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12:18 30.08.2018
Detlef Teuber mit zwei gestempelten Sondermarken vom 9. August 2018 Quelle: Patricia Chadde
Seelze

Der 9. August ist für Detlef Teuber (77) ein Pflichttermin gewesen. Während für Seelzer Schüler der erste Schultag nach den Ferien anstand und für zahlreiche Hochzeitspaare der erste Ehetag nach ihrer Hochzeit am magischen 8.8. begann, war es für Briefmarkensammler wie Teuber ein Ersterscheinungstag neuer Briefmarken. In der Post des Seelzer Kreuzweges läuft dann ein Ritual ab, das schon Teubers Eltern gepflegt haben. Man geht zum Schalter, nickt der Dame dahinter zu. Die nickt zurück und holt die neuen Sondermarken hervor und platziert schließlich sorgfältig einen Stempel auf den bunten Bildchen. Diese Marken werden nicht angeleckt und landen auch nicht im gelben Briefkasten. Sie werden nicht auf reisen gehen, sondern von Detlef Teuber vorsichtig in ein mitgebrachtes Album gesteckt. Zwischen diesen Deckeln findet noch spezielles Löschpapier seinen Platz, schließlich soll der Stempel vom Erscheinungstag nicht verschmieren und nicht auf andere Marken abfärben.

Gut sechs Jahrzehnte ist es her, dass Detlef Teuber mit dem Sammeln deutscher Briefmarken begann. Was heute vielleicht nicht gleich im Bewusstein präsent ist: „Es gab Marken aus Westdeutschland, aus der DDR und West-Berlin.“ Wer mag, kann aus Motiv und politischem Bewusstsein interessante Rückschlüsse ziehen. Beispielsweise, wenn er die DDR-Briefmarke aus Karl-Marx-Stadt betrachtet. Denn damit war nicht der Geburtsort des Philosophen in Trier gemeint, sondern die sächsische Stadt, die bis zum 10. Mai 1953 Chemnitz hieß und dann 1990 wieder rückbenannt wurde. In der DDR wurde eine große Büste des Theoretikers aufgestellt, ohne dass der je selbst einen Schritt auf den Stadtboden gesetzt hätte. Da ist das gesamtdeutsche Briefmarkenmotiv „Harz Bergfichtenurwald“ mit einem Wert von 70 Cent neutraler. Aber die Währung steht gar nicht auf der Marke. Auch das wechselte seit 1900 immer wieder von Mark und Rentenmark über Reichsmark zu alliierter Mark bis zu Ostmark und Deutsche Mark, während derzeit der Euro aktuell ist. Die Anzahl der Nullen sagt dabei nicht so viel über den Briefmarkenwert aus, wie Detlef Teuber anhand einer Marke der Weimarer Republik zeigt. Sie hat den bedruckten Wert von einer Million Reichsmark, was aber nicht viel zu bedeuten hatte, denn es herrschten inflationäre Zeiten, der Werteverfall des Geldes war seinerzeit rasant.

Mit der gerade erschienen Sonderbriefmarke „Harz Bergfichtenurwald“ von der Post herausgegeben und zur Serie „Wildes Deutschland“ zählend, sollen die schönsten Naturlandschaften Deutschlands repräsentiert werden. Wer noch einen Aufschlag von 55 Cent zahlen mag, der bekommt für insgesamt zwei Euro die 145er Marke der Serie Pilze mit dem Motiv des Maronen-Röhrlings. „Gutes tun. Für die Jugend“, steht auf dem Sperrvermerk, das Detlef Teuber natürlich an der gestempelten Briefmarke dran lässt. Motive interessieren ihn aber eigentlich nicht. „Dann müsste man weltweit sammeln, beispielsweise Raketen, Vögel oder Flugzeuge und Züge.“ Apropos Züge. Teuber lernte Schlosser in Leinhausens Ausbesserungswerk und musste mit 23 Jahren für 18 Monate zur Bundeswehr. „Da hat mein Vater Alfred die Sammelei übernommen und sich auch richtig reingekniet. Nach meiner Bundeswehrzeit wollte er die Sammlung nicht wieder an mich zurück geben, denn die Beschäftigung machte ihm Riesenspaß“. Für Detlef Teuber war das kein Problem, er war jung verheiratet, zwei Kinder kamen und die Schwerpunkte lagen nicht auf den kleinen gezahnten Papierstückchen. Inzwischen ist der Nachwuchs erwachsen und erfreut ihn mit schönen Marken. Seine Eltern, die zusammen mit Verwandten aus der DDR fleißig mitgesammelt hatten, sind verstorben und so geht heute nicht mehr Teubers Mutter los, um Sonderbriefmarken abstempeln zu lassen, sondern seit 2002 Teuber wieder selbst.

Von Patricia Chadde

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