und das Land Niedersachsen Finanzmittel zur Verfügung. Wenn Eigentümer ihre bezugsfertigen Wohnungen zur Belegung durch die Stadt anbieten, erhalten sie als Einmalzahlung für eine Mindestmietdauer von 60 Monaten 1,50 Euro pro Quadratmeter. Voraussetzung ist, dass der Mieter einen Berechtigungsschein vorweist und dass die Mieten ortsüblich sind. „Wir suchen Vermieter, die dazu bereit sind“, sagt Krapp. Das Modell könne nach fünf Jahren verlängert werden.

Wo entstehen aktuell neue Wohnungen?

Perspektivisch kann der Neubau der KSG in der Beethovestraße für ein wenig Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Hier entstehen keine Sozialwohnungen, allerdings wird die Belegbindung für die Hälfte der Wohnungen in der Beethovenstraße 1 verlängert. Hoffnungen setzen Krapp und Winkler in einen vierten Bauabschnitt im Baugebiet Seelze-Süd. „Allerdings sind alle Projekte, über die wir sprechen, frühestens 2019 bezugfertig“, sagt Krapp.

Informationen zu Fördermöglichkeiten

Die Durchschnittsmiete bei geförderten Wohnungen beträgt 5,60 Euro pro Quadratmeter. „Das ist im Neubau fast unmöglich“, , sagt Martina Krapp. Deshalb bemüht sich die Stadt um Wohnungen im Bestandsbau. Das Wohnraumförderprogramm der Region Hannover unterstützt Vermieter, die ihren Wohnungen zur Belegung durch die Stadt Seelze anbieten. Nähere Informationen zu Anträgen und Fördermöglichkeiten können beim städtischen Wohnungsvermittler Bernd Rutsch unter Telefon (05137)828324 nachgefragt werden. ton

Von Linda Tonn


neuepresse.de/seelze
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Seelze ist ...

  • ... eine Stadt westlich von Hannover mit 33.000 Einwohnern
  • ... dank seiner Lage an der Leine, dem Mittellandkanal und dem Stichkanal Hannover-Linden vom Wasser geprägt
  • ... Heimat eines der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands
  • ... Standort der Kristall-Therme.
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